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00:50 14.07.2012
Die Studenteninitiative „Greening the University“ setzt sich für mehr Nachhaltigkeit an der Hochschule ein. Quelle: Johannes Geibel
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Tübingen

Ein Stück weit sei ihr Erfolg ein glücklicher Zufall, sagt Johannes Geibel. Die richtigen Leute hätten sich einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort getroffen. Was aus diesem Umstand innerhalb von fünf Jahren hervorgegangen ist, erstaunt ihn manchmal selbst. Die Studenteninitiative „Greening the University e.V.“ hat an der Universität Tübingen viel erreicht.

Der Verein hat sich im Wintersemester 2007/2008 in Tübingen gegründet. Etwa ein Dutzend Hochschüler aus verschiedenen Disziplinen tat sich damals mit einer gemeinsamen Idee zusammen: Sie wollten das Thema nachhaltige Entwicklung an die Universität Tübingen bringen. Bis dahin war dies weder in der Verwaltung noch in der Forschung noch in der Lehre ein großes Thema.

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Heute druckt die Tübinger Universitätsverwaltung nur noch auf Recycling-papier, und im Winter wird weniger stark geheizt. In der Lehre gibt es ein Studium Oecologicum, das Studenten sich als Schlüsselqualifikation für ihr Studium anrechnen lassen können. Und in der Forschung werden Abschlussarbeiten zum Thema prämiert. Für all diese Sachen gab „Greening the University“ den Anstoß. Dafür wurde die Initiative mit dem Preis „Studierende für Studierende“ des Deutschen Studentenwerks ausgezeichnet. Außerdem wurde sie offizielles Projekt der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Die Hochschüler sind mit ihrem freiwilligen Engagement an der Hochschule keine Ausnahme. Rund zwei Drittel der Studenten engagieren sich neben dem Studium zumindest gelegentlich auch gesellschaftlich. Das zeigte vor einigen Jahren Hochschulforscher Lars Fischer in der Studie „Studium und darüber hinaus?“. „Als gesellschaftliches Engagement haben wir aber wirklich alles gezählt“, grenzt Fischer ein. So habe es etwa ausgereicht, mit einer Band aufzutreten, um als engagiert zu gelten.

Studenten engagieren sich heute anders an der Hochschule als früher. „Die Fachschaften, ASten oder hochschulpolitischen Gruppen spielen eine untergeordnete Rolle“, sagt Fischer. Studenten gründeten stärker eigene Initiativen und beackerten Themen eher punktuell. Das bestätigt auch Stefan Grob vom Deutschen Studentenwerk. „Das Engagement der Studenten ist sprunghaft, punktuell, und es muss eine biografische Passung geben“, so Grob. So engagieren sich Medizinstudenten etwa häufig in Krankenhäusern oder bei Rettungsdiensten.

Gefragt nach den Gründen für ihr gesellschaftliches Engagement haben viele Studenten neben idealistischen Motiven auch ihre eigene Karriere im Blick. Bei einer Umfrage des Bundesfamilienministeriums gab im Jahr 2010 jeder zweite Student (53 Prozent) an, im gesellschaftlichen Engagement eine gute Möglichkeit zu sehen, sich weiterzuqualifizieren. Mehr als die Hälfte (60 Prozent) meint, dass das gesellschaftliche Engagement die späteren Chancen im Berufsleben erhöht. Glaubt man der Karriereberaterin Svenja Hofert, ist diese Hoffnung auch berechtigt: „Personaler schauen natürlich auf ehrenamtliches Engagement“, sagt sie. Habe jemand etwa über lange Jahre in der Fachschaft gearbeitet, beweise das Konsequenz. Zudem zeige dies, dass jemand auch einmal über den eigenen Tellerrand blicke.

Johannes Geibel hat primär erst einmal nicht an seine Karriere gedacht. Er wollte mithelfen, das umzusetzen, was er für richtig hält. Aber auch er sagt, dass er viel gelernt hat. Für „Greening the University“ hat Geibel zeitweise einen Tag und mehr pro Woche gearbeitet. Er hat Anträge geschrieben, Gruppendiskussionen moderiert und mit seinen Kommilitonen über die richtige Strategie gestritten. Schlüsselqualifikationen wie rhetorisches Geschick hat er dadurch nebenbei gewonnen. Viel wichtiger als diese Fähigkeiten war für ihn jedoch eine Erkenntnis: „Das ist die Begeisterung, wenn man merkt: Wenn man will, dann kann man etwas verändern.“ Wollen sich Erstsemester engagieren, haben sie viele Möglichkeiten - vom Hochschulsport über Hochschulpolitik bis zum studentischen Filmklub. Hochschulforscher Lars Fischer rät Studenten, auch praktische Aspekte zu beachten, „über das Ehrenamt herauszufinden, was mir beruflich liegt“. Das sei besonders für Geisteswissenschaftler interessant, für die es kein vorgefertigtes Berufsbild gebe.

Kristin Kruthaup