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Diskriminierung: Wenn der Name bei der Wohnungssuche zum Problem wird

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17:26 29.01.2020
Schwierige Lage auf dem Wohnungsmarkt: Diskriminierung ist im Einzelfall nicht einfach nachzuweisen. Quelle: Matthias Balk/dpa
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Hannover

In Deutschland wird jeder dritte Wohnungssuchende mit Migrationshintergrund auf dem Wohnungsmarkt diskriminiert. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Der kommissarische Leiter der Behörde, Bernhard Franke, sprach sich für eine Gesetzesänderung aus, um Diskriminierung zu vermeiden.

Oft passt die Hautfarbe nicht

Laut Umfrage machten rund 15 Prozent aller Befragten, die in den vergangenen zehn Jahren auf Wohnungssuche waren, Diskriminierungserfahrungen aus rassistischen Gründen, wegen der Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe oder der Herkunft aus einem anderen Land aus. Besonders betroffen waren Menschen mit Migrationshintergrund (35 Prozent). Die Studie beruht auf einer telefonischen Befragung von 1.041 zufällig ausgewählten deutschsprachigen Personen ab 16 Jahren in Privathaushalten in der zweiten Oktoberhälfte 2019. Demnach haben rund 40 Prozent der Menschen in Deutschland große oder sehr große Bedenken, eine Wohnung an Eingewanderte zu vermieten, knapp 30 Prozent der Befragten ist demnach unwohl beim Gedanken, dass sie Einwanderer als Nachbarn bekommen könnten.

Aus Sicht von Niedersachsens Integrationsbeauftragter Doris Schröder-Köpf (SPD) ist das Problem nicht neu. „Mit der zunehmenden Wohnungsknappheit verschärft sich aber die gesamte Problematik“, sagte Schröder-Köpf der HAZ. „Mir sind Fälle bekannt, wo Menschen mit Doppelnamen nur den deutschen Teil des Doppelnamens angeben, wenn Sie zu einer Wohnungsbesichtigung wollen.“ Angesichts hoher Zahlen von Wohnungsbewerbern sei es aber gar nicht so einfach, im konkreten Fall die Diskriminierungsabsicht nachzuweisen.

Vermieter sind misstrauisch

Der Deutsche Mieterbund erklärt, solche Diskriminierungen seien natürlich Missstände, die man abbauen müsse. „Ich habe einen solchen Fall allerdings noch nicht erlebt“, sagt Reinold von Thadden, Justiziar beim Mieterbund. Das könne aber auch damit zusammenhängen, dass man mit Menschen zu tun habe, die bereits einen Mietvertrag abgeschlossen hätten. Dass Vermieter stark selektierten, sei indes bekannt. Auch Rainer Beckmann, Vorsitzender von Haus und Grund in Hannover, kennt nach eigenen Angaben derartige Fälle nicht. „Ich will aber nicht ausschließen, dass mancher Vermieter misstrauisch ist.“ Dies sei indes verständlich, weil die Vermieter ihre Neumieter vor Vertragsabschluss nicht kennen. „Sie wollen in erster Linie jemanden, mit dem sie keine Pleite erleben – das heißt: Sie gehen auf Nummer sicher.“

Kai Weber vom Flüchtlingsrat sagt, die Diskriminierung auf dem Wohnungsmarkt sei seit Jahren eines der zentralen Themen der Flüchtlingsarbeit.

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Von Michael B. Berger

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