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Der Norden Neuer Moscheeverband formiert sich
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17:26 16.12.2018
Avni Altiner, ehemaliger Vorsitzender der niedersächsischen Schura, dem Landesverband Niedersachsen der Muslime, will einen neuen Verband gründen. Quelle: dpa
Hannover

Die Turbulenzen in den muslimischen Gemeinden gehen weiter. Nach dem Rücktritt des langjährigen Vorsitzenden der Türkei-orientierten Ditib-Gemeinden, Yilmaz Kilic, kehrt nun ein weiterer prominenter Moslem seiner Organisation den Rücken. Der langjährige Vorsitzende des Landesverbands der Muslime in Niedersachsen, Avni Altiner, will Anfang 2019 einen eigenen, völlig von der Türkei unabhängigen Moscheeverband gründen.

Der Landesverband der Muslime, auch Schura genannt, hat nach eigenen Angaben 97 Mitgliedsorganisationen. Altiner wirft der Schura vor, zu sehr von der türkischen Partei Milli Görus (deutsch: Nationale Sicht) beeinflusst zu werden – also auch von der Türkei. „Davon setzen wir uns ab. Wir möchten ein Verband sein, der autonom ist, keine Gelder vom Ausland bekommt und sich nur nach Niedersachsen orientiert, wo wir Moslems leben“, sagt Altiner, der bei VW arbeitet und zwölf Jahre lang, bis Anfang Mai 2016, der Schura vorstand. Dann jedoch unterlag Altiner in einer Kampfabstimmung dem Ingenieur Recep Bilgen, der zur umstrittenen Milli-Görus-Bewegung gehört.

Kritik an Milli Görus

Der Einfluss dieser an der Türkei orientierten Gruppe werde immer stärker, sagt Altiner, deshalb seine Absetzbewegung. Sieben der 97 Schura-Gemeinden stünden hinter ihm. Doch es sei schwer, sich abzusetzen, da der Einfluss der Milli Görus bis ins Ausland reiche – sogar bis nach Bosnien, berichtet Altiner. Auf dem Balkan würden Verwandte von niedersächsischen Moscheemitgliedern „besucht“ und gebeten, auf ihre niedersächsischen Angehörigen einzuwirken, damit sie nicht die Schura verließen.

Gerade nach dem Abgang von Kilic bei der Ditib vor drei Wochen seien die allgemeinen Vorbehalte gegen die Muslime gewachsen, bedauert der 50-jährige Altiner, der im Alter von 12 Jahren nach Niedersachsen gekommen ist. „Wir wollen die Menschen in die Mitte der Gesellschaft führen, in der wir selbst stehen.“ Ein neuer Verband sei auch deshalb wichtig, weil das Land einen Ansprechpartner brauche, etwa bei Fragen des islamischen Religionsunterrichtes. Auch im Schulbeirat oder im Beirat für die Uni Osnabrück sowie in einem geplanten Beirat für Gefangenenseelsorge sollten Vertreter unabhängiger Moscheeverbände sitzen, meint Altiner.

„Das ist ein Rettungsring“

Gemeinsam mit Kilic hatte sich Altiner jahrelang für den Abschluss eines Staatsvertrages eingesetzt. Ein solcher Vertrag sollte das Verhältnis des Landes Niedersachsen zu den muslimischen Verbänden regeln und für eine bessere Integration sorgen. Dieses Projekt liegt derzeit auf Eis.

Experten wie der Theologieprofessor Wolfgang Reinbold bezeichnen die von Altiner geplante Gründung eines neuen Moscheeverbandes als interessant. Es sei wichtig, dass die Religionsgemeinschaften ihre Angelegenheiten selbst regelten, betont Reinbold. Auch der frühere Schura-Sprecher Firouz Vladi, der zu den Mitstreitern Altiners gehört, sagt: „Unsere geplante Vereinsgründung ist gleichsam ein Rettungsring.“ Er schätzt, dass die Milli Görus etwa ein Drittel der Schura-Gemeinden beeinflusst.

Von Michael B. Berger

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