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Restauranttests So schmeckts beim Gourmet Guru in der Markthalle
Mehr Essen & Trinken Restauranttests So schmeckts beim Gourmet Guru in der Markthalle
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21:02 22.09.2017
Gutes Fleisch als Religion: Tina Kurth (v. l.), Holger Schladitz und Diana Schulz vom Gourmet Guru in der Markthalle. Quelle: Katrin Kutter

Der Schein trügt. Ich huldige mit dem heutigen Thema nicht dem Oktoberfest, sondern mit dem anbrechenden Herbst einer der schönsten Mahlzeiten, die es gibt: der Jause, Vesper, Brotzeit. Deftig und rustikal. Gutes Bauernbrot mit Butter. Obatzter und Forellenmousse. Dazu frische Tomate, Gurke und Rettich. Senf und Meerrettich. Ein würziges Bier oder ein kerniger Wein. Und natürlich eine ganze Reihe an Wurst- und Schinkenwaren, für die ich den Weg in die Markthalle auf mich nehme. Genauer: zum Gourmet Guru (ehemals Eichsfelder-Stand). Der hat einen Betreiberwechsel erfahren und wird seit April dieses Jahres von dem Hannoveraner Holger Schladitz und dem Österreicher Gerd W. Sievers betrieben. Höchste Zeit, einmal genauer in die Auslage zu schauen.

Spezialitäten aus dem Eichsfeld

Was also kommt aufs Vesperbrett? Mir stechen zuallererst die Eichsfelder Spezialitäten ins Auge, die immer noch zum Standardsortiment gehören. Beliebt sind die verschiedenen Mettwürste. Ich entscheide mich aber für eine Schlackwurst (2,65 Euro für 100 Gramm), weil die großen Fettaugen des Anschnitts mich so verführerisch anblinzeln. Und sie schmeckt auch gut, mit viel pikantem Pfeffer verfeinert, eine runde, aber würzige Angelegenheit. Dazu kommt natürlich eine kleine Schwarzwurst (1,40 Euro für 100 Gramm), die zu keiner Brotzeit fehlen darf. Der Geschmack (mit Chili) ist pikant, die Qualität ordentlich, aber vor allem der Reifegrad ist ideal. Die Wurst hat schönen Biss. Den Bauchspeck in Salzlake (3,20 Euro für 100 Gramm) lasse ich mir möglichst dünn schneiden, der Geschmack wird allerdings kaum von Gewürzen umspielt - nicht jedermanns Sache.

Allein schmeckt’s nicht

Zudem nehme ich die Einmachgläser (aus eigener Produktion) ins Visier, darunter ein Glas Rillettes (14 Euro für 150 Gramm). Das ist (in diesem Fall) Schweinefleisch, das im eigenen Fett gegart wurde. Der Preis schreckt erst einmal ab, aber die Ware ist eine Klasse für sich: zartes, saftiges, feinfaseriges Fleisch, das nur dezent mit Gewürz untermalt wurde. Uns gefällt das Rillettes so gut, dass wir gedanklich schon eine eigene Vorspeise dazu entwerfen. Exzellent schmeckt auch die Leberwurst mit Armagnac (10 Euro für 100 Gramm), die nicht überall in dieser Qualität erhältlich ist und die wir am Abend auf etwas warmem Röstbrot verstreichen. Dazu etwas Kresse und ein paar süßlich eingekochte Paprikawürfel: eine tolle Kombination, die übrigens auch mit jeder anderen groben Leberwurst funktioniert!

Zum Schluss erstehen wir noch zwei echte Delikatessen: Der magere Bauernschinken Pršut (10,90 Euro für 100 Gramm) wurde mit Salz, Pfeffer und Gewürzen eingerieben und danach zwei Jahre luftgetrocknet. Der Geruch ist würzig und komplex, der intensive Geschmack ist Bissen um Bissen ein Genuss. Der Hirschroh-Schinken (16,50 Euro / 100 Gramm) aus der Steiermark steht dem Pršut in nichts nach. Das Keulenfleisch wurde in Würzlake eingelegt und danach sechs Monate luftgetrocknet und gepresst (ähnlich Bündnerfleisch). Der Schinken ist sehr zart, mit dichtem, aber nicht aufdringlichem Wildaroma. Was gibt es da noch zu sagen? Die linke Hand hält die Tüte, die rechte Hand zückt das Telefon. Denn die wichtigste Zutat für unsere Jause fehlt noch: Gesellschaft - ohne die würde alles nur halb so gut schmecken.

Hannes Finkbeiner

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