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Studium & Beruf Gegen das schlechte Image
Mehr Studium & Beruf Gegen das schlechte Image
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17:35 14.07.2011
Viel Kundenkontakt: Versicherungskaufleute beraten unter anderem private Kunden zu ihren Produkten. Quelle: Heiber/Fotolia.com
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Man lernt einiges für das Leben an sich und hat viel Kundenkontakt.“ – Vivien Tieke zieht eine positive Bilanz ihrer Ausbildung. Die 21-Jährige ist Kauffrau für Versicherungen und Finanzen bei den VGH Versicherungen und weiß, sie hat sich für einen Beruf entschieden, der viel Entwicklungspotenzial bietet. Während ihrer Ausbildung hatte sie zunächst gelernt, gewerbliche wie private Kunden zu Produkten zu beraten und nach Vertragsabschluss weiter zu betreuen. Nun konzentriert sich Tieke auf den Bereich Lebensversicherungen in der Bestandsbearbeitung.

Ganz im Gegensatz zu ihrem Kollegen, der einen anderen Weg eingeschlagen hat. Marcel Becker arbeitet seit der Ausbildung an einer selbst für die Versicherungsbranche exotischen Stelle: im Vorstandsreferat. „Die Aufgaben sind sehr vielfältig und anspruchsvoll. Ich bereite unter anderem Vorstands- und Gremiensitzungen vor und nach und kümmere mich um die Termine des Vorstandsvorsitzenden“, sagt der 24-Jährige.

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Beckers Beispiel zeigt: Wer als Kaufmann für Versicherungen und Finanzen ins Berufsleben startet, hat innerhalb des Unternehmens die Chance, sich auch in ganz anderen Bereichen zu entfalten. „Da bieten wir ein durchlässiges System“, sagt Mirela Dlakic, Referentin Erstausbildung bei den VGH Versicherungen in Hannover. Sie weiß aber auch um das negative Image, das der Versicherungsbranche noch immer anhaftet. „Das muss aufgebrochen werden“, findet die 39-Jährige.

Deswegen haben sich unter dem Dach des Berufsbildungswerkes der Versicherungswirtschaft (BWV) in Hannover acht Versicherer wie Allianz, Concordia und Hannover Rück zusammengefunden, die die Kampagne „Besser als …“ initiiert haben. Auszubildende und Bachelorstudenten dieser Unternehmen konnten dabei selbst Ideen einbringen, wie man andere junge Menschen für Jobs im Versicherungsgeschäft begeistern kann. „Die demografische Entwicklung zwingt uns dazu, etwas zu tun“, begründet Angelika Garche-Krüger die ungewöhnliche Aktion. Die Geschäftsführerin des BWV hofft, dass die Kampagne Früchte trägt, auch bundesweit Verbreitung findet und dem Nachwuchs signalisiert: Eine Ausbildung bei einer Versicherung lohnt sich.

Das zeigt sich bereits bei der Vergütung: Angehende Finanz- und Versicherungskaufleute gehören zu den bestbezahlten Lehrlingen in Deutschland. Sie starten im ersten Ausbildungsjahr mit 772 Euro und steigern sich bis ins dritte auf 903 Euro monatlich. Das durchschnittliche Gehalt eines Versicherungskaufmanns liegt später bei 39 000 Euro im Jahr.

Auch in puncto Weiterbildung gibt es viel Potenzial: So ist laut Garche-Krüger beispielsweise der Versicherungsfachwirt mit IHK-Abschluss hoch anerkannt. „Der Unterricht findet immer nur sonnabends statt“, nennt sie einen weiteren Anreiz. Berufseinsteiger können auch direkt nach der Ausbildung ein vierjähriges Bachelorstudium draufsatteln. Der Unterricht findet unter der Woche sowie am Sonnabend statt.

Auch für Vivien Tieke und Marcel Becker hat das Lernen noch lange kein Ende. Die gerade ausgelernten Kaufleute nehmen schon die nächsten Ziele ins Visier: Ein Studium könnte sich Becker durchaus vorstellen, Tieke würde sich gerne weiter spezialisieren, beispielsweise zur Risikoprüferin. Die beiden bringen auf den Punkt, was für sie den Ausschlag gab, eine Ausbildung bei einer Versicherung zu beginnen: „Ich habe mich auf diesen Bereich konzentriert, weil ich dabei sehr viel mit Menschen zu tun habe und darüber hinaus mein Interesse für Texte und Paragrafen vertiefen kann“, sagt Marcel Becker. Vivien Tieke dagegen hat sich eher für die kaufmännische Seite des Berufs begeistert. „Mit Versicherungen hatte ich vorher nichts zu tun“, sagt die 21-Jährige.

Mit Blick auf die Zukunftsplanung war ihrem Kollegen Marcel Becker eines besonders wichtig: „Das hier ist ein Job, der nicht mal eben so wegfällt.“ Denn schließlich bräuchten Menschen immer Versicherungen.

Von Regine Suling