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Studium & Beruf Mut zum beruflichen Neustart
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12:35 05.11.2012
Von Katrin Schreiter
Für eine berufliche Neuorientierung braucht es Mut.
Für eine berufliche Neuorientierung braucht es Mut. Quelle: mcontastwerkstatt/ fotolia.com
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Hannover

Viele Angestellte in Deutschland sind nicht besonders motiviert. Das ist Ergebnis einer Umfrage der Unternehmensberatung Gallup unter mehr als 1300 Beschäftigten. Nur 14 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland engagieren sich und sind mit vollem Einsatz dabei. 63 Prozent leisten Dienst nach Vorschrift. Weitere 23 Prozent hassen ihren Job so sehr, dass sie aktiv gegen die Interessen ihres Arbeitgebers agieren.

Jeder vierte Arbeitnehmer hat also innerlich schon gekündigt. Viele von ihnen träumen von einem Neuanfang: Wie wäre es mit Blumen binden, Schmuck kreieren oder einem Job als Reiseführer? Die Alternativen durchspielen: Das lohnt sich für alle, die an ihrem eingeschlagenen Weg zweifeln. Berufsberaterin Uta Glaubitz aus Berlin kann auf zahlreiche Neuanfänge zurückschauen.

In den vergangenen Jahren hat sie aus einer Krankenschwester eine Kapitänin, aus einer Buchhalterin eine Fotografin und aus einem Molekularbiologen einen Winzer gemacht. Ein Kunde von ihr hat jahrelang als Banker gearbeitet und leitet heute eine Agentur für Wassersport, eine Kundin hat mit 39 Jahren begonnen, Medizin zu studieren, eine andere Geschichte auf Lehramt.

Aber woran liegt es, dass viele so unglücklich mit ihrer beruflichen Situation sind? „Die meisten von ihnen haben sich nie richtig entschieden, womit sie ihr Geld verdienen wollen“, sagt Uta Glaubitz. „Die einen haben sich von den Berufen oder den Vorstellungen ihrer Eltern leiten lassen, die anderen von aktuellen Arbeitsmarktprognosen. Da wird regelmäßig vor bestimmten Branchen gewarnt, in anderen wird die Zukunft gesehen.“ Die falsche Entscheidung führe früher oder später zu großer Unzufriedenheit.

„Um etwas zu verändern, muss man als erstes aufhören, sich die aktuelle Situation schönzureden, nur weil vielleicht die Kollegen nett sind oder das Weihnachtsgeld üppig ist“, sagt Uta Glaubitz. „Und man soll sich dann fragen: ,Was will ich eigentlich tun? Was motiviert mich? Wofür stehe ich freiwillig frühmorgens auf?‘ Der Rest ergibt sich von selbst.“

Doch nicht immer sei ein Berufswechsel die richtige Antwort auf Unzufriedenheit, räumt die Berufsberaterin ein. „Wenn jemand zum Beispiel gerade ein Haus baut, eine Familie gründet oder einfach nur Dampf ablassen will, ist das nicht der richtige Schritt.“ Denn den Job zu wechseln, das koste Schweiß, Blut und Tränen. „Dafür braucht man jede Menge Kraft.“

Doch berufliche Entscheidungen werden oft immer weiter aufgeschoben - bis am Ende gar nichts passiert. Die Angst, etwas falsch zu machen, ist oft zu groß. „Veränderung bedeutet Stress“, sagt Psychologin Dr. Ilona Kryl, Lehrbeauftragte an der Universität Jena. „Zum einen hat man bestimmte Erwartungen und weiß nicht, ob sie sich erfüllen werden. Zum anderen stellen sich neue Anforderungen, und hier weiß man nicht, ob man sie selbst erfüllen kann.“

Dabei spiele auch eine Rolle, wie viele Misserfolge es schon gab, wie viele erfolgreiche Wechsel bereits hinter einem liegen. „Sich mit der eigenen Unzufriedenheit auseinanderzusetzen, lohnt sich immer.“ Die Psychologin setzt auf Bestandsaufnahme statt auf Beratung. „Es geht darum, die Situation gründlich zu analysieren, zu bewerten, die Eigenverantwortung zu stärken“, sagt Kryl. „Ergebnisoffen.“ Bleiben oder gehen - das sei erst einmal egal, sagt sie. „Wichtig ist zu klären, woher die Unzufriedenheit kommt.“ Für manche passt nichts mehr zusammen, anderen falle es aber einfach nur schwer, eine Sache durchzustehen.

Für Berufsberaterin Uta Glaubitz steht fest: „Gegen ein Magengeschwür oder eine Depression hilft auch kein 14. Monatsgehalt.“ Eins müsse jedem klar sein: „Wer nicht geht, für den bleibt alles beim Alten.“