Coronavirus - 100 positive Test in Göttingen: Hochhaus unter Quarantäne
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Der Norden 100 positive Tests in Göttingen: Hochhaus unter Quarantäne
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Coronavirus - 100 positive Test in Göttingen: Hochhaus unter Quarantäne

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09:02 19.06.2020
Göttingen: Polizisten in Schutzanzug steht vor einem Wohngebäude. Angesichts von etwa 100 neuen Coronavirus-Infektionen in dem Hochhaus ist der Gebäudekomplex vollständig unter Quarantäne gestellt worden. Quelle: Swen Pförtner/dpa
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Hannover

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland steigt wieder an – am Donnerstag um 580 gegenüber dem Vortag. Ein Grund dafür sind jetzt häufiger auftretenden Masseinfektionen – vor allem in Hochhäusern und Schlachthöfen. In Niedersachsen haben die Behörden ein Hochhaus in Göttingen angesichts von etwa 100 neuen Corona-Fällen vollständig unter Quarantäne gestellt. In Nordrhein-Westfalen sind 730 Beschäftigte eines Fleischbetriebs in Rheda-Wiedenbrück positiv getestet worden (Stand: Freitagmorgen). Bislang liegen allerdings erst rund 1100 Ergebnisse von insgesamt mehr als 5300 angeordneten Tests vor.

700 Bewohner in Quarantäne

Die Stadt Göttingen teilte am Donnerstag mit, dass von der Entscheidung knapp 700 Bewohner betroffen sind. Mit der Maßnahme sollen die Übertragungswege des Virus unterbrochen werden, weil die Behörden davon ausgehen, dass es eine hohe Zahl an Kontaktpersonen ersten Grades in dem Wohnkomplex in der Innenstadt gibt.

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Zunächst waren in der Anlage, die als ein sozialer Brennpunkt Göttingens gilt, zwei Infektionen bekannt geworden. Bei zwei befreundeten jungen Frauen wurde das Virus bei einer Routinekontrolle im Krankenhaus entdeckt. Daraufhin hatte die Stadt am Montag und Dienstag ein mobiles Testzentrum mit Bussen für die Bewohner eingesetzt. Insgesamt wurden knapp 700 Menschen getestet, zum Teil auch von außerhalb des Komplexes. Weitere etwa 60 Testergebnisse liegen noch nicht vor.

Reimann: „Entwicklung alarmierend“

Ob der neue Fall die Rücknahme weiterer Lockerungen in Göttingen nach sich zieht, wurde zunächst nicht bekannt. Die Zahl der Neuinfektionen in den letzten sieben Tage pro 100 000 Einwohner stieg für Stadt und Landkreis Göttingen auf 44,86.

„Die Entwicklungen in Göttingen sind alarmierend und zeigen, wie schnell sich das Virus ausbreiten kann, wenn Menschen auf engem Raum zusammenwohnen und -leben“, sagte Niedersachsen Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD) der HAZ. Das örtliche Gesundheitsamt habe mit der großangelegten Testung der Bewohner richtig und angemessen reagiert. „Es ist zu hoffen, dass die Maßnahmen ausreichen und die Infektionsketten auf diese Weise unterbrochen werden können“, sagte Reimann.

Abstandsregeln nicht eingehalten

Erst im Mai war es in dem 18-geschossigen Iduna-Zentrum am nördlichen Rand der Göttinger Innenstadt zu einem Corona-Ausbruch gekommen. Nach Darstellung der Stadtverwaltung hatten dort Mitglieder mehrerer Familien im Mai bei privaten Feiern die Hygiene- und Abstandsregeln verletzt. Mehr als 80 Personen wurden positiv getestet, die Schulen in Göttingen mussten für zwei Wochen schließen.

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Vor wenigen Tagen hatte es auch in einem Wohnblock im Berliner Bezirk Neukölln einen größeren Corona-Ausbruch gegeben. Dort stehen 369 Haushalte unter Quarantäne, nachdem sich die Zahl der positiv auf Sars-CoV-2 getesteten Menschen auf 85 erhöht hatte (Stand Freitagmorgen).

Bundeswehr muss helfen

Bei dem Schlachtbetrieb Tönnies im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück war nach Angaben des Kreises Gütersloh bei rund 700 Mitarbeitern eine Infektion mit dem Coronavirus festgestellt worden. Bei der erneuten Testung von rund 5300 Mitarbeitern des Betriebs soll jetzt die Bundeswehr Amtshilfe leisten. Der Kreis Gütersloh hat alle Schulen und Kindertagesstätten geschlossen und rund 7000 Menschen unter Quarantäne gestellt.

Reimann warnte vor einer Verschiebung von Mitarbeitern des betroffenen Betriebs zu anderen Standorten der Tönnies-Gruppe. „Eine Ausbreitung des Infektionsgeschehens in andere Landkreise und auch nach Niedersachsen muss unbedingt verhindert werden.“

Von Marco Sengund Christian Brahmann

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