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Der Norden Datenleck in Celler Arztpraxis: Experten warnen vor überhasteter Digitalisierung
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Datenschutz: Leck in Celler Arztpraxis: Experten warnen vor überhasteter Digitalisierung der Medizin

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19:56 26.11.2019
Der digitale Wandel trifft auch die Arztpraxen. Nach einer Datenpanne in Celle warnen Experten vor überhasteten Schritten. Quelle: Stefan Sauer/dpa
Hannover/Celle

Nach einer Datenpanne in einer orthopädischen Gemeinschaftspraxis in Celle warnen IT-Experten und die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen vor einer übereilten Digitalisierung des Gesundheitswesens. Patientendaten seien hochsensibel und müssten speziell geschützt werden, damit sie nicht in falsche Hände gerieten, sagt Ronald Eikenberg, Redakteur bei der Computerzeitschrift „c’t“. Er hatte das Celler Datenleck nach einem Insidertipp öffentlich gemacht.

Krankengeschichten und Arztbriefe frei zugänglich im Netz

Die Daten von rund 30.000 Patienten waren danach über vermutlich über mehrere Wochen im Internet frei zugänglich. Dabei soll es sich nicht nur um die Stammdaten der Patienten mit Adresse, Geburtsdatum und Telefonnummer, sondern auch um Arztbriefe, Gesprächsnotizen, Krankengeschichten und Röntgenbilder gehandelt haben.

Nach Angaben der Landesdatenschutzbeauftragten gibt es bislang keine Belege dafür, dass auch tatsächlich von außen auf die Daten zugegriffen wurde. Weitere Fälle von Datenpannen bei Ärzten sind nicht bekannt. Die Celler Arztpraxis habe ihre Patienten informiert, aber auch von denen seien bislang keine Beschwerden etwa über Spammails eingegangen.

IT-Spezialist Eikenberg warnt allerdings vor vorschnellen Schlüssen. Ein Datenmissbrauch werde mitunter auch erst viel später publik. Immer wieder werde das Internet von Kriminellen gezielt nach ungeschützten IP-Adressen durchsucht. Patienten könnten möglicherweise E-Mails vermeintlich von ihrem Arzt erhalten und auf Anhänge klicken, die als Rechnung oder Bericht getarnt seien, und somit ihren Computer mit einem Virus infizieren.

Zunächst hieß es, ein spezieller Router, den die Telekom an zahlreiche Geschäftskunden geliefert hat, sei die Ursache. Dies weist Telekom-Sprecher Christian Fischer zurück. Er spricht von einer „Verkettung unglücklicher Umstände“, die mit dem Router, aber auch mit einem Anschlussfehler des IT-Dienstleisters zu tun hätten. Die Celler Datenpanne sei ein Einzelfall.

Skepsis in der Ärzteschaft

„Mediziner sind keine Datensicherheitsexperten“, sagt Professor Fabian Schmieder, der an der Hochschule Hannover Medienrecht lehrt und am Mittwoch bei einem „Digitalisierungsgipfel“ der Ärztekammer auftritt. Gerade die niedergelassenen Ärzte würden beim Thema Digitalisierung oft alleingelassen. Detlef Haffke von der Kassenärztlichen Vereinigung berichtet von einer „gewissen Skepsis bei den Medizinern“: „Die Ärzte sind bereit für den digitalen Wandel, aber man muss ihnen Zeit dafür lassen.“ Digitalisierung in der Medizin habe großes Potenzial, dürfe aber nicht zum Selbstzweck werden, sagt Niedersachsens Sozialministerin Carola Reimann (SPD).

Prof. Schmieder mahnt angesichts der Celler Datenpanne allerdings davor, sich dem digitalen Wandel in der Branche zu verschließen: „Wenn ein Lkw einen Defekt hat, stellt man ja auch nicht den gesamten Güterverkehr auf der Straße infrage.“ Deutschland hinke schon jetzt beim digitalen Wandel hinterher. Der Wissenschaftler plädiert für Branchenstandards, zentrale Rechenzentren und Cloudlösungen seien besser als der einzelne Server unterm Praxisschreibtisch.

Bund: Elektronische Patientenakte ist sicher

Vonseiten des Bundesgesundheitsministeriums heißt es, die Telematikinfrastruktur des Bundes sei sicher. An sie sollen bis März 2020 alle Praxen angeschlossen sein und Ärzte, Krankenhäuser und Apotheken vernetzen. Letztendlich sei jeder Arzt für den Schutz seiner Patientendaten selbst verantwortlich – das gelte für die analoge wie für die digitale Form.

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Und hier lesen Sie den Artikel aus dem „c’t“-Magazin.

Von Saskia Döhner

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