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Restauranttests So schmeckt es im syrischen Restaurant Al Dar
Mehr Essen & Trinken Restauranttests So schmeckt es im syrischen Restaurant Al Dar
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02:15 06.02.2017
Die Karte ist übersichtlich, der Kosmos der Aromen fast unendlich: Carmella Barbarossa und Farooq Khaleel im Al-Dar. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Ob von Norden nach Süden, von Osten nach Westen: In früheren Zeiten führte für die Händler exotischer Speisen und Gewürze kaum ein Weg an Syrien vorbei. Orientalische Esskultur mit Einflüssen aus Armenien, der Türkei, aus dem Libanon, Palästina und Jordanien, dazu Aromen Südostasiens und sogar Afrikas: In Syrien boten Händler ihre Waren feil, Einwanderer brachten neue Ideen mit, und Einheimische verloren ihre eigenen Küchentraditionen dabei nicht aus den Augen. Wenn man den neuzeitlicheren Begriff verwenden will: Cross-over-Küche ist wohl kaum irgendwo sonst eine derart treffende Beschreibung. Allerdings hat sich aus den Zutaten von drei Kontinenten längst eine zugleich facettenreiche und dabei doch eigenständige Küche herausgebildet.
Das Restaurant Al-Dar zollt dieser Tradition Respekt. Das wird schon an der durchdachten Speisekarte ersichtlich. Sie bietet zwar eine umfangreiche, aber keine unübersichtliche Auswahl an Speisen an. In der Regel ist das ein Indiz dafür, dass die Küchenleitung genau weiß, welche Menge an Gerichten sie in guter Qualität auf den Teller bringen kann. Schnitzel oder Currywurst – manche ausländischen Restaurants schrecken ja vor nichts zurück, um auch Exotik-Muffel glücklich zu machen! – gibt es im Al-Dar nicht. Das verdient ein Lob.

Daten und Öffnungszeiten

Al-Dar
 Königstraße 3 
30175 Hannover 
Telefon: (05  11) 8 98 49 94 
www.aldar-hannover.de 
Öffnungszeiten: 
montags bis freitags 12 bis 14.30 Uhr und 17.30 bis 22 Uhr
sonnabends, sonntags 12 bis 22 Uhr    

Nichts für Exotik-Muffel

Wunderbar ist die Auswahl an vegetarischen Vor- und Hauptspeisen, deren Ursprung unter anderem in der christlichen Küche Palästinas liegt, wo mittwochs und freitags gefastet wird. Die Namen der Gerichte klingen genauso verlockend wie die der Fleischgerichte. Deshalb wählen wir zur Vorspeise erstens einen warmen Spinat mit Koriander, Zwiebeln, frisch gepresstem Zitronensaft, Olivenöl und orientalischen Gewürzen sowie zweitens einen Salat von gehackten Mangoldblättern mit weich gekochten Schwarzaugenbohnen, Koriander und Summak mit feinen arabischen Gewürzen. Bei diesem fällt die Temperatur leider etwas zu niedrig aus, wahrscheinlich wurde der Salat direkt aus der Kühltheke geschöpft, was die feinen Aromen sehr im Zaum hält. Zudem ist das Gericht farblich keine Augenweide. Bräunliche Bohnen mit grau-grünlichem Mangold und wenigen Paprikawürfelchen – das ist nicht schön anzusehen. Gibt die Küche allerdings mehr Paprika dazu, wird es zwar farblich besser, aber geschmacklich schlechter. Und so stellen wir fest: Beide Gerichte sind zwar erstaunlich dezent, aber mit Fingerspitzengefühl abgeschmeckt.
Beim Hauptgericht bleiben wir heute auch fleischlos und bestellen uns Sambusik. Das sind Halbmondtaschen, die eine Hälfte mit Schafskäse, die andere Hälfte mit Spinat gefüllt. Dazu werden ein Quark mit Walnüssen, Minze und Olivenöl sowie Kichererbsenmousse mit Sesamcreme und Zitronensaft gereicht. Wenngleich der cremige Hommus sehr salzig ist, so lässt sich bei diesem Gericht sonst nichts bemängeln. Die Taschen sind ein herrlich luftiges Gepäck, die Füllungen sind fein gewürzt, die Hauptkomponenten (Schafskäse, Spinat) stehen im Vordergrund.

Im Al Dar gibt es syrische Spezialitäten, auf "Allerweltsessen" wird zum Glück komplett verzichtet.

Handwerklich tadellos

Es ist eigentlich banal, aber es fällt doch auf: Mangold schmeckt im Al-Dar nach Mangold, Schafskäse nach Schafskäse. Das ist nicht fad, ganz und gar nicht, aber eben auch nicht überwürzt. Im einen Gericht erhascht man einen Hauch Zimt, im anderen etwas Kreuzkümmel, was die ganze Sache zu einer wirklich feinsinnigen Angelegenheit macht. Manchmal haben wir sogar das Gefühl, es wird beim Abschmecken nur zu Salz und Pfeffer gegriffen. Es gehört schon Selbstbewusstsein dazu, die Gewürzdosen gleich ganz im Schrank zu lassen.

Ein paar Tage später wird dieser Eindruck noch einmal bestätigt. Die Sambusik Sujuk sind wunderbar knusprige Blätterteigröllchen, gefüllt mit dezent gewürztem Lammhackfleisch. Beim Kibbeh handelt es sich um Lammhackfleischbällchen, die in einer Panade aus Bulgur ausgebacken wurden. Beide Gerichte sind handwerklich tadellos. Das gilt auch für das gebratene Lammfleisch mit Kartoffelscheiben, luftiger Aioli und Safran-Tomaten-Soße. Wobei das Fleisch etwas zarter sein dürfte (und in der Safran-Tomaten-Soße auf der Basis von warmem Joghurt ist vom Safran nichts herauszuschmecken).
Zur Nachspeise bitten wir um einen marokkanischen Minztee.Der wird im Al-Dar so serviert, wie er sein soll: Mit mehr Minze als Wasser im Glas. Außerdem gibt es Muhallabiya. In der Karte wird es so beschrieben: „Vor Panna cotta und Flan gab es den original syrischen Orangenblütenwasserpudding.“ Und wir sind geneigt, das zu glauben, so toll wie das Dessert schmeckt. Die gebundene, süßliche Sahnecreme mit würzigem Honig, feinem Biss von gehackten Pistazien und etwas säuerlichen Früchten lässt eigentlich nur eine Frage offen: Ist das ein simples Zusammenspiel komplexer Aromen oder ein komplexes Zusammenspiel simpler Aromen?
Erst auf dem Nachhauseweg fällt uns auf, dass uns kein einziges Fertigprodukt (außer vielleicht Tiefkühlspinat) bei unseren beiden Besuchen im Al-Dar untergekommen ist. Wir denken auch nochmals an die Servicekräfte, die fortwährend mit einem Lächeln durch den Raum schlenderten, als sei es pure Selbstverständlichkeit, Fremden freundlich und hilfsbereit gegenüberzutreten. Wir sind also satt und glücklich und beschwingt von einem Glas libanesischem Weißwein. Und lächeln selbst.      

Fazit

Frische, feinsinnige, 
authentische syrische Küche 
in orientalischem Flair (Küche 8 von 10 Punkten, Service 8, Ambiente 7, 
 gesamt 8/10).

Spätburgund ist Gold im Mund: Weinkenner haben in der „Insel“ ihr Spätburgunder des 
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