Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Garten Von wegen aus Amsterdam
Mehr Garten Von wegen aus Amsterdam
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:28 15.03.2018
Frühlingsboten: Experten empfehlen, beim Setzen von Tulpenzwiebeln bereits ordentlich zu klotzen – so entstehen farbenprächtige Tulpenflecken wie dieser hier. Quelle: unsplash

Über Tulpen wird gerade zum Frühlingsbeginn häufig gesprochen –  man könnte meinen, man weiß doch alles über sie. Aber mal ganz ehrlich: Stammen Tulpen eigentlich aus Holland? Und wann werden die Zwiebeln eingesetzt, damit sie zum Osterfest blühen? Ein paar Antworten:
Woher stammen Tulpen?
Nicht aus Amsterdam – wie das Roy Black, die Fischerchöre, Heintje und natürlich Rudi Carrell besungen haben. Die Zwiebelblumen sind im 16. Jahrhundert aus dem Orient nach Europa gelangt.
Wann pflanze ich die Tulpen?
Die Antwort könnte möglicherweise enttäuschen: Im Garten müssen viele Pflanzen weit vor ihrer Saison schon in die Erde. Das heißt für im Frühling blühende Zwiebelpflanzen: im Herbst. Professor Cassian Schmidt vom Staudensichtungsgarten Hermannshof in Weinheim rät, Tulpen zwischen Mitte November und dem Nikolaustag zu pflanzen. Keine Sorge, die Winterkälte macht den Zwiebeln nichts aus. Ganz im Gegenteil: Die ersten Fröste im Spätherbst töten Schädlinge im Boden ab, sodass sich die Tulpen gesund entwickeln können, erklärt Svenja Schwedtke, Staudengärtnerin aus Bornhöved in Schleswig-Holstein.
Das habe ich verpasst. Kann ich  trotzdem noch Tulpen im Garten haben?
Ja, vorgetriebene Pflanzen gibt es im Handel. Sie lassen sich etwa in Töpfen auf Balkon, Terrasse und Fensterbrett sowie im Garten verteilen. Aber für Tulpen im Beet und im Rasen ist es zu spät.
Welche Tulpen sind empfehlenswert?
Langlebigkeit ist hier das Stichwort. Die meisten Zwiebeln entwickeln sich schon im zweiten Jahr nicht mehr so prachtvoll. Häufig lautet der Rat der Gärtnereien sogar: Die Tulpen direkt nach der Blüte komplett entfernen und im Herbst wieder neue pflanzen. Wer sich diese Mühe und natürlich das Geld sparen will, dem empfiehlt Schmidt: „Die Darwin-Hybrid-Tulpen, die zu den klassischen Garten- und Beettulpen zählen, können Jahrzehnte ausdauern.“ Deren farbliche Bandbreite ist zwar nicht besonders groß und beschränkt sich vor allem auf die Grundtöne Gelb und Rot. Aber in den meisten Jahren – etwa 2019 und 2020 –  blühen sie rechtzeitig zum Osterfest, das für Tulpen recht früh auf bereits Mitte April fällt.
Auch die Gruppe der Lilienblütigen und Viridiflora-Tulpen, die ihre Blütenblätter mit grünen Mustern schmücken, gehört zu den langlebigeren. „Darüber hinaus sind das tatsächlich sehr schöne Tulpen für den Schnitt“, sagt Schmidt.
Kann ich auch das Leben der anderen Tulpenvariationen verlängern?
Durchaus! Gärtnerin Schwedtke betont, dass Tulpen im Sommer unbedingt einen trockenen Standort brauchen. Setzt man sie zwischen Prachtstauden, die im Sommer häufig gegossen werden, drohen die Zwiebeln zu verfaulen. Alternativ rät Schwedtke, die Zwiebeln auszugraben, wenn das Laub braun ist, sie zu trocknen und bis zum Herbst einzulagern.
Wichtig für Tulpen ist auch genügend Licht. Werden Tulpen zwischen Stauden mit einem frühen Austrieb gepflanzt, stehen die Blätter im Schatten. Sie können dann nach ihrer Blüte nicht mehr ausreichend Reserven fürs Folgejahr in den Zwiebeln einlagern – dabei ist das der Garant für eine erneute prachtvolle Blüte. Ihr Traumpartner im Beet ist also eher ein Langschläfer.
Die Expertin hat noch einen Tipp: Eine Nährstoffzugabe während des Austriebs der Tulpen. „Am besten nimmt man ein Präparat, das phosphor- und kaliumbetont ist – also zum Beispiel einen Tomatendünger.“
Wo im Garten wirken Tulpen am besten?
„Es macht wenig her, wenn man viele verschiedene Tulpen, die im Zehnerpack angeboten werden, über den Garten verteilt“, sagt Schwedtke. Sie rät, zu klotzen. Statt zu sechs verschiedenen Tulpensorten zu greifen, könne man zum Beispiel 20 Stück einer leuchtend rosa Sorte und 40 Stück in Puderrosa kaufen.
Schmidt empfiehlt, nicht das Tütchen hinter sich herziehen und wahllos eine Zwiebel nach der anderen zu pflanzen. „Man legt die Zwiebeln erst mal im Beet aus oder noch besser wäre es, wenn man sich einen Pflanzplan macht, damit man wirklich eine Vorstellung davon hat, was man farblich gestaltet.“
Ist es sinnvoll, die Pflanzung farblich abzustimmen?
Wichtig sei, die Umgebung zu berücksichtigen, rät Schmidt. „Man kann beispielsweise das Farbkonzept der Fassade des Wohnhauses übernehmen oder zum weiß blühenden Fliederstrauch etwa weiß-grüne Viridiflora-Tulpen pflanzen.“ Gut passten auch Farben zueinander, die im Farbkreis nahe beieinanderliegen. Solche feinen Abstufungen finden sich zum Beispiel bei den Triumph-Tulpen, die kleinere Blüten haben und sich im Vergleich zu den Darwin-Hybrid-Tulpen nicht vollständig öffnen. Sie müssen allerdings immer mal wieder ersetzt werden.
Was hat es mit spät blühenden Tulpen auf sich?
Die einfach blühenden späten Tulpen sind reizvoll. Sie kommen häufig erst Anfang Mai zur Blüte. Sie können sich allerdings in der Konkurrenz der austreibenden Staudennachbarn nicht behaupten, sodass sie nach zwei bis drei Jahren verschwinden. Aber darin sieht Gärtnerin Schwedtke auch eine Chance: „Auf diese Art und Weise kann man von Jahr zu Jahr etwas anderes ausprobieren.“

