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Der Norden Gutes Wetter und wenige Störungen: So war das Jahr für Seehunde in der Nordsee
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Gutes Jahr für Nordsee-Seehunde: Wenige Störungen und gutes Wetter 2021

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08:49 25.12.2021
Junge Seehunde schwimmen in einem Becken der Norddeicher Seehundstation.
Junge Seehunde schwimmen in einem Becken der Norddeicher Seehundstation. Quelle: Sina Schuldt/dpa
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Norddeich

Wenige Störungen durch den Menschen und gute Wetterbedingungen haben den Seehunden im zurückliegenden Jahr die Aufzucht ihrer Jungtiere im niedersächsischen Wattenmeer erleichtert. Für den Seehundnachwuchs sei 2021 daher ein gutes Jahr gewesen, sagte der Leiter der Norddeicher Seehundstation, Peter Lienau, der Deutschen Presse-Agentur. Für die Station, die für die gesamte niedersächsische Nordseeküste zuständig ist, sei das zweite Corona-Jahr wirtschaftlich aber erneut nicht einfach gewesen.

Bis Mitte Mai hatte die Station, deren Besuch traditionell bei vielen Nordseeurlaubern beliebt ist, wegen der Corona-Pandemie geschlossen. In den Wochen danach habe man wegen der Corona-Beschränkungen kaum Gäste begrüßen können, sagte Lienau. „Das waren Summen an Besuchern, die nicht ausreichten, um den Betrieb zu gewährleisten.“ Mit einem besseren Hygienekonzept und einem neuen Online-Buchungssystem hätten ab Sommer dann mehr Gäste das Nationalpark-Haus besuchen können.

„Das hat uns ausgesprochen geholfen, dass wir den August, September und Oktober mehr Besucher einlassen konnten“, sagte Lienau. Durch den starken Spätsommer liegen die Besucherzahlen nach vorläufigem Stand insgesamt sogar etwas höher als noch im ersten Pandemie-Jahr. 2020 hatte die Station 156.000 Gäste registriert - knapp 43 Prozent weniger als noch 2019. Bereits 2020 brachen somit Einnahmen weg.

119 Heuler aufgepäppelt und ausgewildert

Wie die Station schon im Sommer mitteilte, wurden 2021 lediglich 128 Heuler, also von ihrer Mutter getrennte Seehundjungen, in die Norddeicher Einrichtung gebracht. Das waren etwa ein Viertel weniger Tiere als noch 2020 und knapp 40 Prozent weniger als in 2019. Von den 128 Tieren konnten 119 wieder aufgepäppelt und ausgewildert werden.

Den Seehunden kam laut Lienau zugute, dass es zu Beginn der Geburten- und Aufzuchtphase in diesem Juni weniger Störungen von Spaziergängern oder Wassersportlern gab. Wenn die Muttertiere im Wasser nach Nahrung suchen, werden die Jungtiere kurzzeitig am Strand zurückgelassen. Als Heuler gelten sie erst, wenn sie dauerhaft von der Mutter getrennt werden. Auch das ruhige Wetter ohne größere Stürme half, dass Muttertiere in Ruhe ihre Jungen auf den Sandbänken und Platen säugen konnten. Dies ist wichtig, damit die jungen Seehunde zu Beginn ihres Lebens ausreichend Kraft- und Fettreserven sammeln.

Viel zu tun hatte 2021 die Vogelstation der Einrichtung, in der verletzte oder verwaiste Wildvögel aufgezogen werden. „In der Vogelstation haben wir mehr Tiere denn je aufgenommen“, sagte Lienau. Bis Mitte Dezember waren es 985 Vögel. Da es während Corona viele Menschen ins Freie zog, habe es auch mehr Fundmeldungen gegeben. Allerdings nicht selten auch aus falsch verstandener Tierliebe, sagte Lienau. Richtig sei es, die Tiere nicht anzufassen. Oft seien etwa Muttervögel von Jungtieren nur kurz weggeflogen.

Peter Lienau, Leiter der Seehundstation. Quelle: Sina Schuldt/dpa

Ausbau-Pläne: Mehr Platz für Tiere und Besucher

Auch wenn dieses Jahr insgesamt weniger Heuler in der Station aufgezogen wurden als in den Vorjahren, plant das Haus mittelfristig mehr Platz für Tiere und Besucher zu schaffen. „Die Idee ist seit Längerem im Hinterkopf, da wir in einigen Wochen im Sommer aus allen Nähten platzen - sowohl tierisch als auch menschlich.“

Um zusätzliche Becken und mehr Ausstellungsfläche zu schaffen solle nun zunächst einmal die Änderung eines Bebauungsplanes geprüft werden. Diese Planungen aber jedoch noch nicht weit fortgeschritten - noch fehle es auch an einer Förderung. „Allein würden wir das nicht bewältigen können“, sagte Lienau. Die Station sei vor allem auf Besucher-Einnahmen und Spenden angewiesen. Nun müsse es zunächst darum gehen, nach Corona zurück in den Normalbetrieb zu finden.

Von RND/dpa