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Hannover: Wie man Zeitung versteht– so lernen Schüler Medienkompetenz

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20:36 11.11.2019
Dilara, Samiha und Hatice lernen Politik heute mal etwas anders: Durch Zeitung lesen. Quelle: Villegas
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Hannover

„Ich finde den Titel auf der zweiten Seite sehr interessant“, sagt Lehrer Ismail Temel. Die Schüler einer zehnten Klasse an den Leinetalschulen in Hannover-Kleefeld haben die Hannoversche Allgemeine Zeitung aufgeschlagen. „Belit der Erste“ ist dort zu lesen. Die Jugendlichen überlegen, warum Belit Onay der Erste sein könnte. Der erste Oberbürgermeister mit türkischem Migrationshintergund, wirft ein Schüler ein. Der erste Oberbürgermeister von den Grünen. Lars meldet sich auch: Nur die SPD habe bislang Oberbürgermeister gestellt.

Zeitung bildet einen praktischen Bezug

Temel hakt nach. Die Schüler rechnen, insgesamt 73 Jahre war die SPD an der Macht. Sie diskutieren weiter, lesen Artikel. Die Klasse ist eine von 132 in Hannover und im Umland, die in diesem Jahr am MADS-Projekt (Medien an der Schule) teilnimmt. Das medienpädagogische Projekt der HAZ stellt Klassen dafür ein halbes Jahr lang kostenlos Nachrichten zur Verfügung. Dazu gibt es Unterrichtsmaterialien. Jetzt beginnt die Intensivphase von MADS – drei Wochen lang bekommt jeder Schüler eine eigene Zeitung. „Was ich auf jeden Fall toll finde, ist die Möglichkeit, Zeitung zu lesen“, sagt Temel. Anhand der Zeitung bespreche er dann aktuelle Themen mit den Schülern. „Wirtschaft und Politik kann man nicht ohne praktischen Bezug unterrichten.“

Wirtschaft und Politik könne man nicht ohne praktischen Bezug unterrichten, findet Lehrer Ibrahim Temel und freut sich über die HAZ für seine Schüler. Quelle: Villegas

„Ich bin kein Lesewurm“

Temel hat festgestellt, dass die Schüler immer weniger lesen. So geht es auch Samiha und Hatice. Nur wenn die Zeitung mal auf dem Küchentisch liege, werfe sie einen Blick hinein, sagt Samiha. Nachrichten schaue sie eher im Fernsehen. „Wenn mich da was interessiert, gucke ich mir das im Internet an.“ Auch die 15-jährige Hatice erklärt: „Ich bin keine Lesewurm.“ Sie sei die ganze Zeit am Handy, das sei auch nicht gut. Beide sind sich einig: Vielleicht sollten sie ein bisschen mehr lesen.

Drei Wochen lang bekommen Schüler die HAZ umsonst. Fünf von ihnen erklären, wie sie zur Zeitung stehen:

Meinungen ersetzen häufig journalistische Inhalte

„Kinder haben keine Filter wie Erwachsene“, erklärt Lehrer Temel. Sie könnten zwischen Information und Meinung noch nicht so leicht unterscheiden. Durch die sozialen Medien ersetzten Meinungen für sie häufig journalistische Inhalte. „Deswegen habe ich auch den Kommentar behandelt“, erklärt er. Auf Seite 2 der HAZ hatte er zuvor die Jugendlichen auf den Leitartikel aufmerksam gemacht. „Respekt“ steht dort. Die Jugendlichen überlegen, ziehen eigene Schlüsse. Es handelte sich wohl um einen fairen Wahlkampf.

Anhand der Zeitung diskutieren die Schüler aktuelle Themen. Am Montag ist die Oberbürgermeisterwahl dran. Quelle: Villegas

„Ich lese mehr Zeitung, seitdem wir das in der Schule haben“

Johannes beteiligt sich viel, man merkt ihm das politische Interesse an. Doch ein gedrucktes Exemplar der Zeitung nutzt er nicht: „Ich lese meistens das, was mir mein Handy empfiehlt.“ Da hat Lars eine andere Meinung. Zwar lese er auch schnelle Nachrichten, aber er habe lieber Papier in der Hand. Der 15-Jährige hat bereits Veränderungen bemerkt: „Ich lese mehr Zeitung, seitdem wir MADS in der Schule haben.“ Doch er sei ohnehin literarisch interessiert und habe schon für die Arbeitsgemeinschaft Schülerzeitung geschrieben. Die soll es auch in diesem Jahr im Zuge des MADS-Projekts wieder geben, weiß Lehrer Temel. Da darf auch ein Besuch bei der HAZ nicht fehlen, damit die Schüler lernten, wie eine Zeitung entstehe.

Sie sind Lehrer und wollen mit Ihrer Klasse bei MADS mitmachen? Das MADS-Projektbüro ist für Fragen montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr unter der gebührenfreien Telefonnummer (0800) 5 05 24 78 erreichbar.

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