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Restauranttests Klassisch italienisch - die Trattoria „Piu“
Mehr Essen & Trinken Restauranttests Klassisch italienisch - die Trattoria „Piu“
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14:45 11.07.2012
Gabriella Piu begrüßt die Gäste in der Trattoria in Hannover Mitte. Quelle: Hagemann
Hannover-Mitte

Man ist ja schon öfter vorbeigefahren und hat das schicke Entree bewundert. Nur mit dem Parken an der Goethestraße war es halt immer etwas schwierig, und dann war man eben auch schon vorbei. Nachdem wir nun endlich dort gewesen sind, können wir sagen, dass es sich lohnt, ein bisschen herumzukurven (oder man fährt eben gleich mit der Bahn). Die Trattoria „Piu“ ist ein perfektes Lokal für die Mittagspause oder ein lockeres After-Work-Treffen.

Viele wissen das natürlich, die Familie Piu betreibt das kleine Restaurant schon seit 33 Jahren an der Goethestraße. Erst wurde hier ein bisschen italienische Feinkost verkauft, dann kam eine Espressobar dazu, und schließlich wurde eine Küche gebaut – eine der ersten Trattorias in Niedersachsen war geboren. Vor zwei Jahren haben die Pius das von der Zeit gezeichnete Lokal von zwei hannoverschen Architektinnen komplett umkrempeln lassen, seitdem dominieren moderne Farben und Formen – sogar beim „Tag der Architektur“ präsentierte sich die runderneuerte Gaststätte.

Wir sitzen an einem der großen Fenster mit Blick auf die vielbefahrene Straße, den Turm der Marktkirche, das Hohe Ufer. Draußen geht es hektisch zu, drinnen ist es charmant entspannt. Vor uns stehen Kräuter zum Selbstzupfen: Thymian, Minze, Oregano, Rosmarin, Basilikum. Hinter uns gibt es eine Theke mit Käse, Mortadella und Schinken für die Zubereitung frischer Panini und Tramezzini. In der Speisekarte findet sich das gesamte Spektrum klassischer Cucina Italiana alle Gerichte kann man hier auch in kleinen Portionen bestellen, was gerade für eine Mittagspause von Vorteil ist. Es gibt auch zwei täglich wechselnde Tagesgerichte, mal ist das Fisch, mal Lamm oder eine besondere Pastaspezialität.

Frisch und knackig ist der gemischte Salat (4,50 Euro), den wir als Vorspeise wählen, zum Selbstanmachen stehen hochwertiges Öl und Essig auf dem Tisch. Mein Begleiter kostet als Hauptgericht eine Pizza Costa Smeralda (7,80 Euro) und ist begeistert vom dünnen Teig und dem würzigen sardischen Schinken darauf. Ein Volltreffer ist die fruchtige Tomatensoße auf meinem Hauptgericht, den hausgemachten Ravioli mit Spinat-Ricotta- Füllung (9,70 Euro) – und so reichlich, dass man im Anschluss gern das dazu gereichte frische Weißbrot hineintunkt. Zwei Espressi (1,60 Euro) später verlassen wir die Trattoria – mit ein bisschen Urlaubsgefühl im Bauch.

Das nächste Mal kommen wir an einem Sonnabendnachmittag, wie offenbar auch viele Stammgäste, die den kleinen Laden füllen. Viele von ihnen werden von der Inhaberfamilie geherzt und geküsst, als gehörten sie selbst zu deren Verwandtschaft. Neben Besitzer Antonio Piu und seiner Mutter Gabriella Piu – von Stammgästen liebevoll „Mamma Piu“ genannt – arbeiten auch weitere Familienmitglieder in wechselnder Besetzung in der Trattoria.

Diesmal sitzen wir auf Holzbänken im halb überdachten Innenhof und beginnen unseren verspäteten Lunch mit kleinen Antipasti-Portionen. Sowohl der kleine Antipasti-Teller (4,30 Euro) als auch das Carpaccio (6,60 Euro) sind gut zubereitet. Bei der Weinauswahl kann und muss man sich getrost auf die Empfehlung der Familie verlassen: Es gibt jeweils nur eine Sorte Weißen, Roten und Rosé (3,90 Euro für 0,2 Liter), sie stammen aus den Weinbergen der Cantina Mesa aus Sardinien, der Heimat der Pius – sowohl der Vino Bianco als auch der Rosato schmecken sonnig und intensiv.

Meine Begleiterin hat sich als Hauptgang die gerollten Kalbsschnitzel (15 Euro) ausgesucht, die mit Parmaschinken sowie dem italienischen Käse Provolone gefüllt sind und mit reichlich Weißweinsoße serviert werden. Das Gemüse dazu – Spinat, Brokkoli und grüne Bohnen – schmeckt dagegen fad und ist teilweise zerkocht. Die gleichen Beilagen gehören zu meinen Seeteufelfilets (15 Euro) von der Tageskarte, der Fisch ist zart und an einer leichten Zitronensoße serviert. Aus Neugier bestellen wir uns im Nachgang noch eine Portion Spaghetti Bolognese (5,80 Euro) – aber wider Erwarten hält der Klassiker nicht, was der Rest der Küche verspricht. Die Soße schmeckt langweilig, Konsistenz und Geschmack der dünnen Spaghetti erinnern gar an rohen Teig. Aber nach einem weiteren Glas des sonnigen sardischen Weins
sind wir trotzdem angenehm entspannt.

Die Trattoria „Piu“ im HAZ-Branchenführer.

Sonja Fröhlich