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Studium & Beruf Double-Degrees liegen im Trend
Mehr Studium & Beruf Double-Degrees liegen im Trend
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13:59 03.07.2012
Double-Degrees sind gute Voraussetzungen für eine internationale Karriere. Quelle: Light Impression/Fotolia.com
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Reutlingen

Zwei Studienabschlüsse in vier Jahren: Wenn der 22-jährige Lennart Kocheise seinen Bachelor in internationalem Management in der Tasche hat, steht sein Name gleich auf zwei Abschlusszeugnissen. Eines stellt die Fachhochschule ESB Business School in Reutlingen aus und eines die ICADE Universität in Madrid. Er hat dann acht Semester studiert. Zwei Jahre seines Studiums wird er in Reutlingen verbracht haben. Die andere Hälfte in Spanien. Während des gesamten Studiums wird er an zwei Hochschulen immatrikuliert gewesen sein. Denn Kocheise macht einen Bachelor mit Double-Degree, also mit doppeltem Abschluss.

Derartige Studiengänge sind zurzeit in Mode. „Deutschlandweit gibt es inzwischen mehr als 500 solcher Bachelor- und Masterprogramme“, sagt Matthias Kuder vom Center for International Cooperation der Freien Universität Berlin und Mitautor einer Studie zu Double-Degree-Studiengängen. „Und die Zahl wird aller Voraussicht nach noch stark zunehmen.“ Am verbreitetsten sind die doppelten Abschlüsse in den Wirtschafts-, Ingenieur- und Sozialwissenschaften. Auch wenn die Programme im Detail unterschiedlich gestaltet sind, eines haben sie alle gemeinsam: Ein Auslandsaufenthalt ist fest integriert.

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Der doppelte Abschluss lockt viele. Denn die Hoffnung ist groß, durch ihn bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt zu haben als die Konkurrenz. „Die Double-Degrees werden von Personalverantwortlichen als etwas Besonderes angesehen, denn die Anforderungen an die Studenten sind meist höher“, sagt Kuder. Auch mache ein Auslandsaufenthalt einen größeren Eindruck, wenn der Bewerber seinen Unterlagen das Abschlusszeugnis einer ausländischen Uni beilegen könne. Und man verliere durch den Auslandsaufenthalt keine Zeit. Denn Probleme mit der Anerkennung von Scheinen gibt es meist nicht. Vor allem könne der Double-Degree den Zugang zu ausländischen Arbeitsmärkten erleichtern.

Zudem haben die Studenten auf jeden Fall mehr erlebt als die Kommilitonen, die nur in Deutschland die Hochschule besucht haben. „Wer den Double-Degree bei uns gemacht hat, hat in zwei Sprachen BWL gelernt und durch die verpflichtenden Praktika zwei Unternehmenskulturen kennengelernt“, sagt Prof. Christoph Binder von der ESB Business School in Reutlingen. „Unsere Studenten lernen Social Skills wie Teamfähigkeit nebenbei. Denn sie müssen sich ständig neu integrieren.“

Lennart Kocheise hat sich für den Doppelabschluss an der ESB entschieden, weil er eine Zeit lang während des Studiums im Ausland leben wollte. Spanien sollte es sein, weil er sich in das Land verliebt hatte, als er nach dem Abitur ein Jahr lang in Sevilla wohnte, um die Sprache zu lernen. Und so kam es, dass er seine Bewerbungsunterlagen nach Reutlingen schickte.

Die größte Schwierigkeit bei dem Studium sei es, in das Programm hineinzukommen, sagt er. Rund 1000 Bewer-bungen gibt es jedes Jahr für die rund145 Plätze in Reutlingen. Rund 500 junge Menschen schaffen es in die zweite Runde zum Aufnahmetest. Entscheidend ist dabei nicht so sehr die Abiturnote. Auch Kandidaten mit einem Durchschnitt von 2,5 haben noch Chancen. „Aber es müssen neugierige und interessierte Leute sein, die sich auch zu Schulzeiten schon irgendwo eingebracht haben“, sagt Prof. Binder.

Für ängstliche oder gemütliche Menschen ist ein Doppelabschluss eher nichts. „Das Studium ist hektisch“, sagt Kocheise. „Man zieht viel um, lernt ständig neue Leute kennen, kommt immer wieder in neue Situationen rein.“ Außerdem sei die Zusammenarbeit mit Menschen aus verschiedenen Kulturen nicht immer einfach. Aber wenn man viel Abwechslung möchte, dann gebe es nichts Besseres.

Wer sich für einen solchen Studiengang interessiert, sollte sich genau informieren. Kuder rät, sich genau anzuschauen, wie der Studiengang aufgebaut ist. „Double-Degree ist ein dehnbarer Begriff. Man sollte sich nicht von schönen Namen und Werbeslogans blenden lassen.“ So sollten angehende Studenten prüfen, ob sie an beiden Hochschuleneinen vollwertigen Abschluss erhalten und nicht etwa an einer nur ein Zertifikat.

Er empfiehlt zu recherchieren, wie die Zeugnisse und der Stundenplan aussehen. „Ich würde versuchen zu klären: Welche Fremdsprachenkenntnisse werden vorausgesetzt? Wie sind die Mobilitätsphasen strukturiert, und gibt es dafür Unterstützung?“ Ist ein Studiengang in der engeren Auswahl, empfiehlt er, ehemalige Studenten zu kontaktieren.

Kristin Kruthaup