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Der Norden Falsche Polizisten: Bande von Betrügern erbeutete 755.000 Euro
Nachrichten Der Norden

Bande von Betrügern und Einbrechern erbeutete 755.000 Euro - vor dem Landgericht Hannover müssen sich sieben Angeklagte verantworten

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00:26 17.06.2019
Sieben Angeklagte, acht Verteidiger, ein halbes Dutzend Wachtmeister und ein fünfköpfiges Richtergremium: Zum Auftakt des spektakulären Betrugsprozesses am Landgericht Hannover war der Saal gut gefüllt. Quelle: Michael Zgoll
Hameln/Hannover

Die Skrupellosigkeit und Dreistigkeit der falschen Polizisten waren kaum zu überbieten, die Opfer äußerst gutgläubig und die erbeuteten Beträge mit insgesamt 755.000 Euro enorm hoch. Seit Freitag müssen sich sieben Angeklagte am Landgericht Hannover wegen 22 Straftaten verantworten, sechs Männer und eine Frau im Alter von 23 bis 35 Jahren. Den meisten werden Betrugsstraftaten vorgeworfen, in 15 Fällen sollen sie Senioren mit Lügen- und Schauergeschichten dazu gebracht haben, ihnen Geld, Gold und Schmuck auszuhändigen. Außerdem hat die Staatsanwaltschaft mit diesem Verfahren auch sieben Anklagen wegen Einbrüchen in Wohnungen, Apotheken und Firmengebäude verknüpft, weil es in einigen Fällen personelle Überschneidungen gibt. So werden manchen Angeklagten nur zwei Straftaten vorgeworfen, während es bei anderen zehn oder 20 sind.

Aktionsradius war groß

Die Angeklagten stammen größtenteils aus Syrien, die Taten sollen sie zwischen Mai 2017 und September 2018 begangen haben. In der Bande, die Senioren in Hameln, Bodenwerder, Bad Münder und Goslar, aber auch in Bielefeld, Gütersloh, Rheine, Köln und Berlin Gold und Geld in fünf- bis sechsstelliger Höhe abluchste, spielen Farhad B. (35) und Ahmad K. (23) laut Staatsanwaltschaft die Hauptrollen. Sie sind die einzigen, die derzeit in U-Haft sitzen, sie allein müssten im Falle einer Verurteilung für einen Schaden in Höhe von 641.000 Euro geradestehen. Die Summen, die bei den Einbrüchen erbeutet wurden, sind dagegen lächerlich gering, sie liegen zwischen 50 und 2200 Euro. Der Prozess ist vorerst mit elf Verhandlungstagen bis Ende August terminiert.

Drahtzieher in der Türkei

Vor der 12. Großen Strafkammer unter Vorsitz von Richterin Britta Schlingmann müssen sich bezüglich der Betrugstaten Männer verantworten, die als Logistiker und Abholer tätig waren und in der Bandenhierarchie zur mittleren und unteren Ebene zählen. Die Drahtzieher, die in der Türkei sitzen, fehlen auf der Anklagebank. Auf die Spur gekommen waren die Fahnder den mutmaßlichen Straftätern nach einem Einbruch in ein Wohnhaus in Bad Pyrmont, bei dem der Bewohner bedroht und verletzt wurde. Die Ermittlungen weiteten sich aus, es wurden immer mehr Telefone abgehört, und im September 2018 schlug die Polizei zu. Sie durchsuchte Wohnungen in Hameln, Bad Münder sowie Bremen und nahm drei Personen fest; insgesamt elf Verdächtige aus dem In- und Ausland hatten die Ermittler schon damals im Blick.

Masche wurde variiert

Die Masche, mit der die Betrüger ihre Opfer um ihr Vermögen brachten, war im Prinzip immer die gleiche, wurde aber variiert. Mal war ein Kripobeamter Wagner aus Hameln am Telefon, mal ein Staatsanwalt Lehmann aus Köln oder ein BKA-Beamter Brinkmann aus Wiesbaden. Einem betagten Ehepaar wurde vorgeschwindelt, eine rumänische Diebesbande habe es im Visier. Darum sollten die Eheleute sicherheitshalber Bargeld und Schmuck vor der Haustür deponieren und von der Polizei abholen lassen – was die beiden taten. Einem älteren Herrn tischten zwei Anrufer in beredtem Ton und über Stunden Ammenmärchen über angeblich betrügerische Angestellte ihrer Bank auf; schließlich händigte der Senior den Betrügern in drei Tranchen Goldbarren im Wert von 35.000 Euro, 45.000 Euro in bar und den Erlös aus spontanen Aktienverkäufen in Höhe von 92.000 Euro aus.

Einigen Opfern wurde erzählt, sie hätten von ihrer Sparkasse Falschgeld ausgehändigt bekommen und sollten dieses vor die Tür stellen, damit es gegen echte Scheine ausgetauscht werden könne. Gegenüber einer 94-Jährigen behaupteten die Betrüger, ihr Sohn billige die verlangte Transaktion von Wertsachen – und ließen einen Mann im Hintergrund mit verstellter Stimme „Mutti“ rufen. Besonders unverfroren war die telefonische Aufforderung an einen 79-Jährigen aus Bodenwerder, zwei vor seiner Tür stehenden Männern nicht die Tür zu öffnen, da dies in Wirklichkeit falsche Polizisten seien. Doch falsch spielte hier nur der Anrufer – diese Beamten waren echt.

Von Michael Zgoll

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