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Studium & Beruf Homeoffice - Ein Arbeitstag im Schlafanzug
Mehr Studium & Beruf Homeoffice - Ein Arbeitstag im Schlafanzug
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00:00 22.12.2012
Von Katrin Schreiter
Versuch’s mal mit Gemütlichkeit: Heimarbeiter können frei entscheiden, wo und wann sie ihre Aufgaben erledigen. Quelle: iStockphoto.com/Gary Cook
Hannover

Manchmal, wenn Steffen Klemm besonders lange am Schreibtisch gesessen hat, wünscht er sich ein richtiges Büro. Wo mal Kollegen vorbeischauen, um übers Fußballwochenende zu plaudern, und eine Idee fürs aktuelle Projekt mal schnell diskutiert wird. Stattdessen sitzt der Programmierer zu Hause. Allein in seinem Homeoffice.

Ein eigenes Büro - das ist laut einer Bitkom-Umfrage für viele ein Traum: Mehr als die Hälfte will gern mehrmals pro Woche zu Hause arbeiten. Knapp 20 Prozent würden sogar generell lieber in den eigenen vier Wänden bleiben. Verlockende Aussichten: Langschläfer können daheim bis in die Nacht am Schreibtisch sitzen und Frühaufsteher schon am Nachmittag den Laptop zuklappen.

„Jeder kann nach seinem persönlichen Rhythmus arbeiten“, sagt Gudrun Sonnenberg. Die Journalistin hat über Homeoffice und Selbstmanagement mehrere Bücher verfasst - und arbeitet selbst oft zu Hause: „Man kann mitten am Tag einkaufen, wenn die Supermärkte leer sind, oder am Vormittag joggen gehen.“ Alles sei flexibler. Und: „Man findet mehr Ruhe, kann sich besser konzentrieren.“ Wichtig sei vor allem angenehme Atmosphäre: „Man sollte den schönsten Platz der Wohnung als Arbeitsplatz wählen. Wo man sich wohlfühlt, gern sitzt - und eben auch gern arbeitet“, sagt die Expertin. „Von einer Schreibtischecke in einem fensterlosen Raum rate ich ab.“ Oft helfe strikte Trennung von Arbeits- und Privatraum, um sich organisieren zu können.

Programmierer Steffen Klemm kennt dieses Problem: Anfangs hatte er kein eigenes Büro. „Nach und nach wurde immer mehr von der Wohnung zum Arbeitsraum, und die Regale im Wohnzimmer waren mit meinen Unterlagen belegt.“ Doch irgendwann hatte der 47-Jährige das Gefühl, völlig den Überblick zu verlieren. Als er mit seiner Frau vor zwei Jahren in ein Haus zog, richtete er sich ein eigenes Büro ein.

Weitere Tipps: „Manche ziehen sich morgens an, als wenn sie ins Büro gehen würden“, sagt Sonnenberg. Andere legen sich selbst eine Kernarbeitszeit fest, sodass Kollegen und Kunden wissen, wann man erreichbar ist. Auch Einsamkeitsgefühle, wie sie Steffen Klemm manchmal befallen, seien nicht ungewöhnlich. „Hier helfen virtuelle Netzwerke, aber auch ,richtige‘ Kontakte - Leute, mit denen man sich zum Kaffee trifft und sich vielleicht austauscht, wie Projekte laufen.“ Das richtige Maß zwischen zu viel und zu wenig Arbeit? „Ich habe gute Erfahrungen mit To-do-Listen gemacht, arbeite die Punkte nacheinander ab“, erzählt Sonnenberg. Doch auch hier gebe es kein allgemeines Rezept: „Manche richten sich gern nach korrekten Zeitplänen, für andere ist das genau das Falsche.“

Steffen Klemm, Vater von zwei kleinen Kindern, will vor allem „Familie und Beruf gut vereinbaren“ können. „Besonders wenn eines der Kinder mal krank ist, kann man flexibler reagieren“, sagt er. Doch für die Familie kann es auch zur Belastung werden, wenn der Schreibtisch gleich nebenan steht. Ab und zu arbeitet der 47-Jährige am Wochenende, auch nach dem Abendessen setzt er sich manchmal noch ins Büro. „Da beklagt sich oft meine Frau“, sagt Klemm. Genug Selbstdisziplin habe er, um mit dem Arbeiten anzufangen - aber nicht immer, um damit aufzuhören. „Die Trennung von Arbeits- und Freizeit verschiebt sich häufig. Und meine Kunden rufen auch immer mal außerhalb normaler Bürozeiten an.“

Und die Karriere? „Man sollte gut überlegen, wie man sich ins Team einbringen und wie man Kontakte zu Kollegen aufrechterhalten kann“, rät Sonnenberg. Ihr Tipp: „Ab und zu sollte man mal Bürotage einlegen.“ Denn im entscheidenden Moment müsse auch der Heimarbeiter präsent sein.

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