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Fachliches Können, digitales Verständnis und persönliche Kompetenz

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Prof. Dr. Günter Hirth
Digitale Angebote nutzen: Prof. Dr. Günter Hirth rät Aus­bildungssuchenden, sich umfangreich im Internet zu informieren. Quelle: IHK Hannover

Die Corona-Pandemie ist die aktuelle Hausforderung in allen Bereichen unserer Gesellschaft. „Diese Krise beschleunigt die Entwicklung am Ausbildungs- und Arbeitsmarkt, die seit vielen Jahren durch Automatisierung und Digitalisierung rasant beeinflusst wird“, sagt Prof. Dr. Günter Hirth, Abteilungsleiter Berufsbildung bei der Indus­trie- und Handelskammer Hannover. Die Ausbildungsberufe würden entsprechend novelliert oder sogar neu geschaffen. Ein Beispiel: Kaufleute im E-Commerce.
Nach der Novellierung tragen die Berufe häufig schillernde Bezeichnungen wie Kaufleute für Groß- und Außenhandelsmanagement oder Kaufleute für Digitalisierungsmanagement. „Das klingt nicht nur attraktiver und moderner – das ist es auch“, sagt Hirth.
Schlupflöcher für die Neuausrichtung gebe es nicht, denn „digitale Fähigkeiten werden in allen Branchen zunehmend gefragt“, sagt Hirth und nennt als Beispiel die Gastronomie. „Hier reicht es nicht mehr, wenn man im klassischen stationären Geschäft fit ist – also kochen kann. Man muss sich zunehmend mit Reservierungssystemen auskennen und Lieferungen außer Haus organisieren.“

Zur Person

Prof. Dr. Günter Hirth (Jahrgang 1959) ist promovierter Volkswirt und Professor für  Allgemeine Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Hannover. Seit 2013 leitet der gebürtige Westfale die Abteilung Berufsbildung der IHK Hannover und ist Sprecher der  Federführung Schul- und Hochschulpolitik der IHK Niedersachsen (IHKN).

Auch die Bereiche um das jeweilige Kerngeschäft herum hätten an Bedeutung gewonnen, weiß Hirth. „So ist das Verständnis für die Wertschöpfungskette eindeutig gestiegen: Das betrifft neben den Kunden zum Beispiel auch die Lieferanten.“ Neben dem Können gehe es verstärkt auch um persönliche Kompetenz.
„Die Corona-Krise hat einige Job-Gewissheiten zunichtegemacht. Dementsprechend hat es bei Ausbildungsangebot und -nachfrage einige Verschiebungen gegeben“, sagt Hirth. Branchen wie beispielsweise die Gastronomie oder der Tourismus haben es wegen der Lockdowns schwer, Ausbildungsplätze anzubieten, und auch, angebotene Plätze zu besetzen.
Wer sich derzeit für eine Ausbildung bewerben will, muss sich einer besonderen Situation stellen. „Informationsveranstaltungen fallen weg, Ausbildungsmessen werden nur noch online abgehalten. Bis zu den Osterferien sind die sonst obligatorischen Betriebspraktika für Schüler untersagt.“ Hirth rät den Jugendlichen, sich umfangreich im Internet zu informieren. „Es gibt im Gebiet der IHK Hannover für das Ausbildungsjahr 2021 mehr als 1000 freie Ausbildungsplätze in der IHK-Lehrstellenbörse.“
Für Abiturienten hat Hirth noch einen Extra-Tipp: „Die Abiturienten des Jahrgangs 21 werden wohl kein Gap Year oder Work and Travel machen können. In diesem Jahr hätten sie durch die Verkürzungsmöglichkeiten schon bis zu einer halben Berufsausbildung in der Tasche. Denn bei Azubis mit Allgemeiner Hochschulreife oder einer Fachhochschulreife kann eine Verkürzung der Ausbildungszeit um zwölf Monate erfolgen.“ Und egal, wofür man sich hinterher entscheide: „Die Ausbildung ist schon mal da. Wer dann noch studieren möchte, hat beispielsweise in den Ingenieurberufen einen relativ einfachen Studienstart.“

Von Katrin Schreiter