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Studium & Beruf Die Kreuzfahrtbranche sucht Nachwuchs
Mehr Studium & Beruf Die Kreuzfahrtbranche sucht Nachwuchs
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00:19 29.12.2012
Gute Leute zum Mitschippern gesucht: An Bord gibt‘s jede Menge zu tun. Quelle: iStockphoto.com/George Bailey, fatihhoca
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Bremen

Trotz des schweren Unglücks der Costa Concordia zum Jahresanfang: Die Deutschen lieben Kreuzfahrten und geben dafür mehr Geld aus als je zuvor. Die Branche rechnet auch für 2012 wieder mit hohen Zuwachsraten - allein 2011 haben nach Angaben des Deutschen Reiseverbands fast 1,4 Millionen Hochseeurlauber rund 2,4 Milliarden Euro umgesetzt. Kein Wunder, dass auch die Stellenbörsen der Kreuzfahrtunternehmen gut gefüllt sind.

„Der Bedarf in unserer Industrie ist deutlich gestiegen“, sagt Hapag-Lloyd-Sprecherin Negar Etminan. Fachkräftemangel gebe es im Bereich der Hotellerie, der Kabine und im Service. Und das, obwohl die Mitarbeiter durch ihre Arbeit auf dem Schiff an Orte auf der ganzen Welt gelangten, die sie ansonsten wohl ihr Lebtag nicht zu Gesicht bekämen.

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Doch der Job stellt hohe Anforderungen: „Man muss große Belastungen aushalten, sozial kompatibel sein und gut mit Menschen umgehen können. Denn man lebt ja monatelang auf engstem Raum mit den Kollegen zusammen und kann nicht abends einfach nach Hause gehen wie in anderen Berufen.“ Die meisten kämen daher nicht, um Karriere an Bord zu machen, sondern blieben für ein bis anderthalb Jahre. „Die Motivation, beispielsweise lebenslang als Servicekraft zu arbeiten, ist begrenzt“, so Etminan. Nicht jeder ist bereit oder in der Lage, sein Privatleben für den monatelangen Einsatz auf See einzuschränken.

„Natürlich ist man oft lange Zeit von der Familie getrennt“, sagt auch Kapitän Sven Gärtner von der „AIDAsol“: „Aber glücklicherweise kennt meine Lebensgefährtin das Leben an Bord aus eigener Erfahrung und hat sehr viel Verständnis.“ Gärtner ist seit mittlerweile 28 Jahren auf den Weltmeeren unterwegs, seit zwölf Jahren ist er Kreuzfahrtkapitän. Anfangs machte er eine Ausbildung zum Schiffsmechaniker und das Technik-Fachabitur, studierte dann an der Fachhochschule für Seefahrt in Elsfleth. In den Semesterferien arbeitete er als Matrose. Später lernte er Eisnavigation auf dem Forschungsschiff „Polarstern“, wurde Offizier auf Expeditionskreuzfahrtschiffen, ab 2000 dann Kapitän.

Der Job besteht aber schon lange nicht mehr nur aus Nautik und Navigation, also dem Führen und Steuern des Schiffs: „Ich bin auch Psychologe, Manager, Ingenieur, Kaufmann, Meteorologe und Umweltschützer in einem“, erzählt Gärtner: „Schließlich trage ich die Verantwortung für Gäste, Crew und Schiff.“ Auch ein paar Entertainerqualitäten sind gefragt: „Als Kapitän stimme ich die Gäste gleich zu Beginn der Reise mit einem herzlichen Willkommensgruß ein.“

Überhaupt der ganze Unterhaltungsbereich: Weil längst nicht mehr nur Rentner eine Kreuzfahrt buchen, sondern zunehmend auch jüngere Leute, reicht es schon lange nicht mehr, nur eine Tanzkapelle oder einen Pianisten zu buchen. Längst gehört auch der abendliche DJ für Disco, Pool- und Mottoparties zum festen Angebot. Auch Livebands werden in den Kreuzfahrt-Jobbörsen gesucht.

Einer der ungewöhnlichsten Jobs auf einem Kreuzfahrtschiff dürfte der Bierbrauer sein. Andreas Prien produziert den Gerstensaft auf der „AIDAmar“ in einem schwimmenden Brauhaus. Wichtig auf hoher See: „In jahrelanger Tüftelarbeit mussten die Gärkessel unempfindlich gegen Schiffsschwankungen gemacht werden.“ Gibt es ein spezielles Geheimrezept? „Unser Bier besteht neben Hopfen und Malz aus Meerwasser, das in der schiffseigenen Wasseraufbereitungsanlage entsalzt, gesäubert und wieder mit den nötigen Materialien versehen wird.“

Die gestiegenen Ansprüche der Gäste spiegeln sich auch in immer mehr Berufen auf den Schiffen wider: „Wo früher ein Masseur gereicht hat, haben wir heute im Wellnessbereich ein umfangreiches Angebot, das von der Thalasso-Therapie bis zum Yoga reicht“, beschreibt Hapag-Lloyd-Sprecherin Etminan.

Auch die Ausbildung zum Mechatroniker ist auf dem Schiff möglich: Seit September 2008 bildet AIDA als weltweit einziges Unternehmen selbst an Bord aus. Die Ausbildung dauert dreieinhalb Jahre und vermittelt spezifische Kenntnisse in der komplexen Schiffstechnik. Hinzu kommt eine Spezialausbildung mit Schwerpunkt Klima- und Lüftungstechnik, Elektrotechnik, Hoteltechnik oder IT. Nach der Ausbildung kann ein Bachelor-Studium in Elektrotechnik oder Schiffsbetriebstechnik angeschlossen werden.

Harald Grube