Erfolgreiche Flucht-Geschichte: Dyar Shekho macht sein Abitur mit 1,3
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Der Norden Vom Geflüchteten zum Einser-Abiturienten in nur fünf Jahren: Dyar Shekho aus Wolfsburg besteht mit 1,3
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Erfolgreiche Flucht-Geschichte: Dyar Shekho macht sein Abitur mit 1,3

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17:08 28.07.2021
Glücklicher Abiturient: Dyar Shekho hat das Abitur mit 1,3 geschafft. Nun hofft er auf einen Studienplatz.
Glücklicher Abiturient: Dyar Shekho hat das Abitur mit 1,3 geschafft. Nun hofft er auf einen Studienplatz. Quelle: Britta Schulze
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Wolfsburg

Ein Abi mit einem Schnitt von 1,3 ist schon eine anerkennenswerte Leistung, erst Recht, wenn man kein Muttersprachler ist: Der 23-Jährige Dyar Shekho hat das Wolfsburg Kolleg mit Bravour gemeistert und mit 774 Punkten die Allgemeine Hochschulreife erlangt. Darüber freut er sich, doch auf seinen Lorbeeren will er sich nicht ausruhen. Er hat sich an 39 Universitäten beworben und wartet jetzt auf einen Studienplatz für Medizin.

Shekho ist vor fünf Jahren mit seiner Familie über die Türkei und Griechenland aus Nordsyrien geflüchtet. Die deutsche Sprache spricht er nahezu fließend. „Es gibt keine einfache Sprache, aber die Verben haben mir am meisten Kopfzerbrechen bereitet“, erzählt er.

Dyar Shekho hat mit 774 Punkten das Abitur bestanden

Seine Eltern wohnen inzwischen in Bochum, er selbst wollte wegen der Schule in Wolfsburg bleiben. Drei Jahre lang besuchte er das Wolfsburg Kolleg, einem staatlichen Gymnasium für Erwachsene. Am Nachmittag lernte der Schüler in seiner Wohnung in Westhagen weiter. Das Pauken sei ihm nicht schwer gefallen, manchmal habe er sich sogar freiwillig an die Aufgaben gesetzt. „Mit Mathe habe ich mich viel in meiner Freizeit beschäftigt, dabei finde ich den menschlichen Körper spannender“, so Shekho.

Sein Zeugnis belegt seinen Fleiß: In Mathe hatte Shekho immer 15 Punkte, also eine Eins plus. 774 Punkte erreichte der gebürtige Syrier, das ist ein Schnitt von 1,3. Der Abitur-Jahrgang vom Wolfsburg Kolleg hat einen Schnitt von 2,2 erreicht. Sieben Schüler haben eine Eins vor dem Komma.

Wolfsburger Schüler verbrannten Mappen und Bücher

Die Eltern freuen sich sehr über die Leistung ihres jüngsten Sohnes, auch wenn sie bei der Zeugnis-Übergabe nicht dabei sein konnten. „Manchmal ist es schade, dass wir nicht zusammen sind. Aber dafür verabreden wir uns zum Video-Chat“, merkt Shekho an.

Cover für den Schul-Planer: Dyar Shekho hat nach dem Abitur viel Zeit für das Zeichnen. Quelle: Ann Kathrin Wucherpfennig

Die Abiturienten feierten im kleinen Kreis. „Wir waren einfach froh, dass die Schule vorbei ist“, sagte der Wolfsburger. Momentan ruht sich der Abiturient aus und geht seinem Hobby, dem Zeichnen, nach. Er gestaltet ein Cover für den neuen Schul-Planer des Wolfsburg Kolleg. Die Entwürfe sehen vielversprechend aus: Vor einem Gebäude stehen drei Erwachsene, denen Puzzle-Stücke fehlen. „Die Menschen sind alle unterschiedlich und keiner ist perfekt, genauso wie am Kolleg“, erklärt der Künstler.

Dyar Shekho möchte unbedingt Medizin studieren

Das Zeichnen ist für Shekho Zeitvertreib. Der 23-Jährige möchte unbedingt Medizin studieren und hat sich an 39 Universitäten in Deutschland beworben. Er wünscht sich einen Studienplatz in Bochum, um seine Eltern häufiger sehen zu können. Bis zu einer Zusage könne es noch einige Wochen dauern. „Ich hoffe einfach, dass ich einen Studienplatz bekomme“, so Shekho.

Von Ann Kathrin Wucherpfennig/Wolfsburger Allgemeine Zeitung