Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Studium & Beruf Erzieher brauchen starke Nerven
Mehr Studium & Beruf Erzieher brauchen starke Nerven
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:00 25.08.2012
Gute Chancen, starke Nerven: Pädagogen sind gesucht, doch zu leicht sollte man den Job nicht nehmen. Quelle: dpa/tmn
Anzeige
Hannover

Erzieher arbeiten in Krippen, Kitas, Hort- oder Heimeinrichtungen, informiert die Bundesagentur für Arbeit. Auch in der offenen Jugendarbeit, der Verwaltung oder in Häusern für Menschen mit Behinderungen sind sie gefragt. Und Tagesmütter haben oft ebenfalls eine Ausbildung zur Erzieherin gemacht.

Für ihre Schützlinge sind die Erzieher idealerweise Vorbilder und Bezugspersonen in eins. Mit Malen und Musizieren, Sport und Spiel, Festen und Ferienaufenthalten regen sie die Kinder zum Lernen an. Ein guter Draht zu den Eltern oder Erziehungsberechtigten ist dabei wichtig. Erzieher tauschen sich mit Experten aus und halten, falls notwendig, Kontakt zu Ausbildungsstätten und Ämtern.

Anzeige

Doch der Job ist natürlich viel mehr als Spielen: Ohne starke Nerven und Humor geht im Leben eines Erziehers nichts, denn Knirpse und Pubertierende fordern heraus. In Kitas oder Heimen kann der Lärmpegel beachtlich sein. Unregelmäßige Arbeitszeiten sind normal.

Das hat mitunter Folgen für die Gesundheit. Menschen in den Sozial- und Erziehungsberufen fehlen aufgrund psychischer Erkrankungen häufiger als Versicherte aller anderen Berufsgruppen in Deutschland, berichtet das Bundesamt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin.

Männer sind in diesem Beruf unterrepräsentiert, dabei ist ihre Mitarbeit erwünscht: „Es ist wichtig, dass Mädchen und Jungen Rollenvorbilder beiderlei Geschlechts erleben“, sagt Norbert Hocke von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW).

Die Ausbildung erfolgt an Fachschulen, Berufskollegs und anderen Bildungseinrichtungen - und nicht direkt in Betrieben. Sie dauert zwischen zwei bis vier Jahren. Die Zugangshürden liegen unterschiedlich hoch. Viele Einrichtungen setzen die Mittlere Reife voraus, manche fordern zusätzlich einen Berufsabschluss etwa als Sozialassistent, Erziehungshelfer oder Alten- oder Krankenpfleger. Das Abitur oder das Fachabitur mit einem viermonatigen Praktikum genügt ebenfalls.

Auch Hauptschüler mit einschlägigen Berufsabschlüssen kommen mancherorts zum Zuge. Für die Ausbildung fällt an Privatschulen Schulgeld an. Auf dem Unterrichtsplan stehen neben Pädagogik und Soziologie auch Fächer wie Recht, Verwaltung, Religion oder Ethik. Dazu kommen Praktika.

Die Chancen für Berufseinsteiger stehen laut der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft gut. Im Osten gehen in den kommenden Jahren viele Erzieherinnen in Rente. Im Westen würden wegen des Ausbaus der Kitas mehr Fachkräfte gebraucht, sagt Rauschenbach.

Doch viele Erzieher können von ihrem Einkommen nicht leben, wie aus einer Studie der Max-Träger-Stiftung hervorgeht. In der Branche nehmen befristete Verträge und Teilzeitarbeit zu. Nur etwa jede zweite Erzieherin arbeitet Vollzeit. Männliche Erzieher kommen laut der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft im Durchschnitt auf 1595 Euro netto. Der Abstand von 281 Euro zum Durchschnitt anderer Berufe gibt Hinweise darauf, warum es so schwer ist, Männer für einen frühpädagogischen Beruf zu gewinnen.

Wer die Karriereleiter erklimmen möchte, kann einen Bachelor in Pädagogik oder Sozialpädagogik erwerben. Selbstständige eröffnen einen Kindergarten oder bieten ihre Dienste als Tagesmutter oder -vater an. Männer wie Frauen könnten vom Ausbau der Ganztagsschulen profitieren. „Die Perspektiven sind gut“, sagt Rauschenbach.

Katlen Trautmann