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Restauranttests Der Veganer, der nicht nervt
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Finkbeiners Kostprobe im Apartment: Der Veganer, der nicht nervt

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00:16 28.05.2019
Sabrina Meilke vom Apartment zeigt die Mama-Mao-Bowl. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Wir löffeln längst von unserer Bowl, als uns klar wird: vegan. Wir blättern nochmals in der Karte, finden keinen expliziten Hinweis darauf, aber im Grunde, ja, wirken einfach alle Gerichte vegan. Kann das sein? Wir stehen auf, erkundigen uns am Tresen. Die Dame bestätigt unsere Vermutung: Es werden im Apartment keine tierischen Produkte verarbeitet. Ist uns da etwas entgangen? hätten wir das wissen müssen? Die Dame zuckt lächelnd mit den Schultern, man gehe damit nicht hausieren, sagt sie. Als sei es das Selbstverständlichste der Welt. Leben und leben lassen. Wenn es doch nur so einfach wäre in Zeiten, in denen Karnivore und Veganer manchmal wirken, als würden sie einen Stellungskrieg der Essgewohnheiten führen. Dabei ist es doch gerade diese selbstbewusste, höfliche und friedliche Art des Apartments, die die vegane Küche vielmehr in die Mitte der Gesellschaft katapultiert, als es jeder Hasskommentator kann – vor allem, da das Lokal mit Geschmack und nicht mit radikalen Parolen überzeugt.

Es macht einfach Spaß zu essen

Unsere Purple Haze Bowl (7 Euro) ist so schön durchdacht, dass wir an dem Gericht nicht das Geringste vermissen. Dafür sorgt eine ganze Armada von Zutaten, die allesamt aufeinander aufbauen und ineinander greifen. Knackiger, roher Rotkohl. Würzige Sprossen. Kernige Erdnüsse. Markanter Koriander. Fruchtige Mango. Knusprige Fertigröstzwiebeln. Basis bilden Glasnudeln und Tempeh, ein Produkt aus fermentierten Hülsenfrüchten, meist Soja. Eingefasst wird alles von einem saftigen Orangen-Limetten-Dressing. Wir löffeln und löffeln, es macht einfach Spaß zu essen. Alle Waren haben eine gute Qualität. Dazu trinken wir einen ganz interessanten Pink Frizzle Smoothie (4,50 Euro). Wobei: Der Drink auf Basis von Rote Bete, Banane, Cashewkernen, Datteln und Hafermilch ist so dickflüssig, dass er unsere Kiefermuskulatur trainiert – zumindest, wenn man das Getränk durch den Glastrinkhalm saugt.

Dieser Smoothie heißt Purple Rain, kommt mit einem Glastrinkhalm – und ist eine würdige Hommage an His Royal Funkness Prince. Quelle: Clemens Heidrich

Jalapenos heizen dem Gaumen ein

Erfrischender sind die dramatisch ungesüßten Eistees, die es heute in den Geschmacksrichtungen Melone-Zitrone-Basilikum und Ananas-Basilikum gibt (je 3 Euro). Scharf kommt der Detox Shot (2 Euro) aus Ingwer und Rote Bete daher. Apropos: Scharf ist auch die El Pacho Bowl (8,50 Euro). Nicht nur das Chili auf Basis von Kidney-Bohnen, auch einige Jalapeños heizen dem Gaumen ein. Wobei auch hier die Zusammenstellung der Komponenten für stimmiges Gesamtpaket sorgt. Sesam und Sonnenblumenkerne, Kressesprossen und frischer Salat, Tomaten und Kürbis. Alles hat Biss, Frische und Geschmack. Die Schärfe wird durch einem Joghurtdressing (auf Sojabasis?) in Schach gehalten. Unnötig finden wir lediglich die zerbröselten Fertignachos, die uns trotz der knusprigen Textur bei diesem durchweg frischen Gericht völlig unnötig erscheinen. Sehr gut schmeckt auch der Mango-Tomaten-Salat (4 Euro) mit Petersilie oder die Babas Bester Bowl (8,50 Euro) mit würzigem Humus, Reis, Artischockenherz, Granatapfelkernen und Oliven, dazu warmes Fladenbrot.

Durchdacht und gut gemacht: HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner hat die Bowls im Apartment am Schwarzen Bär probiert. Dass die vegan sind, ist ihm dabei fast entgangen. Was ein gutes Zeichen ist. Dafür gibt es 7/10 Punkte.

Eat more plants! Am besten hier!

Zum Abschluss probieren wir noch eine Choco Smoothie Bowl (7 Euro), eine mundfüllende Creme aus Hafermilch und Bananen, getoppt von Cerealien, Kokosraspeln und Beeren. Schmeckt sehr gut. Einzig die Essensgerüche stören uns ein wenig. Wir sitzen nämlich auf der Galerie, wo sich etwas der Dunst von der offenen Küche sammelt. Bei dieser Gelegenheit müssen dann auch die Speisekarten erwähnt werden, die schon durch allerhand Hände gegangen sind und ausgetauscht werden könnten, aber ansonsten ist das alternative Lokal sauber und nett eingerichtet. Als wir wieder auf den Gehsteig treten, drehen wir uns auch noch einmal um. Und dann erblicken wir es! Also doch! Leicht zu übersehen, mit weißer Schrift, steht unten rechts am Fenster: „Eat more plants“, was aber weniger wie eine Kampfansage als eine kameradschaftliche Empfehlung wirkt. Und da wir unsere Kiefermuskeln ja jetzt trainiert haben, können wir es mit aller Freude hinausposaunen: „Eat more plants! Am besten im Apartment!“

In jüngster Zeit bringen Fridtjof Marquardt und Monty Emrich viel gastronomischen Schwung an den Schwarzen Bär. Was sie antreibt und was sie planen, lesen Sie hier.

HAZ-Feinschmecker Hannes Finkbeiner hat übrigens kürzlich auch den neuen Vegan-Hamburger von McDonald’s probiert – still echt im Auto. Sein Urteil: Schmeckt. Vor allem nach McDonald’s.

Und vor etwas längerer Zeit, im Januar 2018, war Finkbeiner im Vegan & Raw in der Hahnenstraße. Er trug eine Lederjakce. Das hat dort irritiert. Aber die veganen Burger waren im Welten besser als anderswo. Die Details hier.

Fazit

Durchdachte und gut gemachte vegane Bowls aus frischen Zutaten.

Gesamtnote 7/10 (Küche 7, Service 7, Ambiente 6)

Kontakt

Apartment

Falkenstraße 1

30449 Hannover

Telefon: (05 11) 59 20 36 50

E-Mail: info@and-me-events.de

Öffnungszeiten: täglich 11 bis 19 Uhr

Barrierefreiheit: ja

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Von Hannes Finkbeiner

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