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Der Norden Helfer des THW proben den Ernstfall
Nachrichten Der Norden Helfer des THW proben den Ernstfall
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18:53 21.03.2019
Großübung des THW auf dem Truppenübungsplatz Bergen Quelle: Lisa Neugebauer
Bergen

Als sich die Tür schließt, ist nichts mehr zu sehen. Der Nebel im Haus ist so dicht, dass die Retter vom Technischen Hilfswerk (THW) Mühe haben, die nächste Wand zu erkennen. Vorsichtig knien sie sich hin, krabbeln auf dem Boden entlang. Sie sind mit einem Seil verbunden, damit sie sich nicht verlieren. Aus einem Zimmer kommen Schreie, rotes Licht färbt den Nebel, ansonsten ist es dunkel. Ein lautes Zischen begleitet die bedrohliche Atmosphäre.

Nach etwa 15 Minuten kommen die Helfer wieder ins Freie. Sie haben die gesuchte Person nicht gefunden. Auch die Gasflasche, die aufgedreht im Keller stand, konnten sie nicht schließen. Als sie sich die Gasmasken vom Gesicht reißen und tief einatmen, ist ihnen die Enttäuschung anzusehen.

Fabian Schaffhausen klopft ihnen aufmunternd auf die Schultern. „Besser es passiert jetzt, als im Einsatz“, sagt er. Schaffhausen ist der Leiter der Regionalstelle Verden des THW. Zusammen mit seinem Team hat er eine Großübung auf dem Nato-Truppenübungsplatz in Bergen (Kreis Celle) organisiert. Rund 120 Helfer aus zehn zu der Regionalstelle Verden gehörenden Ortsverbänden müssen sich einen ganzen Tag lang verschiedenen Aufgaben stellen.

Die Helfer des THW mussten bei der Großübung auf dem Truppenübungsplatz in Bergen verschiedenste Aufgaben bewältigen.

Die Atemschutzübung in dem scheinbar brennenden Haus, das mit einer Nebelmaschine präpariert wurde, sei eine der extremsten Szenarien, sagt Schaffhausen. „Orientierungslosigkeit ist eine der Urängste von Menschen. Zusammen mit dem lauten Geschrei und den simulierten Explosionen ist das eine belastende Situation für die Helfer.“

Doch auch andere Aufgaben verlangen den Ehrenamtlichen viel ab. An einer Station müssen sie einen Menschen aus einem Auto herausholen, das frontal mit einem Lkw zusammengestoßen ist und sich verkeilt hat. In einem anderen Szenario droht ein Haus nach einer Unwetterkatstrophe einzustürzen, und die Helfer müssen Wände und Decken mit Balken abstützen. „Wir simulieren hier Situationen, die auch im realen Leben vorkommen können“, sagt Schaffhausen.

Regionalstellenleiter Fabian Schaffhausen hat die Übung organisiert. Quelle: Lisa Neugebauer

Spezielle Fähigkeiten: Die Helfer des THW kommen bei Katastrophen zum Einsatz

Das THW kommt bei Katastrophen zum Einsatz – etwa bei Unwettern, um Sturmschäden zu beseitigen, bei Stromausfällen, um mit Generatoren auszuhelfen, oder bei Hochwassern, um Dämme zu bauen. Zuletzt waren die Helfer aus Niedersachsen beim Moorbrand bei Meppen aktiv. Mit 13 Großpumpen, die Löschwasser auf das brennende Bundeswehrgelände befördert und es dort verteilt haben, hatte das THW die Feuerwehr unterstützt. 1900 THW-Kräfte waren über mehrere Wochen im Einsatz.

In den meisten Fällen werden die Helfer in der blauen Einsatzkleidung von der Feuerwehr angefordert. „Man kann sagen: Wenn dir eine Schaufel nicht mehr reicht, kommen wir mit dem Radlader“, sagt Schaffhausen. Vieles, was die Ehrenamtlichen können, sei den Aufgaben der Feuerwehr ähnlich. „Wir sind allerdings spezialisierter“, erklärt der Regionalstellen-Leiter. So lernen die Helfer zum Beispiel, sich mit einem Schneidbrenner Zugang zu Verschütteten zu verschaffen oder Löcher in eine Kellerdecke zu bohren, um mittels einer Kamera herauszufinden, ob dort noch Menschen eingeschlossen sind.

