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Studium & Beruf Wege aus der Schuldenfalle zeigen
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09:19 21.12.2016
Retter für säumige Zahler: Schuldnerberater sorgen für Überblick, wenn sich Rechnungen und Mahnungen stapeln.
Retter für säumige Zahler: Schuldnerberater sorgen für Überblick, wenn sich Rechnungen und Mahnungen stapeln. Quelle: © artfocus / Fotolia
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Auf Raten kaufen, auch wenn das Portemonnaie leer ist. Telefonieren, ohne Tarife und Kosten im Auge zu behalten. Ein Haus abzahlen zu müssen, obwohl man gerade seinen Job verloren hat. – Die Wege in die roten Zahlen sind vielfältig. Schuldner- und Insolvenzberater wie Ulrich Felske und Matthias Wenzel helfen Betroffenen dabei, sich aus dieser Falle zu befreien. Peter Zwegat, ihr Kollege aus dem Fernsehen, löst die Fälle öffentlich. Felske und Wenzel arbeiten beim Caritasverband Hannover und eher im Stillen, denn Vertraulichkeit steht bei ihnen obenan.

Beide haben keinen leichten Job: „Die Anforderungen sind hoch. Man muss sich einlassen können und sich auch vom Wissen her fit halten“, sagt Ulrich Felske, der für die Caritas in Burgwedel tätig ist. Er berät seit 1991 Schuldner, vorher arbeitete er unter anderem für die Verbraucherzentrale. Bevor Matthias Wenzel im vergangenen Jahr als Schuldnerberater anfing, war der Diplom-Sozialarbeiter und -pädagoge in der Kinder- und Jugendarbeit der Caritas aktiv.

Die Einstiegsmöglichkeiten in den Beruf sind vielfältig, dennoch benötigt man vor allem Berufserfahrung und eine Zusatzausbildung, um als Schuldner- und Insolvenzberater arbeiten zu können. Überdies bedarf es auch persönlicher Qualifikationen: „Man muss über Menschenkenntnis und Empathie verfügen. Und über eine gewisse Kaltschnäuzigkeit, um gegen die Mahnrotation vorzugehen“, erklärt Felske. Sich nicht in Callcentern von Banken abfertigen zu lassen, die richtigen Menschen an den richtigen Stellen zu kennen: Das sei wichtig.

Zudem prüfen die Schuldnerberater genau, was ihre Klienten selbst erledigen können. Und wenn das schlicht bedeutet, dass sie ihnen einen Satz vorformulieren, den sie dann selbst an alle Gläubiger schicken können. Entscheidend ist laut Matthias Wenzel vor allem eine Erkenntnis für den Betroffenen: „Ich kann doch einiges selbst tun.“

Er und sein Kollege Matthias Wenzel sind die einzigen Schuldnerberater bei der Caritas. Darüber hinaus bieten auch die Arbeiterwohlfahrt und die Diakonie in Hannover soziale Schuldnerberatungen an. Ihnen gemein ist, dass sie von den zuständigen Behörden anerkannt sein müssen, wenn sie Insolvenzberatungen vornehmen. In Niedersachsen ist dafür das Gesetz zur Ausführung der Insolvenzordnung die Grundlage.

Zwischen 80 und 100 Fälle betreuen Felske und Wenzel jeweils pro Jahr, durchschnittlich sieben Gläubiger hat dabei jeder Schuldner. Mit all denen kommunizieren die beiden Caritas-Schuldnerberater: „Wir führen den Schriftwechsel mit den Gläubigern“, sagt Felske.

Zugleich aber müssen sie auch die Schuldner stützen „Sie brauchen jemanden an ihrer Seite – wir müssen ihr Rückgrat stärken“, sagt der gelernte Bankkaufmann, der seinen Job mit offenkundiger Leidenschaft ausübt. Menschen zu motivieren – auch das müssen Schuldnerberater können. „Wir wollen, dass unsere Klienten mitarbeiten“, sagt Matthias Wenzel. Wie viel Schulden, wie viele Gläubiger haben Sie? Auf diese Fragen erwarten die Schuldnerberater Antworten.

Der erste Kontakt mit dem Klienten ist meist telefonisch. „Da wird schon deutlich, ob eine Krisenintervention nötig ist“, sagt Wenzel. Haben Beratungen und Verhandlungen mit Gläubigern schließlich zum Erfolg geführt, ist die Arbeit noch nicht zu Ende: „Wir wollen eine Nachhaltigkeit für die Betroffenen“, sagt Pressesprecherin Christiane Kemper. Wenn Ämter unangenehme Fragen stellen, die Intimsphäre berührt wird: „Dann kommen die Klienten wieder zu uns und erhalten eine begleitende Betreuung“, erläutert Ulrich Felske.

Gerne hätten er und sein Kollege viel mehr Zeit, um sich auch der Prävention zu widmen, zum Beispiel bei Projektwochen in Schulen.

Reizvoll ist die Tätigkeit als Schuldner- und Insolvenzberater auf jeden Fall, findet Matthias Wenzel: „Das ist ein sehr abwechslungsreicher Job, bei dem man in vielen Bereichen Wissen sammeln muss.“ Klar sei aber auch, dass man viele Fälle mit nach Hause nehme. „Man muss versuchen, sich abzugrenzen“, sagt Ulrich Felske und fügt hinzu, was ihn jeden Tag wieder ins Büro gehen lässt: „Es ist spannend, vor allem, wenn es zum Erfolg führt.“

Irgendwie sind es immer die Kollegen, die gute Projekte, eine Beförderung und Lob einheimsen. Da kommt Neid auf. Völlig falsch, meinen Karriereberater. Denn das Vorankommen anderer kann den eigenen Ehrgeiz anstacheln. Und zuerst heißt es: An die eigene Nase packen!

Schuldner- und Insolvenzberater haben keinen leichten Job. Schuldnern müssen sie das Rückgrat stärken, mit Gläubigern um jede weitere Mahnung hart verhandeln. Umso schöner ist es für sie, wenn sie einem Menschen helfen konnten.

Regine Suling