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Der Norden Rettung für marode Wege in Niedersachsen
Nachrichten Der Norden Rettung für marode Wege in Niedersachsen
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18:35 10.03.2019
Weg zu schmal für viele Landmaschinen Quelle: Ronald Olomski
Hannover

Tiefe Löcher, lange Risse. Das Tausende Kilometer umfassende Netz von Wirtschaftswegen in Niedersachsen ist vielerorts marode, die anstehende Sanierung überfordert die Kostenträger. Doch nicht jeder Asphalt- oder Schotterweg muss erneuert werden, wie der Niedersächsische Heimatbund meint. Unter seiner Federführung ist das Projekt „Wege in Niedersachsen“ (WiN) gestartet, mit Rehburg-Loccum als ausgewählter Modellstadt geht es jetzt im März an die Umsetzung. „Uns geht es um einen gerechten Umgang mit ländlichen Wegen“, sagt Projektleiter Max Peters. Beteiligt sind der Städte- und Gemeindebund und der Landkreistag, auch das Agrarministerium in Hannover bildet eine Arbeitsgruppe zur ländlichen Infrastruktur.

Rübenlaster überfordern Feldwege

Wirtschaftswege wurden in den 1960er und 1970er Jahren häufig für drei Tonnen Achslast und in einer Breite bis 2,20 Meter gebaut. Heute fahren Traktoren mit 60 km/h zu den Feldern, die Maschinen sind oft drei Meter breit. Lastwagen die etwa beladen mit Rüben, bis zu 40 Tonnen wiegen, zerstören Asphaltdecken und Randstreifen. Gleichzeitig sind viele der alten Wege, oft nur notdürftig geflickt, in die Jahre gekommen. „Das ist ein Riesenproblem“, meint Meinhard Abel vom Städte- und Gemeindebund in Hannover. Die Unterhaltung des kompletten Wegenetzes könnten die Kommunen schlichtweg nicht leisten.

Hier setzt das neue WiN-Projekt an, das von der Bingo-Umweltstiftung gefördert wird. Beispielhaft auf dem Gebiet von Rehburg-Loccum (Kreis Nienburg) sollen sämtliche Wirtschaftswege kartiert und auf Zustand und Funktionalität überprüft werden. „Das sind bei uns rund 290 Kilometer“, sagt Bürgermeister Martin Franke. „Vielleicht ist der ein oder andere Weg wirklich entbehrlich.“ Ihm falle da etwa ein Zufahrtsweg in einem Wald bei Münchehagen ein, der Landwirt könne sein Grundstück auch über einen anderen Weg gut erreichen.

Blühstreifen am Wegrand

„Von dem Projekt erhoffen wir uns als Gemeinde vor allem ein zielgerichtetes Verfahren, das allen Nutzern gerecht wird“, sagt der parteilose Bürgermeister. Dazu zählten neben den Landwirten gerade in der Tourismusregion Steinhuder Meer etwa auch Radfahrer und Reiter. Natürlich profitiert davon nicht zuletzt die örtliche Bevölkerung. Auch der Naturschutz spielt bei WiN eine große Rolle: Wegbegrenzungen wie Bäume, Hecken bilden wichtige Lebensräume etwa für Insekten und Vögel. Mit einem groß angelegten Blühstreifenprogramm hat Rehburg-Loccum in dieser Hinsicht schon vorgelegt – das ist der Stadt nach Frankes Einschätzung bei der Bewerbung zugute gekommen, an der sich 22 Kommunen beteiligten.

Der Heimatbund, der das Projekt ins Leben gerufen hat, plädiert für ein grundsätzlich neues Konzept von Wegenetzen, in denen verschiedene Wege verschiedene Aufgaben erfüllen. „Wege dienen nicht nur der Erschließung der Fläche, sondern sind gleichermaßen als gestaltende, gliedernde und vernetzende Elemente zu sehen“, sagt der promovierte Landschaftswissenschaftler Max Peters. Wege können als historische Verbindung zwischen Orten, zu Weihern, zu Kapellen oder als Pilger- oder Kirchweg eine lange Geschichte haben und so zur Identifikation mit der niedersächsischen Kulturlandschaft beitragen.

