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Aktuelles Dienstleister helfen bei Streit mit Fluglinien
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10:10 12.03.2012
Wenn Flugzeuge sich verspäten, haben Kunden unter Umständen Anspruch auf Entschädigung.
Wenn Flugzeuge sich verspäten, haben Kunden unter Umständen Anspruch auf Entschädigung. Quelle: dpa
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Berlin

Wenn Flüge ausgefallen oder stark verspätet sind, unterstützen spezielle Firmen den Kunden, Entschädigungen zu bekommen. Dafür kassieren sie bis zu 30 Prozent der Entschädigung als Provision. Die Stiftung Warentest stellt das Angebot in ihrer Zeitschrift "Finanztest" als "interessante Alternative" für Kunden dar, die kein Kostenrisiko eingehen und deshalb nicht selbst zum Anwalt gehen wollen.

An Fluggesellschaften beißen sich selbst Anwälte die Zähne aus. Otto-Normalfluggast hat da kaum eine Chance, wenn er auf eigene Faust vorgeht. Mit fertigen Textbausteinen wimmeln viele Fluglinien Forderungen ihrer Kunden ab. Dabei ist die Rechtslage in vielen Fällen recht klar - und verbraucherfreund­lich. Wer sein Reiseziel aufgrund einer Verspätung beim Abflug mindestens drei Stunden zu spät erreicht, kann je nach Fall bis zu 600 Euro verlangen. Dieselben Entschädi­gungspauschalen gelten, wenn der Flug gestrichen wurde oder überbucht war.

Weil viele Passagiere keine Lust haben, selbst zu streiten, übergeben sie ihren Fall einem Anwalt. Für Kunden mit Rechtsschutz übernimmt die Versicherung die Anwalts- und Gerichtskosten. Der Kunde bezahlt aber meist einen Selbstbehalt, oft 150 Euro. Genervte Fluggäste, die ohne Versiche­rung zum Anwalt gehen, riskieren höhere Kosten. Verklagen sie die Fluggesellschaft mithilfe des Anwalts auf 600 Euro Entschädigung und verlieren den Fall, müssen sie für das gesamte Verfahren mindestens 400 Euro zahlen.

Für Kunden, die dieses Risiko scheuen, gibt es eine interessante Alternative. Firmen wie EUclaim, Flightright und Fairplane ­helfen, eine Entschädigung zu bekommen. Zahlt die Airline trotz der Bemühungen der Dienstleister nicht, hat der Fluggast anders als beim Anwalt keine Kosten. Fließt eine Entschädigung, muss er allerdings rund 30 Prozent davon an die Firma abgeben.

Bevor die Dienstleister einen Fall annehmen, prüfen sie daher streng, ob er Aussicht auf Erfolg hat. Dabei helfen ihnen Datenbanken mit Wetter- und Flugdaten sowie Urteile. So können sie feststellen, ob wirklich das Wetter schuld an einer Verspätung war, und sehen mitunter, dass ein angeblich defektes Flugzeug woanders eingesetzt wurde.

Komplizierte Streitigkeiten wie solche um verschwundene Koffer nehmen die Dienste grundsätzlich nicht an. Sie helfen auch nicht, wenn die Fluglinie Hotelübernach­tungen nicht zahlt, wie nach der Aschewolke aus Island massenhaft geschehen.

Die ersten Erfahrungen von Fluggästen, die EUclaim und Flightright ausprobiert haben, zeigen, dass Kunden Geduld mitbringen sollten. Einige mussten über ein Jahr warten, bis sie Geld bekommen haben. Eine lange Verfahrensdauer muss nicht am Dienst liegen. Mitunter zieht sich ein Prozess auch hin, weil das Gericht überlastet ist.

Auf den Internetseiten der Dienstleister gibt der Fluggast seine Flugdaten ein. Nach nur wenigen Sekunden erhält er am Computer eine kostenfreie Grob-einschätzung seiner Chancen auf Entschädigung. Danach entscheidet sich der Kunde, ob er dem Dienstleister den Auftrag gibt, Geld einzutreiben.

EUclaim aus Berlin und die in Henningsdorf bei Berlin ansässige Firma Flightright sind Inkassodienste. Sie versuchen zunächst außergerichtlich, die Fluggesellschaft durch mehrere Schreiben zum Zahlen zu bewegen. Gelingt das nicht, übergeben sie den Fall einem Partneranwalt, der dann Klage einreicht. Bei Fairplane aus Österreich legen dagegen sofort Anwälte los.

ftd