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„Kinder ausprobieren lassen“
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18:28 27.01.2009
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Mit meinem Sohn habe ich versucht, den zerklüfteten Turm von Hannovers Nord/LB-Zentrale mit Bauklötzen nachzubauen. Die Konstruktion ist immer wieder zusammengebrochen…
Na ja, Bauklötze sind ein gutes Medium, um relativ einfache Bauwerke zu errichten und ein erstes Verständnis für technische Vorgänge zu vermitteln. Kinder lernen damit zum Beispiel, dass ein Turm ab einer bestimmten Höhe zu wackeln anfängt und dass sie mit veränderten Konstruktionen, etwa einem Mauerwerksverbund, die Türme stabiler bekommen. Für kompliziertere Anforderungen sind sie nicht geeignet.

Sie haben an der Entwicklung der LPE-Baukästen mitgewirkt, die Kindern ein technisches Verständnis vermitteln sollen. Was war Ihre Motivation?
Die Idee war, ein Baukastensystem zu entwickeln, mit dem Lehrer ohne jegliche Vorkenntnisse die Schüler experimentieren lassen können, und bei dem sich trotzdem Erfolgserlebnisse bei den Schülern einstellen. Ich war 40 Jahre als Lehrer für Physik und Technik tätig und bedauere, dass Technikunterricht eine untergeordnete Rolle spielt. Gerade in der Grundschule haben die Kinder ein unglaubliches Repertoire an Ideen und Fertigkeiten, das nicht abgefragt wird – auch, weil die Lehrkräfte dafür nicht ausgebildet sind. Dabei ist es pädagogisch sehr wichtig, Kinder Sachen ausprobieren zu lassen.

Wie funktioniert das Baukasten-System?
Es basiert auf einfachen Bauteilen, die die Firma Fischertechnik für LPE herstellt und die ohne Werkzeuge verbunden werden können. Wir haben dazu Anleitungsblätter entwickelt, um Lehrern und Schülern Konstruktionsvorschläge an die Hand zu geben. Das Besondere ist aber, dass die Kinder ohne Vorgaben Lösungen finden – in einer Klasse können so 20 oder 30 verschiedene Formen etwa für einen Turmbau entwickelt werden. Über eigene Lösungswege zu grübeln, macht Kindern einfach Spaß.

Interview: Conrad von Meding