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Der Norden Erdbeben in Verden – Ausstieg aus Erdgasförderung gefordert
Nachrichten Der Norden

Folge der Erdgasförderung: Erdstöße erschüttern Verden

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20:37 21.11.2019
Das Seismogramm der Messstation Rethem (Heidekreis) dokumentiert das Erdbeben im Landkreis Verden am Abend des 20. November. Um 17.28 Uhr waren die Erdbewegungen demnach am heftigsten. Quelle: Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie/dpa
Hannover

„Es war, als ob eine U-Bahn unter uns durchrauschte“, schildert der Landtagsabgeordnete Klaus Wichmann aus Verden das Phänomen, das auch der Niedersächsische Erdbebendienst am Mittwochabend um 22.32 Uhr registrierte: einen heftigen Erdstoß. Es war das zweite leichte Beben, das den Landkreis Verden am Mittwoch erschütterte. Wahrscheinlich, heißt es im Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), stehen die Erdstöße im Zusammenhang mit der Erdgasförderung.

Bei der Polizei klingelten die Telefone

Die spürbaren Erdstöße ereigneten sich am Mittwoch zunächst gegen 18.28 Uhr und gut vier Stunden später, kurz und heftig. Sie seien mit einer sogenannten Lokalmagnitude von 3,2 beziehungsweisen 3,0 registriert worden, teilte das Landesbergamt mit. Zwar verzeichneten Messgeräte um 20.52 Uhr noch eine weitere, leichte Erschütterung der Stärke 1,5. Diese war nach Auskunft eines LBEG-Sprechers aber nicht zu spüren. Die Epizentren des leichten Bebens hätten südlich von Kirchlinteln am südöstlichen Rand des Erdgasfeldes Völkersen gelegen. Bereits am frühen Donnerstagmorgen hätten dem Erdbebendienst mehr als 60 Meldungen vorgelegen, die meisten aus Verden. Auch bei der örtlichen Polizei klingelten die Telefone. Der Erdstoß am frühen Abend sei einer der heftigsten in der jüngeren Vergangenheit gewesen, notierten die Experten vom Landesbergamt.

Bisher stärkstes Beben im April 2016

Das zuvor stärkste Beben im Kreis Verden habe es am 22. April 2016 gegeben – mit einer Stärke von 3,1. Das bisher letzte Beben mit einer Stärke von 2,5 wurde am 11. Dezember 2017 gemessen. Diese Werte sind zwar noch weit entfernt von den Erdbeben, die vor drei Jahren Mittelitalien erschütterten und Magnituden von 5 bis 6,5 hatten, aber sie lösten in Niedersachsen sofort eine Debatte über die Erdgasförderung aus. Deren Stopp forderten der Verdener AfD-Abgeordnete Klaus Wichmann –„das hier nichts getan wird, verunsichert die Bevölkerung schon lange“ –, und die Landtagsfraktion der Grünen. Der Ausstieg aus der Erdgas- und Erdölförderung in Niedersachsen sei überfällig, erklärte deren umweltpolitische Sprecherin, Imke Byl.

Althusmann will keinen Ausstieg

Doch von einem Ausstieg will der zuständige Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) nichts wissen. „Wir müssen erst einmal die Vorgänge genau auswerten“, sagt er und weist auf entsprechende Aktionen des Landesbergamtes hin. Die Behörde hat die Bewohner Verdens aufgefordert, ihre Beobachtungen auf der Internetseite des LBEG anzugeben, um detaillierte Schlüsse aus den Erdstößen zu ziehen. Althusmann meint, dass man auf längere Sicht noch mit der Erdgasförderung leben müsse. „In Niedersachsen liegen rund 94 Prozent des Erdgasvolumens von Deutschland, das ist wichtig für die Energieversorgung und mit 8000 Beschäftigten ein großer Industriezweig.“ Deshalb müsse man ruhig an das Thema herangehen.

Rechtlich bindende Verträge bis 2020

Die Grünen fordern einen sofortigen Stopp und weisen auf die Niederlande hin. Althusmann entgegnet, man könne die hiesige Förderung nicht mit der rund um Groningen vergleichen, wo sich eines der größten Erdgasfelder der EU befindet. Im übrigen gebe es rechtlich gültige Verträge bis 2030. Ein Sofortausstieg hätte enorme Schadensersatzforderungen zur Folge.

Wintershall Dea sichert Schadensregulierung zu

Die Firma Wintershall Dea fördert seit den Neunzigerjahren Erdgas in dem Gebiet. Es sei immer wieder zu Erschütterungen und zu Putzrissen an Häusern gekommen, berichtet Unternehmensvertreter Heinz Oberlach. „Wenn Betroffene Schäden haben, können sie sich bei uns melden. Wir kommen in der Regel sehr schnell zu einer Einigung“, sagt Oberlach. Auch ein sofortiger Stopp der Förderung biete nach Expertenmeinung keine Garantie, dass sich unterirdische Spannungen nicht nach oben entlüden, sagt der Vertreter von Wintershall.

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