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Garten Im Blütenmeer
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14:10 23.06.2017
Prachtvoll: Manche Arrangements wirkten tatsächlich wie Gartenkunst. Dies hat dann nichts mehr mit dem eigenen Stück Grün gemeinsam, kann aber dennoch inspirieren. Quelle: dpa
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London

Die Chelsea Flower Show gilt als „Mutter aller Gartenschauen“. Es ist mir nicht ganz leicht gefallen, meinen „Horrorgarten“ kürzlich für eine ganze Woche alleine zu lassen, um nach London zu fliegen. Die Tulpen verfeuerten ihr letztes Pulver. Der Zierlauch war auf dem Sprung. Das tränende Herz ergoss sich in rosafarbenen Kaskaden. Und über allem schwebten Wolken himmelblauer Vergissmeinnicht.
Unvorstellbar, dass alle meine Lieben auch ohne mich weiterblühen, wachsen und welken. Unvorstellbar aber auch, dass zur gleichen Zeit in London die Chelsea Flower Show ohne mich stattfindet. Und außerdem – im Vergleich mit den dort gezeigten zauberhaften Blumenkompositionen wirkt die ganze Pracht im eigenen Garten letztlich wie die Strichzeichnung einer Dreijährigen.

Seit 104 Jahren zeigt London beeindruckende Schaugärten

Seit 1913 findet die Chelsea Flower Show jedes Jahr (mit einer Unterbrechung von 1940–1946) auf dem vier Hektar großen Gelände des Royal Hospital im Londoner Stadtteil Chelsea statt. Eröffnet wird die Show traditionell von Königin Elizabeth. Die Karten sind hochbegehrt und bereits Monate im Voraus ausverkauft. Neunzehn Tage haben die Aussteller Zeit zum Aufbau, fünf Tage dauert die Ausstellung, fünf Tage später sieht die Fläche so aus, als hätte es die zauberhaften Schaugärten nie gegeben.

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Was mich daran am meisten fasziniert: Die Gärten sehen allesamt so aus, als wären sie schon immer da gewesen. Ich frage mich: Wie verpflanzt man einen mehrere Meter hohen, dreißig Jahre alten, in voller Blüte stehenden Rhododendron, oder wie schafft man es, wiesenartige Anpflanzungen so unglaublich natürlich aussehen zu lassen? Ein Rätsel! Vor allem, wenn ich da an den kümmerlichen Anblick neuer Anpflanzungen im eigenen Garten denke. Ebenfalls beeindruckend sind natürlich die Pflanzkombinationen. Unglaublich, überraschend, frisch. Allerdings nicht immer realitätsnah.

Optik ist alles auf der Chelsea Flower Show. Die Pflanzen werden viel dichter gepflanzt, als es im Garten ratsam wäre, und mit allerlei Tricks dazu gebracht, auf den Punkt zu blühen. Macht eine Pflanze während der Show schlapp, wird sie umgehend ersetzt. Hinter den Kulissen steht ausreichend Pflanzennachschub bereit. Bevor die Preisrichter durch die Gärten gehen, wird jeder Grashalm in die richtige Richtung gelegt und noch einmal mit einem Hauch Wasser besprüht. Der betriebene Aufwand ist wirklich immens. Zwischen 100 000 und 300 000 Pfund kostet die Planung und Umsetzung eines Schaugartens. Finanziert werden die Gärten über Sponsoren, und die waren 2017 sehr zurückhaltend. Nur acht große Schaugärten konnten realisiert werden. Im letzten Jahr waren es noch siebzehn Gärten gewesen. Ob die Knauserigkeit der Sponsoren bereits eine Folge des bevorstehenden Brexit ist?

Dunkel gefärbte Blüten liegen im Trend

Dem Charme der Veranstaltung kann ich mich trotz dieser Umstände nicht entziehen. In den Gärten stecken jede Menge Ideen, die ich mit nach Hause nehmen und für meinen Garten adaptieren kann. Meine Neuentdeckung in diesem Jahr ist der dunkellaubige Holunder. Aus seinen pinkfarbenen Blüten lässt sich leckerer zartrosa Holunderblütensirup herstellen. Ich habe schon lange eine Schwäche für Pflanzen mit rotem Laub oder schwarzen Blüten. Auch der gefüllte, fast schwarze Mohn „Black Peony“ hat es mir angetan.

In auffällig vielen Gärten wurden dunkle und violette Töne mit orange leuchtenden Farbtupfern kombiniert. Fröhlich und warm sieht das aus. Die in den vergangenen Jahren vorherrschenden Pastelltöne scheinen passé zu sein. Selbst im Gemüseschaugarten der BBC sorgten rote Salat- und Kohlsorten eingerahmt von orangefarbener Kapuzinerkresse für großes Entzücken bei den Besuchern. Dunkles Laub und violette Blüten sind in meinem Blumengarten auch reichlich vertreten. Orange- oder Gelbtöne dagegen waren bislang nur als Beiwerk im Gemüsegarten erlaubt. Vielleicht wird es Zeit, dieses Konzept einmal zu überdenken und mehr Farbe zuzulassen.

Von Anja Klein (der-kleine-horror-garten.de)

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