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Studium & Beruf Gute Zeiten, schlechtes Image
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18:25 27.01.2009

Nicht jeder gut gemeinte Rat ist hilfreich. Es war das Gründungsjahr der Pflegeversicherung, als Norbert Blüm während einer Bundestagsdebatte vor einer Überprofessionalisierung des Pflegeberufs warnte. „Um einen 70-Jährigen zu füttern, brauche ich keine sechs Semester Psychologie“, verkündete der Minister. „Dazu brauche ich ein gutes Herz und eine ruhige Hand.“
Blüm irrte – zulasten eines Berufsstandes, der noch heute, 14 Jahre später, um gesellschaftliche Anerkennung und Professionalisierung ringt. Lange Zeit galt die Altenpflegeausbildung als Sammelbecken der Gescheiterten. Wer andernorts durchfiel, versuchte sein Glück in der Pflege – nach dem Motto „dafür reicht’s immer“. Und ebenso lange Zeit stritt die Politik über die Frage, ob bundeseinheitliche Regeln für die Ausbildung überhaupt nötig sind. 2004 musste das Verfassungsgericht schließlich ein Machtwort sprechen, um klarzustellen, dass die Altenpflege ein Heilberuf ist. Aber noch immer ist die Finanzierung der Ausbildung vom guten Willen der Pflegeanbieter abhängig – und vom Schulgeld der Auszubildenden.

Mit drastischen Folgen. Jede Studie bescheinigt der Altenpflege zwar traumhafte Beschäftigungspotenziale. Aber die Zuwachsraten in der Ausbildungsstatistik sind kümmerlich. 38 000 Schülerinnen wurden 1997 bundesweit registriert; zehn Jahre später waren es gerade einmal 3000 mehr. Bei den Neuanmeldungen ging es sogar bergab: Gut 15 500 Schülerinnen, begannen 1997 eine Ausbildung; 2007 waren es 5400. In Niedersachsen zählte der erste Ausbildungsjahrgang 1997 noch 2000 Schülerinnen, 2007 waren es nur 1700.

Längst klagt die Branche – gut 11 000 Pflegeheime und 11 500 ambulante Dienste in Deutschland – über Fachkräftemangel, vor allem für Führungsposten. „Examinierte Altenpflegerinnen werden händeringend gesucht“, sagt Henning Kühne, Geschäftsführer beim Landesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa). „Krise und drohende Arbeitslosigkeit sind bei uns kein Thema.“ Auch Ulrike Bäßler, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft niedersächsischer Altenpflegeschulen, erlebt seit Kurzem, dass alle Absolventen ihrer Schule bereits vor der Abschlussprüfung Arbeitsverträge in der Tasche haben. „Täglich rufen Heime an, die verzweifelt Personal suchen.“

Die Politik ist mittlerweile aufgewacht. Das Bundesfamilienministerium hat eine Kampagne gestartet, um unter dem Titel „Moderne Altenpflege“ für den Beruf zu werben. Das Land Niedersachsen lockt mit Prämien für Einrichtungen, die ausbilden, und mit Zuschüssen von monatlich 60 Euro zum Schulgeld. Der Dachverband bpa versucht seine Mitgliedsunternehmen mit der Initiative „Wir bilden aus“ für die Nachwuchsschulung zu gewinnen. Auch das Berufsbild hat sich gewandelt. Die Pflegewissenschaft boomt; während Pflegekräfte in Skandinavien bereits generell an Fachhochschulen ausgebildet werden, bieten die Hochschulen in Deutschland zunehmend die Möglichkeit, sich nach der Ausbildung weiterzuqualifizieren.

Die Krankenpflege plagt sich derweil mit anderen Sorgen: Der Umbau der Krankenhauslandschaft und der Abbau Zehntausender Pflegestellen hinterließ tiefe Spuren. Nach wie vor bildet zwar jede zweite der 2200 Kliniken aus. Dennoch sanken die Schülerinnenzahlen in den vergangenen Jahren. 1997 besuchten rund 66 700 junge Menschen eine Krankenpflegeschule; zehn Jahre später waren es nur 55 600. 2400 junge Frauen und Männer nahmen 1997 in Niedersachsen eine Ausbildung auf, 2007 waren es 918. Das Interesse an dem Beruf sei rapide gesunken, sagt Monika Wagemester, zuständig für die Ausbildung am Klinikum Hannover. „Wir bekommen deutlich weniger Bewerbungen.“ Früher musste das Krankenhaus noch viele Bewerber vertrösten. Mittlerweile ist man zufrieden, wenn alle Ausbildungsplätze besetzt sind. Mitarbeiter des Klinikums besuchen regelmäßig die Schulen in der Region Hannover, um über die Krankenpflegeausbildung zu informieren.

Das Pfund, mit dem man wuchern kann: Der Beruf hat Zukunft. Während vor vier, fünf Jahren viele Absolventen Probleme hatten, nach der Ausbildung sofort einen Arbeitsplatz an einer Klinik zu finden, und in den ambulanten Dienst abwanderten, ist es heute anders. „Es gibt Krankenhäuser, die bereits Schwierigkeiten haben, Personal zu finden“, sagt Wagemester. „Keiner muss sich um einen Arbeitsplatz Sorgen machen; wer nicht im eigenen Haus übernommen wird, findet an einem anderen Krankenhaus eine Stelle.“

Gute Aussichten, auch für Männer. Nach wie vor ist die Pflege ein Frauenberuf; aber das, was sich der Gesetzgeber erhoffte, als er 2004 die „Krankenschwester“ in die „Gesundheits- und Krankenpfleger/in“ umbenannte, scheint wahr zu werden: Jeder fünfte Auszubildende in der Kranken- und Altenpflege ist mittlerweile männlich. Das starke Geschlecht entdeckt sein „gutes Herz“ – so würde es wohl Norbert Blüm sehen.

von Gabi Stief

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