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Cyberangriffe: Wie sich Niedersachsen gegen Erpresser im Internet wehrt

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16:55 02.10.2019
Cyberkriminelle lieben die digitale Währung Bitcoin. Quelle: Jens Kalaene/dpa
Hannover

Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza warnt vor zunehmenden Erpressungsversuchen im Internet. Dabei legten Kriminelle Institutionen digital lahm, um Millionen zu kassieren. Die Erpresser forderten allerdings meist kein Geld, sondern Digitalwährungen wie Bitcoin, erklärte die CDU-Politikerin.

Nach HAZ-Informationen könnte auch der jüngste Cyberangriff auf die Stadtverwaltung von Neustadt am Rübenberge in diese Kategorie gehören. Eine offizielle Bestätigung dafür gibt es nicht, weil die Ermittlungen noch laufen. Eine Attacke auf die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) konnte offenbar gerade noch rechtzeitig abgewehrt werden. Allerdings sind 170 Computer der MHH mit dem gefährlichen Trojaner Emotet infiziert worden.

Havliza: Cyberangriffe sind Bedrohung für alle

Cyberangriffe auf Krankenhäuser oder Verwaltungen sind eine reale Bedrohung für uns alle“, sagte Havliza. „Auch bei dieser Form von Kriminalität geht es am Ende fast immer ums Geld.“ Der von der Polizei auf einer Parkbank abgestellte Geldkoffer, den sich der Erpresser dann abhole, spiele keine große Rolle mehr. „Lösegeldforderungen oder Geldwäsche werden heute häufig in Bitcoin abgewickelt.“

In Niedersachsen sind die Ermittlungen zur Internetkriminalität seit März 2018 bei den drei Staatsanwaltschaften Verden, Osnabrück und Göttingen gebündelt. Ein Konzept, das sich offenbar bei der Bekämpfung von illegalen Geschäften mit Digitalwährungen bewährt. Nach Angaben des Justizministeriums haben die Ermittler in diesem Jahr bis Ende August umgerechnet rund 650.000 Euro beschlagnahmt. Von 2010 bis 2018 waren es dagegen insgesamt nur rund 410.000 Euro.

Justizministerin Barbara Havliza: „Lösegeldforderungen oder Geldwäsche werden heute häufig in Bitcoin abgewickelt.“ Quelle: Tim Schaarschmidt

Ermittler können Spur der Bitcoins folgen

Weil die Daten digital und verschlüsselt sind, ist es für die Strafverfolger eine Herausforderung, der Spur des Geldes zu folgen. Technisch wird bei Digitalwährungen jede Transaktion in einer Liste von Datenblöcken, der sogenannten Blockchain, gespeichert. „Wir sind inzwischen in der Lage, der Spur eines Bitcoins zu folgen“, sagte Oberstaatsanwalt Frank Lange von der Staatsanwaltschaft Verden. Lange rechnet mit einer weiteren Anstieg der digitalen Kriminalität.

Es sei wichtig, dass die Staatsanwaltschaften über Strukturen verfügten, um Digitalwährungen zu beschlagnahmen und zu verwerten, betonte Havliza. „Damit treffen wir Cyberkriminelle dort, wo es wehtut: beim Geld.“ Die Justizministerin wünscht sich künftig auch bei den Gerichten Kammern für das neue Phänomen. „Es wird langfristig darauf hinauslaufen, dass es spezialisierte Kammern gibt.“

Bedenken gegen Digitalwährung von Facebook

Digitalwährungen – also verschlüsseltes, virtuelles Geld – können ganz legal genutzt werden, etwa für Pizzabestellungen im Internet. Sie gelten aber auch als Hauptzahlungsmittel illegaler Plattformen. Die verbreitetste Kryptowährung ist der Bitcoin, gefolgt von Ether und Ripple. Auch Facebook hat mit Libra eine eigene Währung angekündigt. In Europa und den USA gibt es aber offenbar inzwischen große Bedenken, dass Libra in die Hoheit von Notenbanken eingreifen könnte.

Weil die Digitalwährungen bisher nicht von einer Zentralbank kontrolliert werden, können ihre Kurse stark schwanken. So hatte sich der Wert von 64 Bitcoin, die die Staatsanwaltschaft Berlin 2017 beschlagnahmt hatte, binnen Monaten von 76.000 Euro auf mehr als 700.000 Euro fast verzehnfacht. Die Staatsanwaltschaft Göttingen plant in den kommenden Wochen laut Ministerium die nächste Verwertung von rund 4 Bitcoin. Das entsprach am Mittwoch einem Wert von rund 30.000 Euro.

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Von Marco Seng

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