Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Studium & Beruf Knobeln bis zum Geistesblitz
Mehr Studium & Beruf Knobeln bis zum Geistesblitz
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:12 13.01.2014
Ein Mathestudium ist anspruchsvoll: Vier von fünf Studenten brechen es ab. Quelle: Kai Remmers
Anzeige
Berlin

Marie-Sophie Litz weiß, wie es ist, tagelang an einer Aufgabe zu sitzen und einfach nicht die richtige Lösung zu finden. „Und dann ganz plötzlich hat man einen Geistesblitz, und es passt alles“, erzählt die 26-jährige Mathematikstudentin der Freien Universität Berlin. Mathematik gilt als schweres Fach. Vier von fünf Studenten geben vor dem Abschluss auf. Das zeigt eine Studie von Professor Günter Törner und seiner Kollegin Miriam Dieter von der Universität Duisburg-Essen. Doch wer sich auf das Studium gut vorbereitet, kann es schaffen.

Exzellente Berufsperspektiven

Die Berufsperspektiven für Mathematiker gelten als exzellent. „Man kann von Vollbeschäftigung sprechen“, sagt Törner. Die wichtigsten Arbeitgeber sind Versicherungen, Banken und Unternehmensberatungen. Lange galt Mathematik als Männerfach. Doch von den 23.970 Erstsemestern war 2012 fast jeder zweite Anfänger (48,3 Prozent) weiblich.

Anzeige

Für einen guten Start ins Studium sollte man auf jeden Fall die Vorkurse besuchen, rät Thoralf Räsch, Fachstudienberater an der Universität Bonn. Fast alle Hochschulen bieten die Vorkurse inzwischen an – sie wiederholen das Wissen aus der Oberstufe und bringen die Anfänger fachlich auf einen Wissensstand. Der eine oder andere merke dort schon, ob er sich für das richtige Fach entschieden hat, sagt Räsch. Der Besuch lohne sich außerdem nicht nur aus fachlicher Perspektive, erklärt Studentin Litz. Auch in sozialer Hinsicht sei der Besuch ratsam. Dort schließen Anfänger meist schon erste Freundschaften und finden sich in Übungsgruppen zusammen.

Hohe Frustrationstoleranz gefordert

Gerade zu Beginn des Studiums brauchen Studenten außerdem eine hohe Frustrationstoleranz. Mathematik an der Universität unterscheide sich stark von dem Fach in der Schule, erklärt Jürg Kramer. Er ist Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin und Präsident der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. „Nur weil jemand in der Schule gern gerechnet hat, heißt das noch nicht, dass er im Studium erfolgreich sein wird.“ Oft werde an Schulen ein unvollständiges Bild von Mathematik vermittelt, das sich nur auf das Richtig und Falsch beim Lösen von Aufgaben beschränke.

Die Mathematikvorlesungen sind um einiges komplexer. Am Anfang eine Übungsaufgabe zu verpatzen und auch nach längerem Knobeln nicht auf die Lösung zu kommen ist normal. Davon sollten Erstsemester sich nicht entmutigen lassen.

„Die Monate im ersten Semester sind die schlimmsten“

Anfänger brauchen viel Disziplin. „Die Monate im ersten Semester sind die schlimmsten“, erzählt Studienberater Räsch über das Wintersemester. In dieser Zeit gebe es die meisten Abbrecher. Das Risiko des Scheiterns bestehe vor allem, wenn Erstsemester das Studium zu Beginn schleifen lassen. Sie sollten von Anfang an versuchen, alle Aufgaben der Übungsblätter selbst zu lösen. Mathematik sei nichts, das man lernt, indem man sich nebenbei berieseln lässt.

Außerdem halten Erstsemester besser von vornherein ihre Notizen und Mitschriften in Ordnung und bereiten sie so auf, dass sie diese später vor den Klausuren zum Lernen nutzen können. Viele Anfänger seien schlecht organisiert, sagt Professor Kramer. Sie stellen etwa erst kurz vor der Klausur fest, dass ihre Unterlagen unvollständig sind. Studenten sollten deshalb darauf achten, dass sie sich etwa die Aufzeichnungen von Kommilitonen borgen, wenn sie selbst einmal krank waren.

Wie viele Stunden im ersten Semester zum Studieren ideal sind, lässt sich schwer sagen. Der eine löst die Aufgaben auf einem Übungszettel in zwei Stunden, der andere brauche dafür eine Woche. 25 Stunden pro Woche sollten Studenten mindestens investieren.

Ein gewisses Talent gehört dazu

Studentin Litz hat die Mathematik am Ende so sehr gereizt, dass sie nach ihrem Bachelor in Mathe und Chemie auf Lehramt auf einen Doppel-Master umgestiegen ist. Zum Lehramtsstudium ist noch reine Mathematik hinzugekommen. „Das andauernde Knobeln und die Logik dahinter – darauf hatte ich einfach richtig Lust.“ Doch auch Litz weiß, dass viele in ihrem Studienfach scheitern. „Man kann nicht alles mit Fleiß ausgleichen, ein gewisses Talent gehört dazu.“ Sie selbst weiß noch nicht, wo es nach dem Abschluss hingehen soll. „Ich fände es spannend zu promovieren.“ Sie könne sich aber auch vorstellen, Risikoanalysen für Versicherungen zu machen. Nur das mit dem Lehramt, das steht im Moment bei ihr nicht so hoch im Kurs.

Julia Naue