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Studium & Beruf Schiffbauingenieure sind gefragt
Mehr Studium & Beruf Schiffbauingenieure sind gefragt
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17:00 30.07.2012
Der deutsche Schiffbaumarkt erweist sich als krisensicher. Quelle: Michael Wessels
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Papenburg

Als Tim Krug sich nach der Schule für ein Studium Schiffbau und Meerestechnik entschied, motivierte ihn vor allem seine Liebe zur See. Dass der Kieler als Schiffbauingenieur später sehr gute Berufsaussichten haben würde, war ihm damals nicht bewusst. Doch schon während des Studiums interessierte sich die Meyer Werft für ihn, lud ihn ein, in Papenburg sein Praxissemester zu absolvieren, und ließ ihn anschließend seine Diplomarbeit schreiben.

Heute ist der 28-Jährige dort fest als „Head of Design Group“ engagiert, mit seinen Entwürfen trug er unter anderem zum Kreuzfahrt-Luxusliner „Disney Fantasy“ bei, der dieses Frühjahr seinem amerikanischen Reeder übergeben wurde. Bei jedem Neuauftrag arbeitet Tim Krug sich von ersten Skizzen schrittweise durch alle Facetten eines Schiffes vor, gestaltet vom Restaurantkonzept über die Kabinen- und Treppenhausanordnung bis zu Entertainment-Elementen die öffentlichen Bereiche und legt Tankanordnung, Maschinenraumlayout und Müllverbrennungsbereich fest.

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Doch nicht nur Werften wie die Papenburger Technologieschmiede haben Bedarf an jungen Schiffbauingenieuren, auch Klassifikationsgesellschaften, Schiffbauversuchsanstalten, Reedereien sowie die Zulieferindustrie, sorgen für stete Nachfrage. Aktuell werden Jahr für Jahr rund 130 neue Schiffbauingenieure gebraucht, meldet der Verband für Schiffbau und Meerestechnik (VSM). Im Schnitt verließen in den letzten Jahren jährlich aber nur etwa 70 Absolventen die sechs schiffstechnischen Hochschulen. Was schlecht ist für die Industrie, ist zumindest für die Absolventen von Vorteil: Die Aussichten, eine Anstellung zu finden, sind mehr als gut.

Belebung erfährt der Schiffbaumarkt auch durch immer neue Projekte im Bereich Offshore- und Nearshore-Aktivitäten zur Öl- und Gasförderung, und auch der rasante Ausbau von Windparks trägt seinen Teil zur Nachfrage bei. Ob besonders tragfähige Materialtransporterschiffe, Kabellegerschiffe oder neuerdings auch Errichterschiffe für Windkraftanlagen: Die Palette an Spezialschiffen für besondere Aufgaben ist in den letzten Jahren stetig gewachsen.

Hiervon profitieren besonders deutsche Werften, die den Massenmarkt für „Schiffe von der Stange“ schon vor Jahren an asiatische Konzerne aus China, Korea und Japan abgeben mussten. Durch Spezialisierung auf maßgeschneiderte Lösungen haben sie sich aber ein neues und tendenziell krisensichereres Standbein geschaffen.

Auch Oliver Winkelmann hat seinen Arbeitsplatz im Spezialschiffbau gefunden. Der 28-jährige Schiffbauingenieur ist bei der Werft Abeking und Rasmussen in Lemwerder (Niedersachsen) beschäftigt, neben privaten Luxus-Yachten laufen hier vor allem Lotsen-, Marine- und Arbeitsschiffe vom Stapel. Nach einer Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker machte er an der Hochschule Bremen seinen Bachelor of Engineering im Studiengang Schiffbau und Meerestechnik. Heute sorgt er dafür, dass die technischen Richtlinien der Klassifikationsgesellschaften, also des „Schiffs-TÜVs“, eingehalten werden.

Während die Passagiere auf Oliver Winkelmanns Crew-Transportern ihrem Arbeitseinsatz entgegenschippern, können sich die Mitfahrer auf Tim Krugs Luxuslinern vom Arbeitsalltag erholen. Normalerweise sitzt der 28-Jährige im Büro am Computer. Fünf- bis sechsmal pro Jahr unternimmt er aber auch kurze Fahrten auf Kreuzfahrtschiffen. Allerdings nicht wie die anderen Gäste, um sich zu erholen, sondern um zu untersuchen, welche Bereiche und Konzepte eines Schiffes gut funktionieren und welche weiter optimiert werden können.

Ingrid Lundberg-Pieper