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Restauranttests Im Bann der Venus
Mehr Essen & Trinken in Hannover Restauranttests Im Bann der Venus
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18:51 10.06.2013
Von Rainer Wagner
Foto: Das Bothfelder Restaurant sieht noch immer aus wie ein historisches Museum für Gastronomie, aber man hat gründlich durchgeputzt.
Das Bothfelder Restaurant sieht noch immer aus wie ein historisches Museum für Gastronomie, aber man hat gründlich durchgeputzt. Quelle: Wallmüller
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Hannover

Neuerdings gibt es in Hannover auch ein „Botticelli“. Dahinter stecken zwei gute Bekannte: Gastgeber und Weinkenner Emilio Dettori und sein Schwager, der Küchenchef Francesco Pisanu. Zusammen haben sie lange das „Gallo Nero“ betrieben, bis sich Anfang des Jahres die Wege getrennt haben (Besitzer Bernd Gisy hat dort Angelo Cipolla als Nachfolger verpflichtet).

Dettori und Pisanu sind weitergezogen, aber gar nicht so weit: von Groß-Buchholz nach Bothfeld, in die Räumlichkeiten, in denen zuletzt Oliver Erdmann das „Flambée“ betrieben hat (der wiederum jetzt Kapitän auf dem „Schifftaurant“ ist).

Das Restaurant sieht noch immer aus wie ein historisches Museum für Gastronomie, aber man hat gründlich durchgeputzt. Jugendstil und Gründerzeit kommen jetzt effektvoller zur Geltung. Man sitzt auf verschiedenen Ebenen, die Tische rechts vom Tresen sind besonders pittoresk, aber für zwei Designerteller fast zu klein.

Das berühmteste Werk des Renaissancemalers Sandro Botticelli zeigt die „Geburt der Venus“ – das Logo des Restaurants zitiert ganz keusch nur den Kopf der nackten Venus, die in einer großen Jakobsmuschelschale steht. Da dürfen dann auf der Speisekarte die Jakobsmuscheln nicht fehlen. Hier werden sie mit Spinat gratiniert. Ich war aber auf zwei andere Fischgerichte noch neugieriger und probierte einmal „Filetto d’orata alla pizzaiola“ (15,50 Euro) und das andere Mal „Merluzza in crosta di rosmarino e limone“ (15,50 Euro).

Die Doradenfilets waren wunderbar saftig, die Pizzaiola so deftig, wie man es von dieser Tomatensauce samt Oliven und Kapern erwarten darf. Der Kabeljau in Rosmarin-Zitronenkruste ist da um einiges raffinierter – und hier perfekt zubereitet. Das gilt auch für die Gemüsebeilagen, die immer ein Gradmesser für Qualität sind. Daran scheitern viele italienische Hilfsköche, die das Vorurteil nähren, dass auch jenseits der Alpen das Fleisch das wahre Gemüse sei. Im „Botticelli“ geraten die Gemüsebeilagen wie aus dem Bilderbuch.

Auch Klassiker wie die dreierlei Bruschetta auf üppigem Salatbett samt mariniertem grünen Spargel (8,50 Euro) wirken herausgeputzt. Die frischen Bavettenudeln mit ihrer Trüffelcremesauce (11,50 Euro) allerdings sind dann doch etwas arg klassisch mächtig, da könnte man sich noch eine Pointe ausdenken.

Man kann sich aus dem á-la-Carte-Angebot selbst ein Menü zusammenstellen (drei Gänge für 25 Euro, vier für 32 Euro oder fünf für 40 Euro). Und Mittags gibt es ein Drei-Gänge-Businessmenü zum Festpreis von 19 Euro. Das ist kein billiger Mittagstisch, sondern ein ausgewachsenes Menü, für das man etwas Zeit und noch mehr Hunger mitbringen sollte.

Es beginnt etwa mit einem saisonalen, liebevoll arrangierten Salat mit reichlich magerem Parmaschinken. Als Hauptgang folgt die italienische Bratwurst Salsiccia mit einer Zwiebelkonfitüre und wunderbar würzigem Spinat und Peperoncini als Akzent: veredelte Hausmannskost. Eine Menü-Alternative wären zarte Hähnchenstreifen gewesen, die in Zitrone mariniert und gebraten wurden (und auch gefielen!). Als Tagesdessert bildet ein Mangoparfait (mit originellen Mango-„Perlen“ als Dekoration) den gelungenen Abschluss. Aber auch eine aromatische Birnenmousse überzeugt. Wer es italienischer mag, sollte die Kombination von Vanilleeis und Olivenöl (4 Euro) probieren.

Das Brot hatte einen leichten, angenehmen Brioche-Ton, als Gruß aus der Küche gibt es einmal etwas Pute im Eiermantel, das andere Mal Bohnenmousse auf Cracker.

Das Einbecker-Bier wird ordentlich gezapft (0,3 Liter für 3 Euro), schließlich heißt die von Botticelli so trefflich gemalte Venus bei den Griechen Aphrodite: die Schaumgeborene. Selbst das Tafelwasser ist ausgesucht, aber am besten vertraut man sich in Sachen Wein dem kenntnis- und einfallsreichen Gastgeber an, der nicht nur Flaschen jenseits des Allerweltsrepertoires öffnet, sondern später die tatsächlich getrunkene Menge auch sehr fair abrechnet.

Mein Fazit

Botticelli steht für
 italienische 
(Lebens-)Kunst

04.06.2013
Stefanie Gollasch 28.05.2013