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Der Norden Gute Chancen auf ersten Grottenolm-Nachwuchs in Deutschland
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Gute Chancen auf ersten Grottenolm-Nachwuchs in Deutschland

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10:57 22.08.2020
Deutschlands einzige freilebende Grottenolm-Population aus dem Harz. könnte laut Untersuchung nun Nachwuchs erwarten. Foto: Archiv Quelle: Slovenia Tourist Board
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Rübeland

Deutschlands einzige freilebende Grottenolme könnten bald Nachwuchs bekommen. Bei einer Untersuchung ihres Lebensraums in den Rübeländer Tropfsteinhöhlen im Harz fanden Wissenschaftler am Freitag zwei Gelege mit befruchteten Eiern, wie Höhlen-Betriebsleiter Markus Mende der Deutschen Presse-Agentur sagte. „In den nächsten vier Wochen sollte da jetzt hoffentlich etwas schlüpfen“, sagte Mende. Die Chancen auf den Nachwuchs bei den mehr als 85 Jahre alten Tiere stünden nun bei 50:50 - so hoch wie nie zuvor. Die Grottenolm-Larven wären die ersten ihrer Art, die in Deutschland geboren werden.

Erstmals wurden den Angaben zufolge 1932 Grottenolme in die Höhle gebracht. Es ist unklar, wie viele davon überlebten. Als 1957 weitere Tiere dort ausgesetzt wurden, war mit den Römischen Verträgen grad die Europäische Wirtschaftsunion gegründet und mit Sputnik der erste Satellit der Geschichte ins All geschossen worden. Seitdem blieben die ursprünglich in Südosteuropa vorkommenden und bis zu 30 Zentimeter langen, weißlichen Schwanzlurche, die damals schon älter als zehn Jahre alt gewesen sein müssen, unter sich.

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2015 erstmals Eier

Grottenolme sind extrem lichtempfindlich und deshalb auch selten zu sehen. Über ihre Fortpflanzung ist extrem wenig bekannt - für die Reproduktionsforschung ist der Fund der Eier daher äußerst wertvoll und interessant. Um die Tiere nicht zu stören, untersuchten nur eine Handvoll Wissenschaftler die Olmhöhle mit einem Endoskop. Zum besseren Schutz der Eier stülpten sie dann eigens dafür entwickelte Schutzglocken aus Edelstahl und Schwamm über die Eiablagerungen. Sie sollen die Eier nun vor dem Appetit der werdenden Eltern schützen.

Seit 2014 versuchen die Tourismusbetriebes der Stadt Oberharz am Brocken mit Wissenschaftlern, die Tiere für eine Fortpflanzung zu begeistern. Mit Hilfe internationaler Experten konnte man dann zunächst das Geschlecht der Tiere bestimmen und ihren Fortpflanzungsdrang dann durch Zufütterung stimulieren. Tatsächlich fingen die Olme daraufhin an, Revierkämpfe auszutragen und Paare zu bilden. Zwei der einst fünf Männchen fielen den Kämpfen zum Opfer. 2015 dann legten die vier Weibchen im Becken in der Höhle erstmals Eier, aus denen aber keine Larven schlüpften.

Lebenserwartung: über 100 Jahre

Auch 2017 hatten die Wissenschaftler in der Höhle befruchtete Eier gefunden und sie damals in einem Aquarium geschützt. Das war offenbar zu viel Stress für die Eier, sagte Mende. Aus den befruchteten Eier schlüpfte damals nichts. Nun sind Mende und Kollegen zuversichtlich, dass es endlich mit den neuen Olmen klappt. „Wir sind auf einem sehr guten Weg“, sagte Mende.

Selbst wenn es nicht klappt, muss das nicht das Ende der Harzer Grottenolme bedeuten: Die Tiere können weit über 100 Jahre alt werden und seien in sehr guter Verfassung, sagte Mende. Erst mit 15 Jahren erreichen sie die Geschlechtsreife. Grottenolme ernähren sich nur von dem, was in den Tropfsteinhöhlen von der Decke tropft und sonst natürlich in die Höhle gelangt. Bis zu zwölf Jahre kommen sie ohne Nahrung aus. Kritisch seien bei den Lurchen vor allem die ersten drei Jahre. Wer die überstehe, habe sehr gute Chancen, sehr alt zu werden, sagte Mende.

Wie sie feststellen sollen, ob Larven geschlüpft sind, ist noch nicht ganz klar: Die Larven sind nämlich nur einen halben Zentimeter groß und so gut wie durchsichtig. In den kommenden Wochen wollen Mende und die beteiligten Wissenschaftler überlegen, wie sie die Eier aus der Ferne möglichst gut beobachten können.

Von RND/dpa