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Der Norden Jagdhund beißt 89-Jährige zuhause tot - Sohn erschießt Hund
Nachrichten Der Norden Jagdhund beißt 89-Jährige zuhause tot - Sohn erschießt Hund
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01:15 04.03.2019
Ein Jagdhund der Rasse Deutsch Drahthaar Quelle: dpa (Symbolbild)
Ganderkesee

Schock für einen Jäger aus Ganderkesee: Als der 51-jährige Mann am Donnerstagnachmittag nach Hause kam, fand er seine Mutter leblos am Boden. Offenbar wurde die 89 Jahre alte Frau vom gemeinsamen Hund totgebissen. Wie die Polizei mitteilte, zerrt der Jäger den Hund anschließend in den Garten und erschoss ihn. Die Polizei geht von einem tragischen Unglück aus.

Der Jagdhund hatte die Frau in ihrem Wohnhaus in Ganderkesee bei Bremen getötet. Der 51 Jahre alte Sohn fand das Tier auf einem Sessel sitzend vor, teilte die Polizei am Freitag mit. Aufgrund der massiven Verletzungen sei der Sohn davon ausgegangen, dass der Hund seine Mutter totgebissen hat. Daraufhin habe der Jäger den Hund mit seinem Jagdgewehr im Garten erschossen.

Eine Obduktion der alten Frau ergab, dass sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit von dem Hund getötet wurde. Hinweise auf ein menschliches Fremdverschulden fanden sich nicht.

Wie ein Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg sagte, sei noch unklar, ob der Hund bereits früher durch Aggressivität aufgefallen sei. Die Familie hatte den zehnjährigen Rüden der Rasse Deutsch Drahthaar bereits seit Längerem besessen. Die Ermittler hätten vor Ort nicht mehr feststellen können, was der Auslöser der tödlichen Hundeattacke war. Beim Eintreffen des Sohnes habe er zumindest vollkommen friedlich auf dem Sessel gesessen.

Der Jäger wurde von der Polizei vernommen. Ob er mit Konsequenzen rechnen muss, weil er den Hund eigenmächtig erschossen hat, konnte die Staatsanwaltschaft am Freitag noch nicht sagen. Der Mann besitze einen Jagd- und einen Waffenschein.

Deutsch Drahthaar seien sehr gute Jagdhunde, sagte Professor Ingo Nolte von der Tierärztlichen Hochschule Hannover. „Mit seiner Kraft und seiner Bissstärke kann er durchaus auch Wildschweine reißen.“ Die Rasse sei treu und dem Menschen verbunden. Dass er sich gegen einen Menschen aus seinem direkten Umfeld wende, sei eigentlich nicht vorstellbar, sagte Nolte. Selbst dann nicht, wenn dieser ihn provoziert hätte. Die einzige vernünftige Erklärung sei, dass der Hund an einer krankhaften Störung gelitten habe, die sich auf sein Gehirn ausgewirkt haben könnte – besonders, da der Deutsch Drahthaar bereits zehn Jahre alt war und länger bei der Familie gelebt hatte.

Erst vor einem knappen Jahr hatte eine tödliche Hundeattacke in Hannover für Erschütterung gesorgt. Kampfhundmischling Chico hatte Anfang April seine 52 Jahre alte, im Rollstuhl sitzende Besitzerin und deren 27 Jahre alten Sohn totgebissen. Das Veterinäramt der Stadt hatte es trotz Hinweisen auf die gesteigerte Aggressivität des Hundes versäumt, frühzeitig durchzugreifen. Chico litt zum Zeitpunkt der Beißattacke an einer stark schmerzhaften Kieferverletzung. Wegen der Schwere der Verletzung entschied die Veterinärbehörde, den Hund einzuschläfern.

Von Michael Evers und Lisa Neugebauer