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Restauranttests Im Rossini fehlt oft der letzte Handgriff
Mehr Essen & Trinken in Hannover Restauranttests Im Rossini fehlt oft der letzte Handgriff
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15:02 14.09.2018
Ristorante Rossini Degustazione: Auf und ab in der Ferdinandstraße.
Ristorante Rossini Degustazione: Auf und ab in der Ferdinandstraße. Quelle: Villegas
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Hannover

Unausgewogen. So beginnen unsere Kostproben im Restaurant Rossini. Zur Vorspeise essen wir Calamari mit Avocado und Zitronendressing (10 Euro). Die Meeresfrüchte sind zwar zart und gut, die fettreiche Avocado wird allerdings lauwarm serviert, wodurch sie aromatisch sehr ausladend wird. Klar. Kann man so machen. Von dem Zitronendressing, das diesen Geschmack perfekt ausbalanciert hätte, ist aber leider kaum etwas wahrzunehmen. Das ist der Fehler. Hinzu kommt eine Garnitur (neben diverser Rohkost) aus gummiartigem Algensalat, der uns zwingt, sehr lange auf der Kreation zu kauen. Das dichte, aufdringliche Aroma wird dadurch noch intensiviert. Ins genaue Gegenteil schlägt das Lachscarpaccio (12 Euro), das zwar frisch ist und durch die Würze von rosa Beeren und knackigen Rettichstiften einen exzellenten Kontrast bekommt, allerdings drängt nach den ersten Bissen die beißende Säure von viel zu viel Zitronensaft in den Vordergrund, die dann das Geschmacksbild vollends vereinnahmt.

Das Ristorante Rossini Degustazione behauptet auf seinem Internetauftritt, als feste Institution in Hannover zu gelten. Für uns ließ die Küche dafür die Routine vermissen.

Das ist wirklich ärgerlich, weil die prinzipiell gut konzipierten Gerichte an den letzten Handgriffen gescheitert sind. Dabei benötigt die italienische Küche ja nicht einmal filigrane Kunstfertigkeit, sondern ist im Kern immer eine rustikale Handwerkerküche geblieben. Es wird zischend gegrillt und sprudelnd gekocht, es braucht nur ein gutes Produkt und dazu wenige Zutaten, um ein Höchstmaß an Wohlgeschmack zu erzeugen. Gut, zugegeben, in dieser Simplifizierung liegt auch die Komplexität der Sache. Wie lange lasse ich die Zwiebeln bräunen, bis ich mit dem Schuss Weißwein ablösche? Wie lange köchelt die Tomatensoße, bis die frischen Kräuter untergehoben werden? Genauigkeiten, die am Ende den Geschmack maßgeblich bestimmen. Daran scheint es im Rossini bei unseren Besuchen zu mangeln: Genauigkeit – auch hinsichtlich der Kommunikation.

Geschmack überlagert

Beispiel: Die Rinderfilets (24 Euro) mit Entenleber in Marsalasoße (im Grunde eine Abwandlung des Klassikers Tournedos Rossini: Rinderfilets mit Gänsestopfleber, Trüffeln und Madeirasoße) werden nicht mit einer Entenleber, sondern mit einer Paté di fegato serviert. Dieses Detail sollte der Gast im Vorfeld wissen. Paté di fegato ist eine Spezialität, die vor allem in Venetien aus Hühnerleber (hier mit Entenleber) hergestellt wird und im Grunde einer streichfähigen Leberwurst ähnelt, die gerne zu einem Stück Brot als Vorspeise gegessen wird. Schmeckt toll, aber in dieser Kombination überlagert die intensive Komponente völlig den Geschmack des zarten und wohlschmeckenden Fleischs, sodass wir es komplett herunterkratzen. Die Beilagen (Gemüse, Kartoffeln) sind demgegenüber gut, die Soße sogar ganz hervorragend.

Ähnlich ergeht es uns beim Carpaccio Costa Verde (11,50 Euro), das laut Karte „mit frisch gebratener Paprika“ serviert wird. Wobei das wörtlich zu verstehen ist. Das Gemüse wird nicht nur heiß serviert, sondern heiß auf das Carpaccio gelegt, wodurch Teile der dünnen Fleischscheiben sofort gar ziehen – ist das Absicht? Wir wissen es nicht, es schmeckt ja nicht einmal uninteressant, aber wir wollten an diesem Sommertag rohes, kühles Fleisch genießen. Nur ein Wort der Erklärung seitens des Servicepersonals, und wir hätten die Möglichkeit gehabt, etwas anderes zu bestellen. Es gibt hier ja einige Auswahl und auch wirklich gute Gerichte. Die Vorspeisenvariation (11 Euro) mit köstlichem russischen Salat und feinem Schinken etwa. Oder die Spaghetti Scoglio (14,50 Euro) mit Meeresfrüchten, denen zwar etwas Salz fehlt, bei denen aber dafür der eingearbeitete salzig-jodige Queller für eine feine Note sorgt.

Es geht hin und her

So geht es bei unseren beiden Besuchen stets hin und her, auf und ab mit der Qualität. Uns wird trocken-teigiges Focaccia vorgesetzt, das uns an günstige Tütenware erinnert. Oder eine Scheibe Gnocci alla Romana (zum ganz ordentlichen Seeteufel mit Kapern-Trockentomaten-Pesto für 21 Euro) auf den Teller gelegt, die auf einer Seite dunkelbraun, an den Ecken nahezu schwarz gebraten wurde.

Was bleibt am Ende also über die Besuche im Rossini zu sagen? Einem Betrieb, der auf seinem Internetauftritt selbstbewusst schreibt, als Institution in Hannover zu gelten? In Italien würde man wahrscheinlich mit den Schultern zucken und die Sache mit dem Wörtchen „insomma“ abtun. Das lässt sich am ehesten mit „so lala“ übersetzen, „reden wir besser über was anderes“.

Das Fazit

Der Küche mangelt es bei unseren Besuchen nicht an Können, sondern an Genauigkeit.

Kontakt:

Ristorante Rossini Degustazione

Ferdinandstraße 5

30175 Hannover

Tel: (0511) 3480287

E-Mail: ristorante-rossini@t-online.de

Internet: www.ristorante-rossini-hannover.de

Öffnungszeiten: Di bis So, 17.30 bis 24 Uhr

Barrierefreiheit: Außenbereich ja, Innenbereich nein.

Von Hannes Finkbeiner