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Der Norden Initiative Fellwechsel: Hier werden erlegte Füchse zu Handytaschen
Nachrichten Der Norden Initiative Fellwechsel: Hier werden erlegte Füchse zu Handytaschen
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00:15 30.12.2018
Handyhüllen und Schlüsselanhänger: Diese Produktideen stammen überwiegend aus dem Fell von Füchsen. Quelle: Fellwechsel GmbH
Dahlenburg

Eine Nutria wird zum Jackenkragen, ein Waschbär zur Mütze, ein Rotfuchs zum Sofakissen: Die Jägerschaft will Felle von erlegtem Raubwild nutzen, anstatt sie wie bisher zu vernichten. Gerade ist Hochsaison für das Sammeln der sogenannten Bälge – denn Winterfelle sind besonders gut verwertbar. An mehr als 50 Stationen in Niedersachsen stehen bereits Sammelbehälter für die Tierkörper, bevor sie zum Gerber gehen.

Bundesweite Sammelstationen

Rotfüchse, Marderhunde, Waschbären, Dachse, Stein- und Baummarder, Große Wiesel, Iltisse, Minke und Bisams kommen für die Weiterverarbeitung infrage. Bislang werden die meisten der mehreren Hunderttausend Raubsäuger, die pro Jahr bundesweit von Jägern erlegt werden, vergraben oder vernichtet. Eine Tochterfirma des Deutschen Jagdverbands namens Fellwechsel will das ändern und sammelt die Bälge an mittlerweile 540 Stationen in ganz Deutschland ein.

Auch die Nutria, die in Niedersachsen aufgrund der von ihr verursachten Schäden an Böschungen und Deichen immer stärker bejagt wird, findet nach ihrem Tod eine Verwendung: als Westenfutter oder Kragenbesatz an edlen Lodenjacken eines deutschen Jagdausstatters. 24 320 Nutrias haben Jäger 2018 allein in Niedersachsen erlegt – so viele wie nie zuvor. Künftig sollen sogar drei Berufsjäger bei der Landwirtschaftskammer eingestellt werden, deren einzige Aufgabe der Kampf gegen die aus Südamerika eingewanderten Tiere ist.

Beim eigentlich in Nordamerika heimischen Waschbär ist die Zahl der geschossenen Tiere ebenfalls stark angestiegen – in der Saison 2017/2018 um 32 Prozent auf 15 812. „Er macht sich vom Süden her in Niedersachsen breit“, berichtete Helmut Dammann-Tamke, Präsident der niedersächsischen Landesjägerschaft, im November.

Verwertet: Die Damenjacke ist innen mit geschorenem Nutriafell gefüttert und besitzt einen Kragen vom Steinmarder, das Herrenmodell ist mit einem Waschbärkragen ausgestattet. Quelle: fellwechsel

„Wir wollen die natürlichen Ressourcen nutzen und finden diese Art von Fell viel sinnvoller als das aus Tierfarmen“, sagt Christoph Lütgens. Der 62-Jährige ist seit 45 Jahren Jäger und leitet einen mehr als 50 Reviere umfassenden Hegering nahe dem großen Waldgebiet Göhrde an der Elbe. In einem zentral im Hegering gelegenen Eisenwarenladen steht seit einigen Wochen ein Gefrierschrank.

Zu den üblichen Öffnungszeiten können seine Kollegen und er dort die in Plastiktüten verpackten und mit einem Herkunftsnachweis versehenen Tierkörper abgeben. Er ist schon gut gefüllt, berichtet Lütgens. „Die Kollegen machen mit, weil sie die Idee gut finden. Gerade jetzt ist das Fell gut zu verwerten, weil die Bälge reif sind, es Unterwolle gibt und die Haare gut halten. Im Sommer fallen sie dagegen schnell aus.“

Gelbes Schild: Die Marke macht die Herkunft des Tieres nachvollziehbar. Quelle: fellwechsel

Etwa einmal im Monat holt die Firma Fellwechsel die Tierkörper ab und bringt sie nach Rastatt in Baden-Württemberg, wo ihnen das Fell in einer sogenannten Abbalgstation abgezogen wird. Von dort gehen sie weiter an Gerber ausschließlich in Deutschland. Die fertigen Muffs, Kissen und Schlüsselanhänger verkauft die Firma über den Internetshop des Deutschen Jagdverbandes. Doch vom toten Rotfuchs in der Tiefkühltruhe bis zum Rotfuchskissen auf dem Sofa oder der Nutria am Jackenkragen kann es durchaus eine Weile dauern: Die Gerber haben bis zu einem Jahr Wartezeit, weil sie so stark ausgelastet sind und fürs Gerben mehr als 100 Arbeitsschritte nötig sind.

Schnelles Wachstum

Der Leiter der Abbalgstation in Rastatt, Frederik Daniels, hat das Projekt im vergangenen Jahr mitinitiiert und rechnet in dieser Saison mit mehr als 14 000 abgelieferten Tieren. „Vorige Saison haben wir 7000 Stück von den Jägern bekommen, und wir sind seither von 270 Sammelstellen bundesweit auf das Doppelte angewachsen.“

Bislang werden die Jäger gebeten, die Bälge kostenlos abzugeben, da das Geschäft noch defizitär läuft. Das Interesse von Käuferinnen und Käufern aber scheint groß zu sein: Zurzeit sind bereits einige Artikel ausverkauft. Doch bald gibt es wieder neue, sagt Daniels: Die ersten Waschbärenmützen kommen.

Die Weiterverarbeitung der Pelze hat bereits Kritik hervorgerufen. Die Initiative „Wild beim Wild“ für die Abschaffung der Hobbyjagd sowie das „Aktionsbündnis Fuchs“ warfen der Jägerschaft vor, dass dieser Pelz nur vermeintlich ökologisch korrekt sei, die Jagd auf Beutegreifer rechtfertige und „untrennbar mit Leid und Tod von Tieren verbunden“ sei. Zudem monierten sie öffentlich die Förderung des Projekts durch die Landesregierung von Sachsen-Anhalt.

„Alle reden derzeit von Plastikmüll in den Weltmeeren, und gleichzeitig bleibt eine wunderbare, natürliche Ressource größtenteils ungenutzt“, sagte Jörg Friedmann aus dem Präsidium des Deutschen Jagdverbands jüngst als Reaktion auf die Kritiker. „Fakt ist: Kunstpelze werden aus Erdöl hergestellt und sind schwer abbaubar.“ Pelz sei „auch nur Leder mit Haaren“, die Tiere würden im Rahmen des Artenschutzes ohnehin erlegt.

Kritikern hält der Deutsche Jagdverbandentgegen, eine Bejagung der Raubsäuger wie etwa Fuchs, Waschbär und Marderhund sei für den Artenschutz notwendig.

Von Carolin George

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