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Restauranttests Stiller’s Restaurant begeistert den Tester
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Finkbeiners Kostprobe: Stiller’s Restaurant begeistert den Tester

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11:58 22.05.2019
Mauro Stiller versteht sein Handwerk. Quelle: Tim Schaarschmidt
Barsinghausen

Empfangshallen können bekanntlich schön sein, Tennishallen sind es meistens nicht. Liegt an der Zweckdienlichkeit. Das denken wir zumindest, als wir vor Stiller´s Restaurant stehen, das sich im Gebäude mit einem Sportclub befindet. Unsere Skepsis löst sich erst drinnen. Denn kaum schließen sich Wände, Türen und Milchglasscheiben des hübschen und picobello gereinigten Lokals (Kunst an den Wänden, Blick auf eine gepflegte Terrasse) um uns, sind wir angekommen. Und zugegeben, auch als wir durch die mehr als ordentliche Weinkarte blättern, die neben vielen guten und exzellenten Tropfen aus Deutschland (oft aus biodynamischem Anbau) auch eine schöne Auswahl italienischer Weine bereithält, aber auch Bouteillen aus Frankreich, Österreich oder Übersee. So weit, so gut. Dann kommen unsere Vorspeisen.

Reduzierter Küchenstil

Es ist schon erstaunlich wie wohltuend ein reduzierter Küchenstil in Zeiten der exaltierten Balsamicopunkte, Chilifäden und Kräuterhälmchen ist. Beiwerk, das viel zu oft nicht ein Fünkchen dem Geschmack sondern nur dem nach Reizüberflutung lechzenden Auge dient. Konkret: Wir essen Jakobsmuscheln auf Erbsenpüree (16 Euro). Und ein Tatar vom Gelbflossenthunfisch mit Avocado (18 Euro). Und es lässt sich nicht anders sagen: Stiller hat die Charakteristik seiner Waren verstanden. Einen anderen Schluss lassen die Kreationen gar nicht zu. Er brät die Jakobsmuscheln, womit sie Geschmack entwickeln und gut zu etwas Rustikalem wie Erbse passen, obenauf gibt er etwas knackig-salzigen Queller und etwas Beurre blanc an die Seite. Fertig. Der Geschmack des guten Thunfischs wird mit Salzflakes, Olivenöl und Zitronensaft betont und mit einer Sushibegleitung aus Wasabi und Ingwer flankiert.

Spargel schmeckt nach Spargel

Eine echte Wucht sind die gebratenen Riesengarnelen (16 Euro), die von etwas Spargelsalat (mariniert in Sahne, Nussöl und Balsamico) und einem leicht kühlen Spargel-Pannacotta begleitet werden. Die samtige Morchelrahmsuppe (8 Euro) schmeckt nach, ja, nach Morchel. Der Satz wirkt wie eine Selbstverständlichkeit, ist er heutzutage oft nicht mehr, und muss deswegen hier besonders betont werden: Spargel schmeckt hier nach Spargel, Garnele nach Garnele, Jakobsmuschel nach Jakobsmuschel. Wir haben es hier mit einer reduzierten Produktküche zu tun, die sich nur noch verbessern ließe, indem die ohnehin guten gegen absolut herausragende Produkte ausgetauscht würden. Dann ließen sich aber natürlich die Preise nicht mehr halten.

Tadelloses Handwerk

Und schließlich lässt sich auch so das tadellose Handwerk des Küchenteams demonstrieren. Das Schulterstück vom Lamm (24 Euro) könnte in puncto Schmoren für ein Schulbuch fotografiert werden. Was bei dem Kochprozess schließlich alles schief laufen kann. Fleisch zu trocken und faserig. Zu fade. Zu vollgesogen mit dem Soßenansatz, dass ein Lamm auch Rind sein könnte. Aber hier: saftig und schnittfest. Und trotz der kraftstrotzenden Jus schmeckt das Fleisch wunderbar nach der Tierart. Wobei auch jeder andere Bestandteil auf dem Teller auf den Punkt zubereitet wurde. Die feinsäuerlichen Rotweinschalotten etwa, das cremige Süßkartoffelpüree oder die bissfesten Spargelspitzen, die aber allesamt dem Geschmack des Lamms zuarbeiten.

Luftig und transparent

Wir sind so baff von dieser makellosen Arbeit, das uns die teils etwas unsauber geschälten Stangenspargel (22 Euro) schon wie eine Denkmalbeschmutzung vorkommen. Die klassische Holländische Soße packt das Küchenteam in einen Sahnespender, wodurch sie so luftig und transparent wird, dass auch hier der (ansonsten ideal gegarte) Spargel voll zur Geltung kommt. Dazu bestellen wir uns rosa gebratene Koteletts vom Salzwiesenlamm (13 Euro), die von einem Hauch Thymian und Knoblauch ummantelt werden. Festfleischig ist der Schwertfisch (26 Euro). Die Soße dazu duftet, wie nur frische, aufgeschäumte Fischsoßen duften. Ein Pfützchen gebräunte Butter fehlt auch nicht.

Empfangshallen können bekanntlich schön sein, Tennishallen sind es meistens nicht. Liegt an der Zweckdienlichkeit. Das denken wir zumindest, als wir vor Stiller´s Restaurant stehen, das sich im Gebäude mit einem Sportclub befindet. Unsere Skepsis löst sich erst drinnen. Denn kaum schließen sich Wände, Türen und Milchglasscheiben des hübschen und picobello gereinigten Lokals (Kunst an den Wänden, Blick auf eine gepflegte Terrasse) um uns, sind wir angekommen.

Als dann noch die Karamellkruste der mustergültigen Crème brûlée (6 Euro) unter dem Klopfen unseres Löffels knackend zerbricht und eine süße Vanillecreme freigibt, sind wir endgültig überzeugt: Hier stehen Männer in der Küche, die das Kochhandwerk in ihren Grundfesten zu verteidigen gedenken. Und vielleicht sogar die Kunst des Eismachens. Drei Kugeln (je 2 Euro) verkosten wir. Erdnuss schmeckt nach Erdnuss. Milchschokolade nach Milchschokolade. Pflaume nach Pflaume. Aber da wir ohnehin immer zu viel reden, lassen wir heute unserer Begleitung das letzte Wort, die trübselig in ihr Eisschälchen blickt und sagt: „Kennst du das, wenn du leer gegessen hast und denkst: schade?“

Fazit

Fokussierte Produktküche, die mit makellosem Handwerk überzeugt – einen Ausflug Wert!

Gesamt 9/10 (Küche 9, Service 8, Ambiente 8)

Kontakt:

Stiller’s Restaurant

Egestorfer Straße 36 A

30890 Barsinghausen

Telefon: (05105) 61818

E-Mail: info@restaurant-marmite.de

Internet: www.restaurant-marmite.de

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonnabend ab 17:30 Uhr, Sonntag 12 Uhr bis 15 Uhr, 18 bis 22 Uhr

Barrierefreiheit: ja

Von Hannes Finkbeiner

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