Ländliche Wege machen nach Angaben des Projektleiters rund 60 Prozent der Verkehrswege aus: „Die Netzstruktur ist engmaschig, unterhaltungsaufwendig und nicht geeignet, Verkehre zu lenken.“ Nötig sei ein modernes Wegenetz, das sowohl den Anforderungen der Landwirtschaft als auch den Bedürfnissen der Freizeitgesellschaft gerecht werde. Gleichzeitig müssten die Wegränder im Sinne des Naturschutzes einbezogen werden.

Feldwege brauchen Unterbau

Bisher wird vor allem die Instandsetzung der für Landwirte besonders wichtigen Haupterschließungswege staatlich gefördert. Seit 2014 hat das Land nach Angaben von Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) dafür bereits mehr als 61,5 Millionen Euro überwiesen und damit schon rund 13 Millionen Euro mehr als in der EU-Förderperiode 2007 bis 2013. Auf diese Weise konnten pro Jahr bis zu 4000 Kilometer Wirtschaftswege saniert werden. Das beim Bund angesiedelte Thünen-Institut hat jedoch errechnet, dass jährlich 12000 Kilometer an der Reihe wären. Dafür reicht das Geld bei weitem nicht, obwohl der Landtag im vergangenen Jahr die Mittel noch um drei Millionen Euro aufgestockt hat. Denn eine gründliche Sanierung ist immer mit einer Auskofferung des Bodens verbunden; ohne richtigen Unterbau hält selbst die beste Asphaltdecke nicht. Nach Angaben des Agrarministeriums kommen für einen Kilometer Wirtschaftsweg so schnell 150000 Euro Sanierungskosten zusammen, in Moorregionen auch mal doppelt so viel.

Schon vor Jahren besonders viele Gedanken um die Sanierung der Wirtschaftswege hat sich die Gemeinde Schiffdorf im Kreis Cuxhaven gemacht. „Wir haben für uns einen Lösungsweg gefunden“, sagt Michael Dähn vom Planungsamt. Der Ausbau sei im Prinzip in die Hände der Landwirte gelebt worden. Dass die Bauern inzwischen viele Reparaturen selbst organisieren, spare Kosten und führe zu schnellerer Sanierung. „Das war ein richtig großer Wurf gegen viele Widerstände“, schwärmt Dähn. Doch auch in Schiffdorf werde sich demnächst wohl die Frage stellen: „Brauchen wir diesen oder jenen Weg überhaupt?“

Wer muss für kaputte Wege zahlen?

Die Verantwortung für den Wegebau außerhalb der Ortschaften ist in Niedersachsen unterschiedlich geregelt. Während im nördlichen Teil des Landes meist die Kommunen in der Pflicht stehen, tragen südlich etwa einer Linie Hildesheim-Braunschweig häufig Realverbände oder ähnliche Zusammenschlüsse von Landwirten die Kosten. „Das ist historisch gewachsen“,erläutert Henning Isensee vom Landwirtschaftsministerium in Hannover. Ein Grund sei, dass besonders im Nordwesten viele der landwirtschaftlich genutzten Wege als Verbindungsstraßen zwischen Ansiedlungen dienten.

Entsprechend seien die Wirtschaftswegeim Norden häufiger mit Beton- oder Asphaltdecken versehen. Die selbstverwalteten Eigentümerverbände im Süden, die sich über Mitgliedsbeiträge finanzieren, verzichteten dagegen oft sogar auf Schotter und begnügten sich mit einer festgefahrenen Wegdecke. Bei dringenden Reparaturen beschränkten sie sich aus Kostengründen häufig auf das Notwendigste.

Für landwirtschaftlich genutzte Wege gibt es die Möglichkeit einer Förderung über das Agrarministerium. Dieses stellt unter anderem EU-Mittel, aber auch Fördermittel des Bundes zur Kofinanzierung bereit. Vor einer Anliegerbeteiligung scheuen die Kommunen in der Regel angesichts erheblicher Widerstände zurück. Auch ein Versuch mit einer Treckermaut in Wardenburg im Oldenburger Land ist gescheitert.

Von Gabriele Schulte

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