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Der Norden Bahlsen will eigene NS-Vergangenheit aufarbeiten
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Hannover: Bahlsen lässt die eigene NS-Vergangenheit erforschen

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00:21 19.05.2019
Der Willkür ausgesetzt: NS-Zwangsarbeiter bei Bahlsen vor einer Baracke. Quelle: PHL
Hannover

In der Debatte um NS-Zwangsarbeiter bei der Firma Bahlsen geht das Unternehmen jetzt in die Offensive. Die Firma und die Eigentümerfamilie haben angekündigt, die Rolle des Unternehmens in der NS-Zeit wissenschaftlich aufarbeiten zu lassen. Dazu soll Prof. Manfred Grieger von der Universität Göttingen ein unabhängiges Expertengremium zusammenstellen und eine wissenschaftlich fundierte Unternehmensgeschichte verfassen, heißt es in einer Erklärung des Keksherstellers.

In den vergangenen Tagen hatte Firmenerbin Verena Bahlsen mit umstrittenen Aussagen zu Zwangsarbeitern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst: Diese seien im Unternehmen ihrer Familie „gut behandelt“ worden, hatte die 25-Jährige erklärt – und nach massiven Protesten am Mittwoch dann um Entschuldigung für ihre unbedarften Aussagen gebeten.

„Wir wollen erforschen, welche Rolle Bahlsen-Produkte in der NS-Zeit spielten, wie die Familie sich zum Regime verhielt und wie sich die Situation der Zwangsarbeiter darstellte“, erklärte Historiker Grieger gegenüber der HAZ. Bahlsen habe ihm völlige Unabhängigkeit, Zugang zu den Archiven und das Recht zur Veröffentlichung der Ergebnisse zugesichert. Mit welchem Betrag Bahlsen das Forschungsprojekt finanziert, gab das Unternehmen nicht bekannt.

Wille zur Aufarbeitung

Unter anderem hatte auch Historiker Grieger die Darstellung der jungen Unternehmerin kritisert. Der renommierte Geschichtswissenschaftler war bis 2016 Chef-Historiker bei Volkswagen. Er hatte dabei immer wieder mit der NS-Vergangenheit des Autobauers zu tun. Dabei scheute er auch Konflikte mit der Konzernführung nicht. Mit seiner Verpflichtung will Bahlsen offenkundig Willen zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte zeigen – und das angekratzte Image wieder aufpolieren. Bahlsen hatte während des Krieges Hunderte von Zwangsarbeitern, vor allem aus Osteuropa, beschäftigt.

Ein Forschungsprojekt des Instituts für politische Wissenschaft der Uni Hannover hatte schon in den Neunzigerjahren die Belegschaftsgeschichte der Firma Bahlsen untersucht. Dafür hatte das Unternehmen sein Archiv schon einmal für Historiker geöffnet. Jetzt soll das Expertengremium dieses Kapitel der Firmengeschichte noch einmal genauer aufarbeiten.

Verena Bahlsen hatte nach der Kritik an ihren Äußerungen in einer persönlichen Erklärung selbstkritisch gesagt, dass sie sich mit der Geschichte des familieneigenen Unternehmens intensiver beschäftigen müsse. Sie ist die Urenkelin des Firmengründers Hermann Bahlsen und die Tochter Tochter des langjährigen Firmenchefs Werner Michael Bahlsen, der sich vor einem Jahr aus dem Alltagsbetrieb in den Verwaltungsrat zurückgezogen hatte. Die Bahlsen-Gruppe macht einen Jahresumsatz von rund 560 Millionen Euro. In diesem Jahr feiert das Unternehmen sein 130-jähriges Bestehen.

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Von Simon Benne

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