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Hannover: Verena Bahlsen bittet um Entschuldigung für Zwangsarbeiter-Äußerungen

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00:20 18.05.2019
„Wir haben Verantwortung für unsere Geschichte“: Verena Bahlsen entschuldigte sich für ihre umstrittenen Äußerungen. Quelle: ZB
Hannover

Solche Sätze haben Sprengkraft, daran hat sich auch fast 75 Jahre nach Kriegsende nichts geändert: „Wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt“, erklärte Keks-Erbin Verena Bahlsen in einem Interview. Die Firma ihrer Familie habe sich nichts zuschulden kommen lassen, sagte die 25-jährige Unternehmerin – und löste prompt einen Sturm der Entrüstung aus. Historiker kritisierten ihre Äußerungen, und SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil monierte mangelndes Verantwortungsbewusstsein.

Jetzt rudert Verena Bahlsen zurück: In einer persönlichen Erklärung bedauert sie ihre Äußerungen und bittet um Entschuldigung. Dass aus ihrer Rede über Nachhaltigkeit in der Wirtschaft auf einem Kongress in Hamburg eine Debatte über Zwangsarbeiter im Dritten Reich und die Rolle des Unternehmens Bahlsen geworden sei, sei nicht ihre Absicht gewesen. „Dass ich die Debatte später durch unbedachte Äußerungen verstärkt habe, war ein Fehler“, erklärt sie. „Das tut mir leid. Nichts liegt mir ferner, als den Nationalsozialismus und seine Folgen zu verharmlosen.“

Im hannoverschen Werk der Bahlsens mussten während der NS-Zeit Hunderte von Zwangsarbeiterinnen schuften; die meisten waren aus Osteuropa verschleppt worden. „Ich habe erkannt, dass ich mich intensiver mit der Historie des Unternehmens, dessen Namen ich trage, beschäftigen muss“, teilt Verena Bahlsen jetzt in ihrer Erklärung mit. „Als Nachfolgegeneration haben wir Verantwortung für unsere Geschichte“, sagt sie. „Ich entschuldige mich ausdrücklich bei allen, deren Gefühle ich verletzt habe.“

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Von Simon Benne

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