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Der Norden Grauenvoll: Helgolands Seevögel sterben an Plastikmüll
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Grauenvoll: Helgolands Seevögel sterben an Plastikmüll

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15:26 23.11.2019
Ein Basstölpel sitzt auf einem Nest mit Plastikresten, in fast allen Basstölpelnestern auf Helgoland sind Plastikteile verbaut. Quelle: Carsten Rehder/dpa
Helgoland

Sie verhungern oder strangulieren sich an bunten Plastikfasern, die die Basstölpel auf Helgoland zuvor selbst in ihre Nester eingebaut haben. Und es verenden deutlich mehr Vögel als angenommen, wie der ornithologische Schutzgebietsbetreuer des Vereins Jordsand auf Helgoland, Elmar Ballstaedt, der Deutschen Presse-Agentur sagte. Bisher sei die Annahme auf Basis von Zählungen über den Sommer erfolgt. Und danach verstrickten sich über das Jahr rund 30 bis 40 Trottellummen. Doch das sei falsch. „Ich hatte jetzt über 100.“ Auch bei den Basstölpeln verendeten mehr Tiere als angenommen. Hier sei die Diskrepanz zu den Annahmen aber nicht ganz so hoch. Insgesamt starben dieses Jahr bisher rund 40 Basstölpel.

Seit Anfang des Jahres untersucht Ballstaedt in einem auf mehrere Jahre angelegten wissenschaftlichen Projekt im Rahmen seiner Promotion das Ausmaß der Plastikverschmutzung in der Helgoländer Basstölpelkolonie. Mehrere Forschungseinrichtungen, der Verein Jordsand und die Gemeinde Helgoland unterstützen ihn dabei.

Basstölpel sitzen auf ihren Nestern, in fast allen Basstölpelnestern auf Helgoland sind Plastikteile verbaut. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Plastik in 98 Prozent der Basstölpel-Nester

Auf Helgoland bauen fast alle Basstölpel – eine Hochseevogelart, die deutschlandweit nur hier brütet – Plastik in ihre Nester ein. Vom Umweltbundesamt stammende Zahlen zeigen: 98 Prozent der Nester in der Brutvogelkolonie von Basstölpeln auf Helgoland enthalten Kunststoff. Und dies ist eben auch eine Gefahr für andere Seevogelarten wie die Trottellummen, die dicht neben den Basstölpeln brüten.

Seit Projektbeginn waren Ballstaedt oder Helfer mindestens drei Mal jede Woche an den Vogelfelsen und haben Verstrickungsdaten gesammelt. Dabei hat er beobachtet, dass es zwei Peaks gibt, wann die Tiere sich verstricken. Demnach sterben die meisten Trottellummen im April und Mai. „In diese Zeit fällt die Hauptnestbauphase der Basstölpel und da tragen sie am meisten frisches Plastik ein“, sagte Ballstaedt.

Mit Nistmaterial im Schnabel setzt ein Basstölpel zur Landung an. Quelle: Carsten Rehder/dpa

Plastikfasern wachsen in die Füße ein

Seine Hypothese: Frisches Plastik ist gefährlicher als altes Plastik. „Das alte ist schon so verbacken mit Kot und so weiter, dass es vor allem ästhetisch unschön ist, aber nicht mehr so gefährlich“, sagte Ballstaedt. Das frische Plastik sei hingegen noch mobil und baumle im Wind. Trottellummen seien schlechte Flieger und könnten den Schlingen oft nicht ausweichen.

Der Peak bei den Basstölpeln im Sommer. Viele Basstölpel verstrickten sich als Küken. Oftmals sterben sie nach Angaben Ballstaedts aber nicht sofort, sondern erst Wochen später, wenn sie so verheddert sind, dass sie sich unmöglich befreien können. „Wenn eine Faser im Fuß eingewachsen ist, dann fliegen sie einfach nie los.“

Eltern fliegen vor, die Kinder hängen fest

Die Elterntiere merken davon nichts und ziehen die Küken weiter groß. „Die Kleinen haben ja nichts, sie können ihre Flügel ausbreiten.“ Aus dem Nest bewegen sich die jungen Vögel erst, wenn sie so groß sind, dass die Elterntiere sie verlassen. Und wenn sie dann losfliegen wollen und sich am Fuß verstrickt haben, bleiben sie einfach im Felsen hängen.

Neben den Auswirkungen auf die Vögel analysiert Ballstaedt die Plastikfasern, die in den Nestern verbaut sind. Bereits 2015 wurden in einem Pilotprojekt auf Helgoland Basstölpelnester außerhalb der Brutzeit gesammelt. Künstliches Nistmaterial wurde aussortiert und getrocknet. Das damals getrocknete Kunststoffmaterial wurde aufgehoben und wird jetzt von Ballstaedt analysiert.

Er nimmt sich dabei die Fasern eines Nestes vor. Rund 1000 Fasern werden es sein, die er auf ihre Zusammensetzung untersuchen will. Testmessungen haben seinen Angaben zufolge bereits ergeben, dass sich in mehr als 90 Prozent der analysierten Fasern die enthaltenen Kunststoffarten identifizieren lassen. Ballstaedt hofft, darüber im weiteren Projektverlauf Verursacher identifizieren zu können.

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Von RND/dpa

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