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Studium & Beruf Telefonseelsorge bietet Hochschülern Rat
Mehr Studium & Beruf Telefonseelsorge bietet Hochschülern Rat
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00:00 12.01.2013
Bei der studentischen Nightline erhalten Hochschüler anonyme Beratung. Quelle: dpa
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Konstanz

Die Arbeit bei der studentischen Telefonseelsorge ist für Marie Wagner (Name von der Redaktion geändert) auch nach zwei Jahren noch eine Herausforderung. Die junge Frau ist eine von 38 Mitarbeitern der Nightline in Konstanz - eines Sorgentelefons von Studenten für Studenten. „Wir üben zwar in Schulungen, wie ein Anruf ablaufen kann“, erzählt sie. Doch als zum ersten Mal tatsächlich jemand am Telefon weinte, war Wagner überwältigt. Was in der Schulung noch machbar schien, jagte ihr in der Realität einen riesigen Schrecken ein. Selbst wenn ihr vieles inzwischen leichter fällt: „Auch nach zwei Jahren bin ich nach jedem Anruf wieder glücklich, wenn ich alles gut hinbekommen habe.“

Die Nightline Konstanz ist eines von 14 Sorgentelefonen von Hochschülern für Hochschüler in Deutschland. An fünf Tagen in der Woche kann jeder in Konstanz anrufen - immer von 21 bis 1Uhr. Egal, ob Stress im Studium, in der Liebe oder mit den Eltern: Bei Kummer jeglicher Art finden Studenten telefonischen Rat. „Wir sind stolz darauf, dass mittlerweile jeder fünfte Student in einer Stadt studiert, in der es eine Nightline gibt“, sagt Christina Korntreff von der Nightline-Stiftung.

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Die Idee dahinter ist simpel: „Manchmal fällt es leichter, sich mit seinen Problemen einem Fremden anzuvertrauen, der nicht über einen urteilt, sondern einfach nur zuhört“, beschreibt Korntreff. Außerdem sei bei vielen Studierenden die Hemmschwelle groß, in die psychologische Beratung der Studentenwerke zu gehen, sagt Wagner. Vielen sei das schon zu offiziell. Anonym am Telefon über die eigenen Probleme zu sprechen, falle vielen leichter.

Studien zeigen, dass immer mehr Studenten Hilfe wegen psychischer Probleme in Anspruch nehmen. Das belegt etwa der Gesundheitsreport 2011 der Techniker Krankenkasse. Demnach erhielten im Jahr 2010 gut fünf Prozent der Studentinnen und knapp drei Prozent der Studenten Antidepressiva. Insgesamt ist der Anteil damit seit 2006 um 44 Prozent gestiegen. Außerdem suchten 2010 rund 26000 Studenten Hilfe in den psychologischen Beratungen der Studentenwerke - das sind 14 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Die Anrufer bei der Nightline melden sich wegen ganz unterschiedlicher Themen: Manche suchten nur eine allgemeine Information, etwa die Öffnungszeiten des AStA-Büros, sagt Wagner. Diese Anrufe dauern nicht mehr als zehn Minuten. Andere dagegen seien von ihrem Partner verlassen worden oder spielten mit dem Gedanken, ihr Studium abzubrechen. Da hängt sie dann auch schon einmal drei Stunden am Telefon.

„In so einem Fall spielen wir gedanklich gemeinsam durch, wie es sich anfühlen würde, das Studium abzubrechen“, erläutert Wagner. So würde dem Anrufer oft schon klar, ob er das Fach nur seinen Eltern zuliebe studiert - oder ob das Studium zwar lernintensiv ist, ihm aber Spaß macht.

Dabei hören die Nightliner genau zu. Sie erteilen aber keine Ratschläge. „Für eine Beratung sind die Studenten, die die Anrufe entgegennehmen, auch gar nicht qualifiziert“, sagt Korntreff.

Psychologen, Physiker, Literaturwissenschaftler, Juristen, Politologen und sogar Elektrotechniker: Bei der Nightline Konstanz sind Studenten aus den verschiedensten Fachrichtungen und Fachsemestern als Berater dabei. „Psychologisches Vorwissen braucht man nicht“, sagt Wagner. Alle Studenten nehmen zur Vorbereitung an Schulungen mit Psychologen und professionellen Telefonseelsorgern teil. Im Anschluss haben sie regelmäßig Supervisionen, in denen sie die Telefongespräche reflektieren.

In jeder Arbeitsschicht sind immer zwei Mitarbeiter im Einsatz. „Manchmal gehen einem die Gespräche sehr nahe. Dann ist es gut, nach dem Auflegen selbst mit jemandem sprechen zu können“, sagt Marie. Darüber sprechen, was das für Fälle waren, will sie nicht: Niemand soll seine Geschichte hinterher in der Zeitung wiederfinden müssen.

Einmal hat Wagner das Gespräch mit einem Anrufer auch abgebrochen: „Es ist einmal vorgekommen, dass ein Anrufer beleidigend und sexistisch wurde“, erzählt sie. In diesem Fall wollte sie ihm nicht weiter zuhören. „Ich habe ihm dann gesagt, dass ich unter diesen Umständen das Gespräch nicht weiterführen möchte.“ Der Anrufer habe das zum Glück akzeptiert.

Doch warum ist das Sorgentelefon für Studenten eigentlich immer nachts besetzt? „In dieser Zeit fühlen sich viele besonders einsam“, sagt Korntreff. Freunde oder Familienmitglieder wollten die meisten so spät aber nicht mehr stören. In einer solchen Situation sind viele froh über das anonyme Sorgentelefon.

Mascha Dinter