Üben für den Ernstfall

Großübungen wie die in Bergen, an denen mehrere Ortsverbände teilnehmen, finden nur etwa alle fünf Jahre statt. Genau darum nehmen die Helfer die Aufgaben besonders ernst: „Es ist gut möglich, dass wir bis zum nächsten Mal einen Einsatz ähnlich der Szenarien hier haben“, sagt Niklas Mock. „Umso wichtiger ist es dann, dass wir das hier geübt haben.“

Alles in der Freizeit: 99 Prozent aller THW-Helfer sind ehrenamtlich dabei

Organisatorisch gehört das THW dem Bundesinnenministerium an, allerdings sind nur wenige Menschen hauptberuflich für die Behörde tätig – 99 Prozent aller Helfer arbeiten ehrenamtlich beim THW. In Niedersachsen und Bremen engagieren sich etwa 10.000 Menschen in rund 80 Ortsverbänden in ihrer Freizeit bei der Bundesanstalt.

So auch Niklas Mock vom Ortsverband Bassum (Kreis Diepholz). In der fünften Klasse kam er durch einen Freund zum THW. Derzeit macht der 21-Jährige eine Ausbildung zum Elektroniker. Vieles von dem, was er beim THW lerne, könne er auch im Privatleben benutzen, sagt er. „Wenn ich zum Beispiel eine Leiter aufstelle, kann ich einschätzen, ob die auch wirklich sicher steht. Außerdem kann ich mit einer Kettensäge und einer Kreissäge umgehen. Das kann praktisch sein.“

Niklas Mock lernt beim THW viel für den Alltag. Quelle: Lisa Neugebauer

Vor allem sei es aber die Kameradschaft, die ihn an das Hobby binde, so wie viele hier: „Wir sagen: Das THW ist die große Blau-Familie“, erklärt die ­20-jährige Jasmin Kolschen, ebenfalls aus dem Ortsverband Bassum. Sie sei durch ihren Bruder zum THW gekommen und habe so auch ihre Leidenschaft für technische Geräte entdeckt. „Dadurch bin ich auch erst darauf gekommen, eine Ausbildung zur Industriemechanikerin zu machen“, sagt sie.

Jasmin Kolschen fand durch das THW heraus, was sie beruflich machen will. Quelle: Lisa Neugebauer

Nicht jeder könne verstehen, warum sie so viel Zeit und Energie in das Hobby steckt. Etwa einmal pro Woche sei sie für Übungen, Gruppentreffen oder Einsätze beim THW – oft auch am Wochenende. „Freunde und Familie müssen dafür schon viel Verständnis aufbringen“, sagt Kolschen.

Regen, Wind und Sturm: Bei jedem Wetter müssen die Helfer des THW raus

Der Ortsverband Celle muss gerade ein Gerüst für die Außenwand eines Hauses bauen, um diese zu stützen. Auch wenn die Übungswand fest ist: Es ist nicht selten, dass bei einem Unwetter der Boden aufweicht und die Wand einzustürzen droht. Auch jetzt regnet es unaufhörlich, was das Szenario noch realistischer erscheinen lässt.

Gruppenleiter Florian Faul findet in der Arbeit beim THW seinen Ausgleich. Quelle: Lisa Neugebauer

Florian Faul ist Gruppenführer beim Ortsverband Celle und koordiniert die Übung. Seine Kameraden zersägen gerade Holzbalken, aus denen das Gerüst entstehen soll. Ob er sich etwas Besseres vorstellen kann, als am Wochenende draußen im Regen zu arbeiten? „Nein“, sagt Faul. „Erst wenn die Arbeit staubig, dreckig und anstrengend war und ich mich abends nicht mehr bewegen kann, war es ein guter Dienst.“

Geschichte des THW

Der Pionieroffizier und Bauingenieur Otto Lummitzsch gründete im Jahr 1919 die Technische Nothilfe (TN), den Vorgänger des Technischen Hilfswerkes (THW). Die Freiwilligen in der TN sollten die Menschen vor Notlagen durch Katastrophen aber auch vor den Auswirkungen von Streiks beschützen.

Nach der offiziellen Auflösung der TN nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde Lummitzsch 1950 vom damaligen Innenminister Gustav Heinemann beauftragt, eine neue Organisation für den Bevölkerungsschutz zu gründen – das THW. In Niedersachsen und Bremen folgte die Gründung des THW 1952.

Die freiwilligen THW-Mitarbeiter halfen seitdem bei großen Katastrophen wie der Sturmflut in Hamburg und dem Grubenunglück in Lengede – aber auch bei vielen kleineren Unglücken.

Als besonders denkwürdiger Einsatz gilt die technische Hilfe bei der Grenzöffnung 1989 in Eckertal im Harz: THW-Helfer durchtrennten Zaunanlagen, bauten sie ab, betreuten westwärts fahrende Besucher und richteten behelfsmäßige Wege und Übergänge ein. Die THW-Einsatzkräfte aus Bremen und Niedersachsen sind auch bei Einsätzen im Ausland aktiv.

Von Lisa Neugebauer

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