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Studium & Beruf Selbstständigkeit beginnt mit einem Businessplan
Mehr Studium & Beruf Selbstständigkeit beginnt mit einem Businessplan
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16:53 11.02.2011
Businessplan für den Weg in die Selbständigkeit Quelle: fotolia
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Thorsten Meyer (Name geändert) hat sich gerade selbstständig gemacht, die ersten Auftraggeber konnte er für seinen Hausmeisterservice bereits gewinnen. Er arbeitet, ohne sich vorher mit seiner Geschäftsidee richtig auseinandergesetzt zu haben. Businessplan? Fehlanzeige. Thorsten Meyer setzt seine Idee um, aber Schreiben und Rechnen interessieren ihn nicht. Damit geht er ein großes Wagnis ein, denn ein Geschäftsplan ist unerlässlich.

„Wie wollen Sie auf einem Markt bestehen, der nicht auf Sie gewartet hat? Wie lautet Ihr Alleinstellungsmerkmal?“, zählt Lars Knorr einige der Fragen auf, die ein Businessplan beantworten soll. Knorr arbeitet als Teamleiter im GründerCenter des Bildungswerks der Niedersächsischen Wirtschaft (BNW) in Hannover und betreut dort Gründer, die ihre Selbstständigkeit aus der Arbeitslosigkeit heraus beginnen. Der Existenzgründerberater weiß daher um die Fallstricke, die sich Gründern gerne in den Weg legen. Deswegen sei es wichtig, seine Geschäftsidee noch vor der Gründung in einen konkreten Plan zu fassen, um auch für sich persönlich zu überprüfen, ob die Idee auf lange Sicht tragfähig ist.

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Die Bestandteile des Businessplans: Mit einer kurzen und prägnanten Zusammenfassung des Vorhabens geht es los. Darauf folgt eine Erklärung, warum man sich mit diesem Vorhaben selbstständig machen will und welche Qualifikationen man dafür mitbringt. Ebenfalls wichtig: eine genaue Beschreibung des Produktes oder der Dienstleistung, die man anbieten will, Marktanalyse und Marketingstrategie inklusive. „Im Textteil wird häufig zu wenig geschrieben und zu viel Branchenwissen beim Leser vorausgesetzt“, weiß Lars Knorr und rät: „Lieber länger als kürzer schreiben und das Spezialwissen in Alltagssprache verwandeln.“

Dann folgen die Zahlen: Sowohl ein Kapitalbedarfs- und Finanzierungsplan als auch eine Umsatz- und Rentabilitätsvorschau gehören in den Businessplan. Die Zahlen unterscheiden sich von Gründer zu Gründer: Der eine muss gleich zu Beginn in Maschinen investieren und eine Halle anmieten, ein anderer startet mit seiner Dienstleistung zu Hause im heimischen Arbeitszimmer. Generell gilt: „Man muss einen Riesenvorlauf haben, wenn man anfängt. Zwei bis drei Monate sollte man sich schon finanzieren können“, sagt Dr. Klaus Weber von den Wirtschafts-Senioren Hannover. Die erfahrenen Seniorexperten helfen Gründern mit ihrer Initiative „Alt hilft Jung“ auf die Sprünge, geben Seminare und Coachings.

Dass es oft an der schlechten Finanzplanung krankt, bestätigt auch Lars Knorr: „Die Liquiditätsplanung wird völlig unterschätzt.“ Daher lädt er Gründer oftmals wöchentlich ins BNW, um mit ihnen die Einnahmen und Ausgaben für die nächsten Tage zu überprüfen.

Nicht zu unterschätzen seien indes auch die Softskills des Gründers: „Bin ich eher introvertiert und muss lernen, auf andere Menschen zuzugehen? Bin ich bereit, mich durchzusetzen?“ Dies seien Fragen, denen sich angehende Selbstständige stellen müssten, sagt Klaus Weber. „Man muss seine eigenen Stärken und Schwächen im Businessplan benennen können – und wissen, wo man sich Hilfe holt“, ergänzt Lars Knorr. Auch die familiären Strukturen spielen eine Rolle: Akzeptiert der Partner die Selbstständigkeit? Wo und wie können die Kinder während der Arbeitszeiten betreut werden? All diese Fragen sollte man vor der Gründung klären. Ein weiteres Problem: „Viele Gründer lassen ihre Businesspläne von ihrem Steuerberater schreiben. Aber wenn wir konkret nachfragen, wollen wir direkt von ihnen Antworten haben“, sagt Lars Knorr.

Übrigens: Für die meisten Gründer ist ein Businessplan verpflichtend. Dieser muss fachkundigen Stellen wie beispielsweise dem BNW oder Berufsverbänden vorgelegt werden. Bestätigen diese, dass die im Plan beschrieben Geschäftsidee tragfähig sein kann, fließt auch der Gründungszuschuss durch die Agentur für Arbeit. Darüber hinaus aber bietet der Businessplan für jeden Selbstständigen ganz persönliche und praktische Vorteile, weiß Carsten Günter, der ebenfalls als Existenzgründercoach für das BNW arbeitet: „Mit dem Businessplan ist man sein eigener Controller.“

Regine Suling