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„Einschlafen-Podcast“ von Toby Baier: Dieser Mann redet Menschen in den Schlaf

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16:41 21.11.2019
"Einschlafen"-Podcaster Toby Baier. Quelle: Philipp Schulze/dpa
Kakenstorf

Wenn Toby Baier spricht, schlafen die Menschen reihenweise ein. Was für andere Redner ein Alptraum wäre, ist sein Ziel: Seit neun Jahren veröffentlicht der 45-jährige Informatiker aus Kakenstorf (Landkreis Harburg) regelmäßig einen Podcast, in dem er den Hörerinnen und Hörern mit ruhiger, monotoner Stimme aus seinem Leben erzählt. „Ich will Leute so aus ihrem eigenen Gedankenkarussell rausholen“, sagt Baier. „Das funktioniert ganz gut.“

Dass das tatsächlich so ist, belegen die Kommentare unter den Episoden des „Einschlafen-Podcasts“: „Fester Bestandteil meines Abends. Half mir über sehr schwere Zeiten in den Schlaf zu kommen“, schreibt jemand. Angefangen mit einer Handvoll Zuhörer, lassen sich inzwischen bis zu 140.000 Leute von Baier ins Bett bringen. Allein bei Spotify hat er 73.000 Follower, die seinem Audiobeitrag im Internet lauschen.

Urlaube, Brotbacken oder FC St. Pauli

Mehr als 450 Episoden hat er bislang aufgenommen. Die Themen variieren, allzu Aufregendes vermeidet er. „Ich versuche, Entspannung und Beruhigung zu vermitteln.“ Wer während seiner spontanen Monologe über Urlaube, Brotbacken oder den FC St. Pauli noch nicht eingeschlafen ist, bekommt am Ende ein Zitat von Rainer Maria Rilke und einen garantiert langweiligen Text vorgelesen. Zuletzt waren das Passagen aus Kants „Kritik der reinen Vernunft“. „Das ist so furchtbar, ich schaffe immer nur ein paar Seiten“, sagt Baier. Sonst schliefe er womöglich selber ein.

 

Die Idee zum Podcast hatte er, als die meisten Menschen mit dem Begriff noch nichts anfangen konnten. Seine beiden Töchter waren damals noch klein, er las ihnen abends im Bett vor. Weil er Technik mag, wollte er seine Vorlesestimme konservieren – für später, wenn die Kinder groß sind. Schließlich kam die Idee, die Aufnahmen auch im Internet zu veröffentlichen. „Das ging aber nur mit Büchern, bei denen das Urheberrecht schon erloschen ist.“ So wie bei Kant.

Bundeswehr-Arzt brachte Idee ins Rollen

Dann bekam Baier eine Nachricht von einem Bundeswehr-Arzt. „Er schrieb mir, dass der Podcast ihm während eines Auslandseinsatzes geholfen hat, in den Schlaf zu kommen.“ So erfuhr er, dass sein Angebot tatsächlich zum Einschlafen genutzt wurde. „Damit hatte ich nicht gerechnet.“ Seine Fangemeinde wuchs, zwischenzeitlich stand er nach eigenen Angaben auf der Top-Ten-Liste der iTunes-Charts. In Bewertungen wird seine beruhigende Stimme gelobt. Dabei hat er keine Sprecher-Ausbildung absolviert. „Bevor ich Podcasts gemacht habe, hat mir keiner gesagt, dass ich eine tolle Stimme habe“, betont Baier.

Der 45-Jährige ist Meister darin, andere zu ermüden. Quelle: Philipp Schulze/dpa

Nach wie vor ist das Podcasten nur ein Hobby von ihm, er arbeitet für einen Software-Hersteller. Alle zwei Wochen nimmt er eine neue Folge auf, dazu macht er es sich auf seinem Sofa im Arbeitszimmer gemütlich. Daneben steht sein Mikrofon. Der Podcast kommt ohne Werbung aus und kann umsonst heruntergeladen werden. Fans überweisen ihm freiwillig regelmäßig ein paar Euro, schicken ihm Pakete oder Postkarten. Eine Hörerin schenkte ihm eine selbstgehäkelte Decke, diese hat nun ihren Stammplatz auf dem Sofa. „Sowas ist viel mehr wert als Geld von einem Werbepartner“, betont Baier.

„Die Hörer nehmen mich mit ins Bett“

Er weiß, dass er seinen Hörern sehr nah kommt. „Sie nehmen mich ja mit ins Bett“, sagt Baier. Einsamen Menschen ist er ein Lebensbegleiter geworden. „Viele hören mich über Kopfhörer oder im Auto, da entsteht eine große Nähe. Und weil ich Dinge über mich erzähle, glauben sie, sie würden mich kennen.“ Dabei berichte er nur über Dinge, die er auch bei einem ersten Treffen in der Kneipe kundtun würde. „Mein Privatleben ist schon noch privat.“

Manche seiner Hörer leiden wegen Depressionen oder Schichtdiensten unter Schlaflosigkeit. „Viele schreiben mir, dass sie vorher Schlaftabletten genommen haben, mit dem Podcast brauchen sie die nicht mehr.“ Er selbst hört keine Podcasts zum Einschlafen, sondern Hörbücher. „Harry Potter funktioniert fantastisch“, sagt er. Schlafstörungen kenne er nicht – anders als seine Hörer, für die er eine gewisse Verantwortung spürt. Er weiß von Hörern, die Angst haben, dass er mit dem Podcast aufhören könnte. Das hat er zwar nicht vor. Falls es aber doch der Fall sein sollte, verweist er auf die vielen bestehenden Folgen. „Die können jederzeit wieder angehört werden.“

Von RND/Janet Binder

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