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Studium & Beruf Ein Studium in den neuen Bundesländern hat viele Vorteile
Mehr Studium & Beruf Ein Studium in den neuen Bundesländern hat viele Vorteile
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13:50 24.02.2011
Zum Studium nach Frankfurt an der Oder? Bisher ziehen Hochschulen wie die Viadrina Universität nur wenige westdeutsche Schulabgänger an.
Zum Studium nach Frankfurt an der Oder? Bisher ziehen Hochschulen wie die Viadrina Universität nur wenige westdeutsche Schulabgänger an. Quelle: Fest/dpa/tmn
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Wo soll ich studieren? Diese Frage bereitet Schulabgängern jedes Jahr Kopfzerbrechen. Die Antwort fällt oft aber überraschend eintönig aus: vor der eigenen Haustür. Gerade im Westen bleiben die meisten Studenten (96 Prozent) dort, wo sie ihre Schule abgeschlossen haben, wie das Deutsche Studentenwerk (DSW) ermittelt hat. Nur wenige gehen zum Studieren in die neuen Bundesländer. Dabei kann das durchaus Vorteile haben – besonders angesichts der doppelten Abiturjahrgänge, die noch bis 2016 deutsche Schulen verlassen und die Hochschulen stürmen.

„Es gibt bei uns generell eine West-Orientierung“, sagt DSW-Generalsekretär Achim Meyer auf der Heyde in Berlin. „Die meisten Studienanfänger aus dem Westen bleiben im Westen, und Studienanfänger aus dem Osten gehen häufig in den Westen.“ Das bestätigt auch eine Studie des Hochschul-Informationssystems in Hannover. Demnach nutzen bislang nur wenige Westdeutsche die Chance, in den Osten zu wechseln: Im Wintersemester 2007/08 waren es nur 4,4 Prozent der Studienanfänger.

Dabei gibt es Ausnahmen – einige Hochschulen in Ostdeutschland sind bei Schulabgängern aus dem Westen schon seit einiger Zeit gefragt, wie Meyer auf der Heyde weiß. Dazu gehörten beispielsweise Universitäten in Berlin und Potsdam. Aber auch Städte wie Leipzig und Dresden bekommen Zulauf durch westdeutsche Studienanfänger.

Viele andere Hochschulstandorte im Osten können bislang kaum junge Menschen aus dem Westen locken. Denn für viele von ihnen haben die ostdeutschen Studienorte ein schlechtes Image, wie eine Befragung des Centrums für Hochschulentwicklung in Gütersloh ergeben hat. Ein Großteil der studieninteressierten Westdeutschen kann sich kaum vorstellen, im Osten zu studieren: 69,6 Prozent halten das für „eher unwahrscheinlich“, wenn es um ihre Ausbildungspläne geht.

Wer allerdings für ein Studium in den Osten geht, kann von einigen Vorzügen profitieren. „Es gibt zum Teil bessere Studienbedingungen“, erklärt Meyer auf der Heyde. So sei zum Beispiel das Betreuungsverhältnis besser, da auf eine Lehrkraft weniger Studenten kämen als an westdeutschen Hochschulen. „Dadurch ist der Kontakt zu den Lehrenden meist intensiver und der Umgang persönlicher.“ Ständig verschlossene Türen oder völlig überlastete Professoren und Mitarbeiter seien seltener.

Janine Artist von der Hochschulinitiative Neue Bundesländer in Berlin hebt weitere Pluspunkte hervor: „Die Hochschulen in den neuen Bundesländern sind sehr gut ausgestattet.“ Nach der Wende sei viel in sie investiert worden – weswegen heute unter anderem die Bibliotheken bestens bestückt seien. Außerdem gebe es viele Laborplätze und gute Arbeitsplätze mit Computern. „Die Lernbedingungen sind damit insgesamt sehr gut.“

Hinzu komme, dass die Lebenshaltungskosten oft niedriger als beim Studium in westdeutschen Ländern seien, ergänzt Artist. „Keines der neuen Bundesländer erhebt allgemeine Studiengebühren.“ Positiv sei auch, dass die Wohnungsmieten vielerorts geringer ausfallen als in großen Studienstädten im Westen.

Meyer auf der Heyde ist sich deshalb sicher, dass die ostdeutschen Hochschulen demnächst mehr Zulauf aus dem Westen haben werden. Denn inzwischen spreche es sich herum, wie attraktiv die Standorte in den neuen Bundesländern sind.

Aliki Nassoufis/dpa/tmn