Blätter frischer Tulpen quietschen

Wenn die Blätter von Tulpen quietschen, sind die Schnittblumen noch frisch. Das Quietschen entsteht, wenn die Blätter sich berühren oder wenn man sie vom Stiel abzieht. Bevor Tulpen in eine Vase gestellt werden, sollte man die Stielenden anschneiden und dies auch wiederholen, wenn die Schnittflächen braun geworden sind. Das ist problemlos möglich, denn Tulpen haben die ungewöhnliche Fähigkeit, auch in der Vase weiterzuwachsen. Nach wenigen Tagen können die Blütenstiele sogar einige Zentimeter länger sein als beim Schnitt. Das liegt daran, dass Tulpen nicht durch Zellteilung wachsen. Statt weitere Zellen zu bilden, pumpen sie ihre flexiblen Zellen mit Wasser auf. Möglich macht das das Wachstumshormon Auxin.

Von Dorothée Waechter

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Garten Gartenarbeit im Winter - Winterpoesie statt Langeweile

Wenn die Natur pausiert, sieht auch der Garten manchmal öde aus. Doch das lässt sich ändern. Denn schon jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um die Weichen für einen attraktiven Garten im nächsten Winter zu stellen.

01.02.2018
Garten Schutz vor Einbrechern - Tatort Gartenlaube

In den Wintermonaten sind viele Kolonien meist menschenleer, das lockt Randalierer und Einbrecher an. Wie man sich schützen kann, lesen Sie hier...

25.01.2018

Das Gartenjahr 2018 steht im Zeichen von Gemütlichkeit, Freiluft-Kochsessions und Nachhaltigkeit – aber auch der digitale Wandel ist laut Experten ein Thema, vor allem bei männlichen Hobbygärtnern.

18.01.2018