Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Restauranttests So schmeckt das Essen im Forellenstübchen
Mehr Essen & Trinken Restauranttests So schmeckt das Essen im Forellenstübchen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:00 25.11.2017
Kostprobe im Forellenstübchen in der Wedemark: Michael David ( Koch) und Marco Stichnoth mit einem Teller Thunfisch auf Ravioli. Quelle: Heidrich
Wedemark

Beginnen wir mit dem schwierigsten Teil. Dem Kartoffelsalat. Wir können zwar objektiv festhalten, dass die Knollen im Forellenstübchen nicht ideal gegart wurden – noch leicht roh im Kern –, aber dann müssen wir als gebürtige Schwaben unsere Voreingenommenheit eingestehen. Wir haben in unserem Leben zwar unzählige Varianten der Speise probiert, aber im Grunde nur, um uns selbst zu bestätigen, dass der Kartoffelsalat unserer Mutter der Beste ist. Deswegen können wir den untergemischten Gurkenscheiben und den Schnittlauchröllchen im Forellenstübchen zwar noch bedingt folgen, die Würfelchen von roter und gelber Paprika erschließen sich uns jedoch nicht, die Marinade ist uns außerdem zu ölig – wenn das nur unsere Mutter wüsste! 

Zu Gast im Forellenstübchen in der Wedemark.

Lachstatar: Bemerkenswert!

Völlig unvoreingenommen, privat wie beruflich, stehen wir dem Lachstatar mit Avocadocreme (15,90 Euro) gegenüber. Erstaunlich daran: Die Fischwürfelchen wurden mit etwas Sahne, Dill und Zitronensaft angemacht und schmecken in dieser Form nicht bemerkenswert gut, die Schicht mit Avocadocreme wurde mit Salz und Zitrone verfeinert und schmeckt ebenfalls nicht bemerkenswert gut, aber in der Kombination ergibt sich ein so wunderbar dichtes, frisches Aroma, dass wir regelrecht schwelgen – das ist bemerkenswert! Klasse ist auch die rustikale Bouillabaisse gelungen, die mit hochwertigem Sauerteigbrot und Aioli (10,50 Euro) gereicht wird. Die würzige Brühe ist wegen des Chilis leicht pikant, die Fische und Krustentiere (Garnele, Lachs, Barsch) frisch, dazu kommt etwas bissfest gegartes Gemüse (Blumenkohl, Brokkoli). 

Saibling aus der angrenzenden Fischzucht

Das folgende Thunfischsteak (24,50 Euro) ist nicht nur von hoher Güte und perfekt gegart (im Kern roh), sondern kommt mit kleinen, cremigen Ravioli an den Tisch, die spielerisch mit dem Fisch harmonieren. Kombiniert wird die Kreation zusätzlich mit Rindercarpaccio, das zwar keinen Mehrwert in puncto Aroma beisteuert, dafür aber eine schöne Kühle an den Gaumen bringt. Der gebratene Saibling (18 Euro) schlägt den Thunfisch nur in einem Punkt: Er kommt aus der angrenzenden Fischzucht, ist quasi auf den Teller gesprungen und so frisch und gut in der Qualität, dass der dazu bestellte Kapern-Tomaten-Oliven-Dip dem Fisch unnötig die Schau stiehlt – etwas Nussbutter hätte uns vollauf genügt. Dazu trinken wir eine ordentliche Weißwein-Cuvée aus Sauvignon Blanc und Riesling (4,20 Euro).

Fischfoondue bei Vorbestellung

Eine echte Schlemmerei – und selten zu finden – ist auch das Fischfondue (21 Euro pro Person), das allerdings nur auf Vorbestellung zubereitet wird. Wobei wir hier zu Beginn ein wenig nörgeln müssen: Der Spritzschutz des Rechauds ist mit einem klebrigen, übel riechenden Fettfilm überzogen, was darauf hindeutet, dass das Utensil offen in der Küche gelagert wurde. Außerdem steht die Brennpaste offen (und in keinem regulierbaren Pasten-Brenner) unter dem Rechaud, weshalb die Fischbrühe sprudelnd kocht und ein sanftes Garziehen des empfindlichen Fischfleischs nicht ermöglicht. Gastronomie ist bekanntlich eine Teamleistung, wir schieben die Schuld in beiden Fällen einfach mal dem Service zu – der unterm Strich so höflich und aufmerksam agiert, dass er diese Kritik auch problemlos wegstecken kann. 

Obwohl wir es schade finden, dass zum Fondue keine Fische aus der angrenzenden Teichwirtschaft gehören, lässt sich an der Qualität der Ware nicht rütteln: Die Stücke von Thunfisch, Barsch, Lachs und die Garnelen sind topfrisch. Dazu gibt es hervorragende Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Speck, gutes Mischgemüse, einwandfrei marinierte Rohkostsalate (Rote Bete und Gurke) und sieben (!) Dips und Soßen, die teilweise selbstgemacht, teilweise Fertigware sind. Die Barbecue- und süß-saure Chilisoße sind für pochierten Fisch etwas zu kräftig, wir bedienen uns lieber an der hausgemachten Beurre blanc. 

Die Soßen werden außerdem in zu großen Saucieren aufgetragen. Diese Menge hätte auch für sechs Personen ausgereicht, weswegen der Tisch bis an den Rand mit Geschirr vollsteht. Fondue eben. Und wir köcheln, dippen, schlemmen und sind nach einer Weile so rundum glücklich, dass wir uns sogar noch für die Desserts (Rote Grütze und Schokoladen-Mousse) begeistern können. 

Unsere Landpartie ins Fischerstübchen hat sich also zweifach gelohnt: Wir haben toll gegessen, es war ein echter Genuss, und wir fühlen wir uns mal wieder bestätigt, dass der Kartoffelsalat unserer Mutter eben der Beste ist – und besser kann ein Kartoffelsalat auswärts auch gar nicht schmecken! 

Gesamtbewertung

Fazit: Bodenständige und kreative Fischgerichte von hoher Qualität in rustikalem Blockhütten-Ambiente.

Gesamtnote: 8/10 (Essen: 9, Service: 6, Ambiente: 7)

Restaurant Forellenstübchen Meitzer Straße 6130900 Wedemark-Hellendorf Telefon: (0 51 30) 4 09 05 E-Mail: info@forellenstuebchen.de

Öffnungszeiten (Winter): donnerstags und freitags 17 bis 21 Uhr, sonnabends und sonntags 12 bis 21 Uhr.

Von Hannes Finkbeiner

Bei Fräulein Schlicht in Linden gibt es nicht nur Müsli, hausgemachte Brötchen, Suppen und Kuchen, sondern zu jeder Tageszeit auch eine Pause vom Alltag. Und das mit Stil. Gastrokritiker Hannes Finkbeiner ist sehr angetan. Nur eine Wahl konnte ihn nicht überzeugen.

17.11.2017

Finkbeiners Kostprobe: Zwei Besuche, zwei unterschiedliche Ergebnisse im griechischen Restaurant Rembetiko in Hannover-Bemerode. Es zeigt sich: Die Tagesform ist entscheidend.

13.11.2017

Das neue eröffnete Restaurant Felix in Garbsen hat einen verheißungsvollen Start hingelegt. Zwischen Restaurant, Cocktailbar und Bistro bleibt noch abzuwarten, In welche Richtung sich der Betrieb entwickelt.

07.11.2017