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Der Norden Niedersachsen: Mehr als jedem vierten Kind droht eine chronische Krankheit
Nachrichten Der Norden Niedersachsen: Mehr als jedem vierten Kind droht eine chronische Krankheit
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00:18 10.03.2019
Laut den Studienergebnissen leiden Kinder vom Land häufiger als Stadtkinder an einer akuten Bronchitis. Quelle: dpa
Hannover

Mehr als jedes vierte untersuchte Kind in Niedersachsen leidet an einer Erkrankung, die chronisch verlaufen kann – am häufigsten an Asthma, Neurodermitis oder Heuschnupfen. Das geht aus einer Studie der DAK hervor, die die Krankenkasse am Donnerstag vorgestellt hat. Bei rund 29 Prozent aller Kinder und Jugendlichen bis 17 Jahre diagnostizierten Ärzte eine mögliche chronische Krankheit. Damit liegt Niedersachsen über dem Bundesdurchschnitt von 26 Prozent. Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Zudem litt fast jedes zehnte Kind an einer potenziell chronisch-psychischen Erkrankung.

Ein Team der Universität Bielefeld hat Daten aus dem Jahr 2016 von rund 64 000 Kindern ausgewertet, die bei der DAK in Niedersachsen versichert sind. Demnach waren fast 90 Prozent aller Mädchen und Jungen mindestens einmal im Jahr beim Arzt oder im Krankenhaus. Über die Hälfte der Kinder litt an Atemwegserkrankungen, gefolgt von Infektionskrankheiten (35 Prozent) und Augenerkrankungen (30 Prozent).

Bildungsgrad der Eltern mitentscheidend für die Gesundheit der Kinder

Die hohe Zahl an chronischen Atemwegserkrankungen wie Asthma führt der Kinderarzt Thomas Buck aus Misburg zum großen Teil auf passives Rauchen und Autoabgase zurück. Bei Infektionskrankheiten traten häufig grippale Infekte und Mittelohrentzündungen auf. Eine Ursache sieht Buck darin, dass Eltern ihren Kindern zu schnell Antibiotika geben – würden die Medikamente häufig eingesetzt, wirkten sie nicht mehr, wenn sie dringend benötigt würden, sagte er bei der Vorstellung der Studie.

Fast jedes sechste Kind in Niedersachsen leidet zudem an Muskel-Skelett-Problemen wie Rücken- oder Knieschmerzen oder Verspannungen. Bei Jugendlichen ab dem zwölften Lebensjahr klagen sogar 26 Prozent darüber. Schuld sei unter anderem eine falsche Körperhaltung vor dem Computer, dem Tablet oder dem Handy. Zudem bewegten sich viele Kinder zu wenig.

Kinderarzt Thomas Buck, Professor Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld und Dirk Vennekold, Leiter der DAK-Landesvertretung (v.l.n.r.) haben die Studie vorgestellt. Quelle: Rainer Lange (DAK)

Für die Gesundheit der Kinder spielt der Bildungsgrad der Eltern eine wichtige Rolle, wie die Studie zeigt: Kinder von Eltern ohne Ausbildung leiden demnach häufiger an Übergewicht, Karies oder Entwicklungs- und Verhaltensstörungen als Kinder von Eltern mit abgeschlossenem Studium. Ob Eltern ihren Kindern eine gesunde Lebensweise erklären und vorleben könnten, hänge stark vom Bildungsgrad ab, sagt Buck. Es sei schwierig, an bildungsferne Schichten heranzukommen, ergänzt Professor Wolfgang Greiner von der Universität Bielefeld. „Wir müssen Instrumente entwickeln, die auch diese Menschen erreichen.“ Das sei auch Aufgabe der Politik.

Deutliche Unterschiede zwischen Stadt- und Landkindern

Große Unterschiede gibt es laut Studie auch zwischen Stadt- und Landkindern: In den Städten litten rund 30 Prozent mehr Kinder an Karies, ebenfalls häufiger traten Übergewicht, Verhaltensstörungen und Depressionen auf. Bei Kindern in ländlichen Regionen diagnostizierten Ärzte häufiger eine akute Bronchitis als bei Stadtkindern.

Auffällig bei den psychischen Erkrankungen ist die Zahl der ADHS-Diagnosen: In Niedersachsen zählten die Mediziner rund 50 Fälle bei 1000 Untersuchungen – 21 Prozent mehr als im bundesweiten Durchschnitt. Eine Erklärung dafür liefert die Untersuchung allerdings nicht.

Von Lisa Neugebauer

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