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Restauranttests Tremendo
Mehr Essen & Trinken in Hannover Restauranttests Tremendo
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08:00 02.06.2009
Von Rainer Wagner
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Auf die Idee, ein Restaurant „Tremendo“ zu nennen, muss man erst einmal kommen. Denn das spanische Eigenschaftswort hat (wie das englische „tremendous“) höchst widersprüchliche Bedeutungen. Es steht für fürchterlich wie für fantastisch, für schrecklich wie für wunderbar. Um es gleich zu sagen: Fürchten muss sich hier niemand. Den Wirtsleuten, die lange Jahre das „Piazetta“ am Stephansplatz führten, ging es weniger um Wortbedeutung als um Wohlklang. Sagt Chefin Eteri Kubiska. Sie kommt aus Georgien, ihr Mann Matthias Kubiska ist Deutscher, der Koch ein Kubaner, der in Südamerika und Italien Erfahrungen sammelte. Und der Rest der Mannschaft verkörpert im Wortsinne die Globalisierung.

Das passt zu einem Restaurant, das mediterrane und karibische Küche bieten will. Und das an einem Platz, an dem das „Kartoffelhaus“ für Bodenständiges stand.

Das „Tremendo“ wirkt angenehm aufgeräumt. Braunes Parkett, dunkles Holz für Tische und die Stühle und Sitzbänke an der Wand (sind verschiebbar!). An den Wänden hängen Bilder mit dezent exotischen Motiven, ansonsten etwas Bambus hier, ein Bananenblatt dort. Also keine aufdringliche Folklore, nur der Tresen verkleidet sich zurückhaltend als Strandbar, schließlich hat man hier eine eigene Cocktailkarte. Von der wir den (alkoholfreien) „Hannover 96“ (5,10 Euro) versuchen. Zitrone, Orange, Mango, Ananas und Erdbeerpüree schmecken erfrischend, aber wenn man sich die Fussballwirklichkeit so ansieht, könnte man den 96ern einen anregenden Spritzer Sekt durchaus empfehlen. Die Weinkarte definiert das Mediterrane übrigens mit Schwerpunkt Spanien, daneben Italien und ein paar Südafrikaner. Süden ist Süden.

Wir teilen uns erst einmal einen Ensalada di Polipo (9,50 Euro) – und das ist gut so, denn dieser Tintenfischsalat ist durchaus reichlich. Der Tintenfisch ist angenehm bissfest, aber nicht zäh, das Salatbett ist effektvoll aufgeschüttelt: Stangensellerie, Zwiebeln, Tomaten, Papayawürfel. Und dazwischen feine, fiese Chilischotenstreifen, die uns aber weniger irritieren als der grenzwertige Salzgehalt.

Gewürzt wird im Tremendo gut und gern. Das überrascht beim Bistecca Pepe Verde weniger als bei der Seezunge mit recht mächtiger und intensiver Hummersoße – beide Gerichte mit 7,90 Euro die teuersten auf der Mittagskarte, die italienisch dominiert ist (das preiswerteste Mittagsgericht kostet 4,90 Euro). Das Rumpsteak mit grünem Pfeffer war erfreulich zart, der sehr gute Spinat aber stellenweise zu salzig. Und zur Seezunge gibt es jenen Reis mit Gemüseeinlage, den man auch erhält, wenn man von der Beilagenliste Reis wählt. Wer da keine Kollision der Geschmäcker riskieren will, sollte lieber ausdrücklich Reis pur bestellen. Der hätte auch besser zum Pescado à la Creola (16,50 Euro) mit seinem würzigen Sud gepasst. Diese reichhaltige, wohlschmeckende Fischplatte sollte man nicht auf einer Platte, sondern in einem tieferen Teller servieren – dann wird der Fisch nicht so schnell kalt. Die Pato Tobago, also die in Rum flambierte Flugentenbrust (17,50 Euro), war erstaunlich fest im Biss, aber dennoch nicht hart. Die Soße ist angenehm fruchtig, die löffelweiche Süßkartoffel passt sehr gut dazu. Erfreulich war auch die Sopa Fantastica (6,50 Euro), eine Kokossuppe mit Tomaten und – zwei – Shrimps, originell abgeschmeckt, aber mehr heiß als hot. Die Tagliolino Anatra (11 Euro) vermählten die Nudeln mit viel Rucola und unterschiedlich bissfester Entenbrust, für Normalesser eine kleine Erinnerung, dass tremendo auch riesig bedeuten kann.

Beim Horno del Taino (23 Euro) war das Lammcarree nicht im Ganzen gegrillt, doch die fünf Koteletts waren schön zart, dazu reicht man Kartoffelschnitze und knusprige Maniok-Wurzel. Auf kleine kritische Anmerkungen reagiert der liebenswerte Service bemerkenswert aufgeschlossen und souverän – und damit meinen wir nicht den Abschiedsdrink aufs Haus. Insgesamt ist das Tremendo eine Bereicherung der Szene: mit erfreulichem Genussfaktor und Überraschungseffekten. Wozu allerdings auch das Paprikapuder gehört, mit dem man gerne den Tellerrand dekoriert. Nichts für weiße Manschetten!

  • Hinweis für Gehbehinderte: Zum Restaurant führt eine Treppe mit 7 Stufen
  • Preiskategorie: gehoben

Das „Tremendo“ in der List im Branchenfüher