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Studium & Beruf Unternehmen auf der grünen Wiese haben oft viel zu bieten
Mehr Studium & Beruf Unternehmen auf der grünen Wiese haben oft viel zu bieten
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15:52 09.12.2010
Firmen, die in ländlichen Gegenden ihren Sitz haben, bieten oft gute Konditionen und schnelle Aufstiegschancen. Quelle: fotolia
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Beispiel Lübeck. In der Stadt, die für Thomas Mann und ihr Marzipan bekannt ist, sitzt die Mach AG. Seit 25 Jahren entwickelt das Unternehmen mit rund 200 Mitarbeitern Software für den öffentlichen Sektor. Eine Nische, in der die Norddeutschen eine Führungsposition einnehmen. Die Firma an der Trave sucht Softwareentwickler und ist beim Rekrutieren sehr wählerisch. „Die Neuen müssen auch ins Konzept passen“, erklärt Personalberater Jürgen Liebscher von JLP Consulting.

Dennoch haben Bewerber dort die besseren Chancen: „Die kleineren Unternehmen fernab vom Mainstream behalten bei der Auswahl von Nachwuchskräften stets den Überblick. Dazu gehören persönliche Gespräche, die meist mit dem künftigen Vorgesetzten geführt werden.“ Der Vorteil dabei sei die individuelle Auswahl. „Auf den Bewerbungsportalen von Siemens und der Deutschen Bank kann schon mal eine Fachkraft zwischen die Stühle fallen und dem Unternehmen durch die Lappen gehen“, sagt Liebscher. „In einem kleineren Haus wird eine individuelle Qualifikation meist schneller erkannt und intern weitervermittelt.“

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Personalberater Liebscher empfiehlt Hochschulabgängern deshalb, niemals bei Firmen unter 50 Mitarbeitern die Nase zu rümpfen. Diese kleinen, aber meist feinen Player bieten oft die schnelleren Aufstiegschancen durch flache Hierarchien und bessere Arbeitsbedingungen, da sie oft eine mitarbeiterorientierte Unternehmensphilosophie vertreten.

Noch ein Beispiel: Schwäbisch-Hall. Außer dem Werbeslogan „auf diese Steine können sie bauen“ ist die Kleinstadt im Hohenloher Land eher unbekannt. Was nur wenige wissen: Hier sitzen gleich mehrere Weltmarktführer eng beieinander. Einer von Ihnen ist das Maschinenbauunternehmen Optima. Mit insgesamt 1200 Mitarbeitern weltweit und 900 Kollegen im Ländle haben die Schwaben im vergangenen Jahr 200 Millionen Euro umgesetzt. Maschinen zum Abfüllen und Verpacken von Medikamenten, Lebensmittel und Papierprodukten werden hier auf der grünen Wiese geplant, entworfen und gebaut.

Im Gegensatz zu den norddeutschen Kollegen hat der Pharmaspezialist ein Nachwuchsproblem. Jürgen Schäfer, Geschäftsführer des Pharmabereichs im Unternehmen: „Wir haben in diesem Jahr 30 neue Kollegen für die Bereiche Konstruktion, Produktion und Vertrieb eingestellt. Im kommenden Jahr brauchen wir wieder 30, sonst können wir unser Wachstumsziel nicht erreichen.“ Die Krux des schwäbischen Unternehmens: Es steht in einem relativ dünn besiedelten Landstrich in Konkurrenz mit weiteren attraktiven Arbeitgebern. „Wir gehen direkt an die Hochschulen, um Absolventen über unsere Firma zu informieren. Unser größtes Problem: Die Wenigsten kennen uns.“

Umso mehr lohnt es sich für Berufseinsteiger, sich in der Bewerbungsphase genau umzusehen, um einen der sogenannten Hidden Champions zu finden. Diese Unternehmen haben meist eine Betriebsgröße, die konstant erweitert wird. Diese Wachstumsstärke ist der beste Treiber für die Karriere. Auch wenn der Firmensitz fernab der schicken Metropolen liegt, können die „Hidden Champions“ trotzdem gleich mehrfach punkten: Dank der zügig voranschreitenden Globalisierung bei den großen Mittelständlern locken frühzeitig Jobchancen im Ausland. Mittelständler suchen Generalisten, die dann schnell Verantwortung für große Bereiche übernehmen können.

Anja Steinbuch