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Der Norden 2020 nur halb so viele Abiturienten in Niedersachsen: „Der Konkurrenzdruck verschärft sich“
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G9 an Gymnasien: 2020 gibt es nur halb so viele Abiturienten in Niedersachsen

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09:05 03.02.2020
Abiturienten lesen sich kurz vor Beginn der Prüfung die Abituraufgaben im Fach Deutsch durch. Quelle: dpa
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Hannover

Am 20. April beginnt mit der Geschichtsklausur die Zeit der Abiturprüfungen. In Niedersachsen werden in diesem Jahr aber nur halb so viele Schüler ihre Abschlussprüfung machen wie sonst. Das Kultusministerium rechnet mit rund 16.500 Prüflingen anstatt der sonst üblichen rund 32.000 Abiturienten. Durch die Rückkehr zu G 9 an den Gymnasien fällt hier wie auch an den Gymnasialzweigen der Kooperativen Gesamtschulen (KGS) für einen gesamten Jahrgang die Abschlussprüfung aus.

An den Integrierten Gesamtschulen (IGS) und den Beruflichen Gymnasien, aber auch an den Kollegs, Abendgymnasien und Waldorfschulen, wo seit jeher nach 13 Jahren das Abitur abgelegt wird, gibt es auch 2020 Abschlussprüfungen.

Bessere Chancen auf Studienplatz oder Lehrstelle?

Haben die Absolventen des halbierten Abiturjahrgangs bessere Chancen auf einen Studienplatz oder eine Ausbildungsstelle? Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) warnt vor zuviel Optimismus: „Die reduzierten Abgängerzahlen werden kein Dauerphänomen sein, das ist ein Einmaleffekt. An den Hochschulen kann es dann kurzfristig etwas leichter werden, auch in Numerus-Clausus-beschränkte Studiengänge zu kommen. Gleichzeitig ist zu erwarten, dass sich in diesem Jahr die Lage auf dem Ausbildungsmarkt für Schulabgänger ohne Abitur verbessert.“

Engpass bei kaufmännischen Berufen droht

Die Bundesagentur für Arbeit rechnet mit weniger hoch qualifizierten Bewerbern auf dem Ausbildungsmarkt. Bärbel Höltzen-Schoh, Chefin der Regionaldirektion Niedersachsen-Bremen, sagt: „Der stark dezimierte Jahrgang kann für Betriebe mit einem hohen Abiturientenanteil unter den Auszubildenden zum Problem werden.“ Engpässe könne es bei kaufmännischen Berufen, Mediengestaltern, Informatikern oder auch Steuerfachangestellten geben.

Auf Realschüler oder Studienabbrecher ausweichen?

„Der Konkurrenzdruck um gute Nachwuchskräfte wird sich verschärfen“, sagt Höltzen-Schoh. Ähnlich äußern sich die Kammern. Naheliegend sei es für Unternehmen, auf Bewerber mit Fachhochschulreife oder gutem Realschulabschluss auszuweichen, meint die Arbeitsagentur. Daneben gebe es auch Abiturienten aus früheren Jahrgängen, auch Studienabbrecher könnten eine gute Wahl sein, wenn sie nützliche Kenntnisse aus dem Studium mitbrächten. Manchmal liege die Lösung auch im eigenen Betrieb, Mitarbeiter könnten weiterqualifiziert werden, eventuell sogar mit Unterstützung der Arbeitsagentur.

Nur „überschaubare Delle“?

Die Industrie- und Handelskammer erwartet eine „kleine, aber überschaubare Bewerberdelle“, wie Experte Günter Hirth sagt, die sich aber über zwei, drei Jahre erstrecken könne, weil viele Jugendliche nicht direkt nach der Schule auf den Arbeitsmarkt drängen, sondern eine Auszeit einlegen. Zwar habe inzwischen mehr als ein Drittel der Azubis in Handel und Industrie Abitur, aber es gebe ja auch Bewerber aus früheren Abiturjahrgängen, die erst jetzt einen Ausbildungsplatz suchten. Die geringere Zahl der Schulabgänger eröffne aber auch Chancen für Schüler mit nicht so guten Noten oder Haupt- und Realschüler.

Viele freie Stellen im Handwerk

Im Handwerk liegt der Anteil der Auszubildenden mit Abitur bei nur 15,6 Prozent. „Die Umstellung auf G 9 wird sich auf den ersten Blick bei uns nicht so massiv auswirken“, sagt Carl Michael Vogt, Geschäftsführer Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer Hannover, „aber natürlich verstärkt sich der Wettbewerb der Unternehmen um die besten Köpfe insgesamt.“

Die Chancen für Realschüler, im Handwerk Fuß zu fassen, seien nach wie vor exzellent, überhaupt sei der Stellenmarkt 2020 für Schulabgänger sehr gut. Alle Wirtschaftszweige suchten Nachwuchs. Allein in der Online-Lehrstellenbörse der Handwerkskammer seien schon 700 freie Ausbildungsplätze gelistet.

800 Bewerber auf 1300 Ausbildungsplätze

In der Stadt Hannover interessieren sich nach Angaben der Arbeitsagentur rund 30 Prozent der Abiturienten für eine duale Ausbildung, in diesem Jahr wären es rund 240 der vermutlich rund 800 Schulabgänger in diesem Jahr, hinzu kommen noch rund 600 Bewerber, die eine Orientierungsphase im Ausland oder Freiwilligendienst hinter sich haben und jetzt eine Lehrstelle suchen. Insgesamt werden also zwischen 800 bis 900 Interessenten mit Hochschulreife zur Verfügung stehen, während Unternehmen zwischen 1300 bis 1400 Ausbildungsplätze für Abiturienten anbieten. „Da die Anzahl der Bewerber, die sich nicht direkt nach dem Abitur bewerben recht hoch ist, wird das Thema uns auch im nächsten Jahr noch beschäftigen“, erklärt Susanne Langenkamp, Leiterin der Berufsberatung Agentur für Arbeit Hannover.

Heike Döpke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Hannover, sagt: „Positiv an der Entwicklung ist, dass Bewerber mit Haupt- und Realschulabschluss jetzt bessere Chancen haben eine Ausbildung zu finden. Damit helfen diese Jugendlichen den Betrieben sich die Fachkräfte von Morgen zu sichern. Der Vorteil für beide ist, dass Jugendliche sich über die Ausbildung hinaus als Fachkraft im Unternehmen betriebsnah als Techniker oder Ingenieur entwickeln kann.“

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